Festungen
der Barrière de Fer


Festungen, die zwischen 1971 und 1918 in Frankreich
zum Schutz vor dem Deutschen Kaiserreich
errichtet wurden.


Das Furchtbarste an jedem Krieg ist der Umstand,
das die Menschen ihn wie ein Naturereignis -
etwa wie einen Blitzschlag, ein Erdbeben, eine Springflut -
hinzunehmen pflegen, während er in Wirklichkeit ein mit ihrer
eigenen Duldung und Mithilfe von Menschenhand vorbereitetes
Unternehmen ist, bei dem man den Initiatoren und
Managern auch noch die sichersten Plätze reserviert.

Sigmund Graff
(1898-1979)


Der Krieg 1870/71 und die Folgen für Frankreich

1871: Die Franzosen waren geschockt. Frankreich wurde in einem gerade einmal ein Jahr dauernden Krieg gegen das Königreich Preußen und seinen deutschen Verbündeten auf eigenem Boden schmachvoll geschlagen. Und am Tag des Friedensschlusses wurde obendrein das Deutsche Reich unter der Führung von Kaiser Wilhelm II. gegründet. Als wäre das noch nicht genug gewesen; obendrein musste Frankreich die wirtschaftlich wichtigen Regionen Elsass und Lothringen an den Erzfeind abtreten, der wenig später das sogenannte Reichland Elsass-Lothringen gründete.

Der verlorene Krieg und der Verlust wichtiger Landesteile an der bisherigen Grenze zu Deutschland hatten für Frankreich tiefgreifende Folgen. Es war aus dem Konflikt völlig geschwächt und in Europa isoliert hervorgegangen. Außerdem war es an seinen (neuen) Grenzen wehrlos, weil es dort über keine Verteidigungsanlagen verfügte. Diese wurden nämlich kurz vor Ausbruch des Deutsch-französischen Krieges rund um Metz errichtet. Schnell war klar, dass ein grundlegend neues Verteidigungssystem aufgebaut werden muss.

Das war die Stunde von General Séré de Rivières. Er ist einer der großen Festungsbaumeister, den viele Franzosen noch heute verehren – neben Sébastien Vauban, der unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV. diente und André Maginot - Erbauer der Maginot-Linie.

General Séré de Rivières - Erbauer der Barrière de Fer

General Séré de Rivières
Erbauer der Barrière de Fer

Rivières wurde ins Kriegsministerium berufen, weil er kurz vor Ausbruch des Deutsch-französischen Krieges eben hier vorstellig wurde, um seine Pläne für eine neuartige Festung vorzustellen. Das Prinzip gleicht entfernt dem deutscher Festungen, die später rund um Metz errichtet wurden. Rivières Idee war, kleinere Forts zu errichten, diese in fünf bis zehn Kilometern Entfernung voneinander zu errichten, so dass sie sich gegenseitig unterstützen konnten. Optimalerweise werden diese um eine Stadt herum errichtet, so dass auch diese gesichert werden kann. Die Soldaten wiederum sollten in Kasematten untergebracht sein, die von einem mächtigen Erdwall überdeckt sind. Dieser bot ausreichenden Schutz vor der Artillerie (jedenfalls in den 80er-Jahren dieses Jahrhunderts).

Ferner sah sein Konzept vor, dass der zu errichtende Festungsgürtel immer wieder Lücken aufweist, in den feindliche Truppen hineinstoßen können, um dann an den Flanken von den eigenen Festungen attackiert werden zu können.

Im Juni 1874 erhielt Séré de Rivières von der französischen Regierung, sein neues Konzept zur Verteidigung des Landes in die Tat umzusetzen und eine neue Verteidigungslinie zu Deutschland zu bauen. In den Jahren darauf entstand so die Barrière de Fer, die heute als Vorläufer der späteren Maginot-Linie gilt. Viele Franzosen bezeichnen dieses Bollwerk heute noch voller Stolz als Système Séré de Rivières.



General
Séré de Rivières

Erbauer der Barrière de Fer.
Sie gilt als Vorläufer der Maginot-Linie.

Diese Verteidigungs- und Festungslinie wird von vielen Franzosen auch Système Séré de Rivières genannt.

Barrière de Fer – die neue Festungslinie

Verlauf der Barrière de Fer zwischen Verdun und Belfort

Barrière de Fer zwischen Verdun und Epinal
Quelle: The Americans in the Great War - V2 The Battle of Saint Mihiel von 1915

Externer Link - historische Landkarte:
Karte der südlichen Westfront

Das militärische Konzept der Barrière de Fer basiert also auf einer Kette unterschiedlichster Festungen, die strategisch wichtige Städte und Verkehrswege schützen. Anker des Systems waren die sogenannten Camps Retranchés. Das waren Großfestungen, die wiederum von Gürtelforts umgeben waren. Die Städte Verdun, Toul, Épinal und Belfort galten also solche Großfestungen. Selbstredend wurde auch der Raum zwischen den Städten durch sogenannte Sperrforts beziehungsweise Zwischenwerke gesichert. Einzige Ausnahmen war die Region zwischen Toul und Épinal. Hier sah Revières eine Lücke vor. Er nannte Sie Trouée de Charmes. Er erwartete, dass die deutschen Truppen im Fall eines Angriffes diesen Weg nutzen, um in Richtung Paris vorzurücken. In dem Fall müsste die deutsche Heeresleitung die Truppen auf engstem Raum konzentrieren, so dass die französische Armee sie hätte massiert angreifen und zurückschlagen können.

Und in der Tat: In gewisser Weise ging der Plan Rivières auf. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs kam es zwischen dem 24. und 26. August zu einer kurzen und heftigen Grenzschlacht zwischen Toul und Épinal. Heute spricht man von der Schlacht an der Trouée de Charmes. Eingeleitet wurde die Schlacht durch einen Angriff der deutschen 6. Armee unter der Führung des Kronprinzen Rupprecht aus dem Raum Lunéville. Er stieß auf die 2. französische Armee unter Édouard de Castlnau. Nach anfänglichen Erfolgen der deutschen Armee wendete sich schnell das Blatt. Kurz nach dem Beginn der Offensive musste Rupprecht einsehen, dass es kein Durchkommen gab. Stark geschwächt musste er sich zurückziehen. Frankreich wiederum war eine Katastrophe entgangen. Wären die Deutschen hier durchgebrochen, hätten sie quasi freie Bahn in Richtung Paris gehabt.

Die Barrière de Fer konzentrierte sich allerdings nicht nur auf die Regionen zwischen Verdun und Belfort. Sie reichte letztlich von der Nordseeküste bis zum Mittelmeer und unterteilte sich in mehrere Gruppen mit unterschiedlicher Ausbaustärke. Der nördliche Teil reiche von Dünkirchen bis Montmédy, über Maubeuge und Lille. Er war recht schwach gefestigt. Dann folgte der mittlere Abschnitt, auf den ich bereits eingegangen bin – Verdun, Toul, Épinal und Belfort. Weiter südlich verlief sie dann über die Festungsstädte Besançon und Pontarlier bis zum Mittelmeer. Entlang der italienischen Grenze wurden allerdings meist alte Festungsanlagen modernisiert (Albertville, Briançon oder Tournoux).

Alles in allem entstanden unter der Regie von Séré de Rivières zwischen 1874 und 1885 mehr als 190 Festungen, knapp 60 Zwischenwerke und knapp 280 Batterien. Die kosten dieses gigantischen Projekts nationalen Ausmaßes beliefen sich auf schätzungsweise 450 Millionen Goldfranken für die Festungen selbst und weitre 250 Millionen Goldfranken für die Bewaffnung.





Barrière de Fer zwischen Verdun und Belfort

1918 - Schlacht am Trouée de Charmes zwischen Toul und Épinal

Schlacht am Trouée de Charmes zwischen Toul und Épinal
Quelle: Michelin 1919, German objectif 24 august 1914, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Die eingangs gezeigte Karte zeigt den deutsch-französischen Grenzverlauf zwischen 1871 und 1918. Rivières Strategie sah eine massive Konzentration der französischen Armee westlich der Maas vor, wobei sich die Brücken in Reichweite der eigenen Geschütze auf den Maas-Höhen befanden. Günstig war, dass sowohl die Maas als auch die Mosel natürliche Barrieren waren und somit eine doppelte Verteidigungslinie erlaubten.

Der Nachteil seines Plans war, dass die riesige und von feindlichen Truppen gut zu durchquerende Woëvre-Ebene zwischen Stenay, Longwy, Toul und Nancy im Falle eines Angriffs geopfert werden musste. Die Bedeutung dieses möglichen Verlustes wurde durch die Entdeckung von Kohlerevieren im Bezirk Briey noch verstärkt. Es wurde daher beschlossen, eine Reihe von Bataillonen von Jägern in den Woëvre-Städten zu stationieren. Darüber hinaus konnte durch die Verabschiedung des Dreijährigen Wehrdienstgesetzes die Zahl der Deckungstruppen deutlich erhöht werden. Im Jahre 1914 sah der Konzentrationsplan die Zusammenlegung der dritten französischen Armee in der Woëvre-Ebene vor. Es wurden jedoch keine permanenten Verteidigungsanlagen errichtet. Die Festung von Longwy, isoliert und von geringem militärischem Wert, konnte keinen wirksamen Schutz bieten.

Die deutsche Regierung hatte der französischen Regierung mehrfach zu verstehen gegeben, dass sie die Errichtung von Befestigungen in Woëvre ablehnen würde. Auf der anderen Seite haben die Deutschen ihre eigene Grenze von Metz nach Thionville ständig verstärkt, indem sie den Umfang des befestigten Lagers von Metz von 25 auf 90 Kilometer erhöht und etliche neue Festungen errichtet hatten.



Festung


TOP-10: Festungen der Barrière de Fer

In den letzten Jahren besuchte ich etliche Festungen der Barrière de Fer. Viele von ihnen faszinierten mich. Meist waren es die, die schon seit vielen Jahren schlummern und vergessen in den Wäldern rund um Verdun, Toul, Épinal oder Belfort verborgen liegen.

Festung


Forts errichet zwischen 1874 und 1899

Die ersten Festungen wurden aus Bruchsteinen gemauert und die Kasematten waren bedeckt von einer Erdschicht, die zwischen zwei bis fünf Meter dick war. Selbstredend waren alle Forts auf autonomem Kampf ausgerichtet. Sie verfügten über Lebensmittel- und Munitionsvorräte sowie Versorgungsreinrichtungen (Krankenstation, Küche, Wassertanks etc.). Als Hauptbewaffnung dienten unter freien Himmel aufgestellte Geschütze. . Zum Schutz vor feindlichen Infanterieangriffen waren sie meist umgeben von einem trockenen graben. Ihre Form konnte noch dem polygonale System zugerechnet werden. Kurz vor Fertigstellung der neuen Festungslinie kamen allerdings ein neue Sprengstoffe auf. Auf einen Schlag waren viele Forts veraltet. Also begannen die ersten Modernisierungsarbeiten direkt nach Abschluss der Bauarbeiten.

Forts errichet zwischen 1899 und 1914

Wie gesagt: Es war klar, dass die herkömmlich errichteten Festungen (auch wenn sie just erbaut wurden) einem Beschuss mit moderner Artillerie nicht mehr standhalten konnten. Ähnliches galt auch für die unter freiem Himmel aufgestellte eigene Artillerie. Man begann nach und nach die Festungen mit modernen Panzertürmen auszustatten. Anfangs setzte man auf gemischte Metall- oder laminierte Eisentürme wie beispielsweise dem Bussières Eclipse Turret von 1888. Außerdem setzte man auf Stahlbeton als Baumaterial, weil dieser einfach Widerstandsfähiger war. Obendrein wurden die Forts elektrifiziert und an die zivilen Stromnetze angebunden. Einige von ihnen verfügten sogar über eine primitive Fotovoltaikanlage.



Bildergalerien - Festungen der Barrière de Fer

Barriere de Fer

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