Gürtelfestung Namur

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kommt das belgische Militär zu der Erkenntnis, dass das Land mit der kleinen und schlecht ausgerüsteten Armee im Fall eines Krieges nicht in Gänze verteidigt werden kann. Deswegen beschließt man, die Landesverteidigung auf mehrere Städte zu konzentrieren, die jeweils durch waffenstarrende Festungsringe geschützt werden. Neben Antwerpen, Lüttich wird auch Namur als eine dieser besonders zu befestigenden Städte ausgewählt. Vor diesem Hintergrund entstanden zwischen 1888 und 1892 rund um Namur insgesamt neun Festungen. Sie ziehen einen Festungsring rund um die Stadt – in etwas sechs bis acht Kilometern Entfernung. Mit diesem Vorhaben wurde General Henri Alexis Brailmont beauftragt, der die zu errichteten Forts entwickelte und den Bau persönlich überwachte.

Wissenswertes über den Bau der Brialmont-Forts rund um Lüttich

Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France

Plan eines Panzereinheitswerks
Quelle: gallica.bnf.fr

Nachfolgend ein Auszug aus einer Denkschrift, die 1915 der deutsche General des Ingenieur- und Pionierkorps beim General-Gouvernement in Belgien verfasste:

„In der Mitte jedes Forts befindet sich ein großer Betonbau mit den Panzertürmen für 12 cm-, 15 cm- und 21 cm-Geschützen – kurz Batterie genannt. Diese Batterie umschließt der im Grundriss ebenfalls dreieckig und zur Infanterieverteidigung eingerichtete Wall. In dessen Spitze und in seinen Kehlpunkten stehen hebbare Panzertürme mit 5,7-cm-Sturmabwehrgeschützen. Ziwschen Wall und Batterie liegen Höfe, deren Form und Größe bei den verschiedenen Forts mehr oder minder abweichen. In der Kehle liegen die Kasernenräume, zwischen diesen und der Batterie die Munitions- und Vorratsmagazine. Alle diese Räume bilden mit der Batterie einen zusammenhängenden Betonbau. Aus der Kaserne führt eine Treppe in den einzigen Bereitschaftsraum und von diesem auf dem Wall. Das Ganze wird von einem trockenen Graben umzogen, in dessen äußere Kehlwand die Grabenwehren und Hohlräume für Wirtschaftszwecke und die Latrinen eingebaut sind. Alle Bauten sind in Beton ausgeführt. Die Forts wurden in den Jahren 1888 bis 1892 gebaut (Anmerkung: diese Angabe bezieht sich auf die Festungen von Namur), hatten somit bei der Beschießung ein Alter von 22 bis 26 Jahren. Seitdem ist in den Werken nichts wesentliches geändert worden, so dass die Bauten gegenüber den neuesten Fortschritten der Artillerie und des Festungsbaus als unzureichend und veraltet anzusehen sind“.

Quelle: Denkschrift über die Ergebnisse der Beschießung der Festungen Lüttich, Namur, Antwerpen und Maubeuge. Brüssel 1915
Deutsch-russisches Projekt zur Digitalisierung deutscher Dokumente in Archiven der russischen Föderation
Signatur: 500-12519-472 (1) / Seite 6-7

Namur im Ersten Weltkrieg

Als die deutschen Truppen zu Beginn des Ersten Weltkriegs durch das neutrale Belgien marschierten, um im Sinne des Schlieffen-Plans von 1905 den Erzfeind Frankreich an seiner verwundbarsten Stelle anzugreifen (nämlich der französisch-belgischen Grenze), bot die belgische Armee kaum Widerstand. Man verließ sich auf die Festungsstädte und ging davon aus, dass man dort die deutschen Truppen aufhalten könnte.

Einmal abgesehen von dem vollkommen unausgewogenen Kräfteverhältnis der kleinen belgischen Armee im Vergleich zu dem riesigen Heer der Deutschen, rechneten die Belgier auch nicht mit dem Beschluss ihrer Festungen mit schweren Eisenbahngeschützen. Bereits am ersten Tag der Belagerung von Namur bzw. des Angriffs auf die Festungen verlor Belgien fünf von Ihnen wegen des massiven Beschusses durch deutsche Artillerie. Die Deutschen setzten ihre „Dicke Bertha“ ein, ein massiver Mörser, der ihnen bereits bei der Bekämpfung der Festungen rund um Lüttich gute Dienste leistete. Angesichts dieser Übermacht ergab sich die belgische Armee am 25. August 1914. Insgesamt 50.000 Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft. Der Fall von Namur hatte (was die Deutschen nicht realisierten) eine große Signalwirkung für die Alliierten, die nun keine stabile Verteidigungslinie gegen den Vormarsch der deutschen Truppen besaßen, bis diese die Marne kurz vor Paris erreichten.


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