Brisanzgranaten und Festungsbau

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden immer neue Kanonen mit größerer Reichweite und Treffgenauigkeit entwickelt. Dabei tat sich der Schwede Martin von Wahrendorff mit seiner Erfindung moderner Hinterlader und Geschütze mit gezogenem Lauf besonders hervor. Das war ab 1840. Gut vierzig Jahre später gab es einen weiteren und für den weiteren Verlauf des Festungsbaus zentralen Entwicklungssprung. Denn mit dem Aufkommen neuer Brisanz- bzw. Sprenggranaten - das waren Geschosse, die man mit TNT und ähnlich explosivem Material statt des relativ schwachen Schwarzpulvers füllte - stand im Festungskrieg eine deutliche zerstörerische Waffe zur Verfügung.

Schnell wurde klar, dass selbst moderne, just errichtete Festungen der Wucht der Explosionen nicht halte widerstehen konnten. Sie waren auf einem Schlag nutzlos. Jahres später erstellten die Deutschen zu Beginn des Ersten Weltkriegs eine Denkschrift, mit der sie die enorme Zerstörungskraft solcher Brisanzgranaten dokumentierten. Damals kam die Dicke Berta zum Einsatz; sie basierte letztlich aber auf den Wahrendorff'schen Erfindungen und man setzte Sprenggranaten ein - also Brisanzgranaten. Siehe: Die Beschießung von Lüttich, Namur und Antwerpen (interner Link).

Kurzum: Ab 1880 galten alle bis dahin errichteten Festungen als veraltet. Sie hätten bei einem Angriff mit modernen Geschützen und Brisanzgranaten nicht lange bestehen können. Das galt auch für die Festungen der gerade erst errichteten Barrière de Fer, dessen Baumeister der französische General Séré de Rivières war. Er sah sich fortan heftigster Kritik ausgesetzt und es kam zu Streit über den weiteren Ausbau der neuen französischen Festungslinie entlang der damaligen Grenze zu Deutschland, von dem man sich bedroht fühlte. Rivières wurde schlussendlich abgesetzt - seine Bauvorhaben jedoch fortgeführt. Mit Änderungen, die notwendig waren, um seine Festungen für den modernen Festungskampf zu wappnen.


Weitere Informationen:

- Dokumentation: Festungen der Barrière de Fer.
- Wissenswertes: Brisanzgranatenkrise.

Barrière de Fer - die neue französiche Festungslinie

Festungen in Frankreich - Festungen der Barrière de Fer

Festungen der Barrière de Fer 1874 - 1914

1870/71 ... der Deutsch-Französische Krieg ist beendet. Deutschland hatte einen Sieg über die Frankreich errungen. Vor allem einen schnellen Sieg, denn die Auseinandersetzung dauerte nicht einmal ein Jahr. Für Frankreich war das in mehrfacher Hinsicht eine bittere Niederlage:

(1) Man musste die französischen Regionen Elsass und Lothringen an das deutsche Kaiserreich abtreten und mit ansehen wie diese die Städte Metz, Thionville und Straßburg zur waffenstarrenden Festungen ausbauten. (2) Der 70er-Krieg offenbarte der französischen Generalität die enormen Schwächen des Militärs. Eine Neuausrichtung war zwingend notwendig. (3) Last but not least ergab sich durch die Annexion Elsass-Lothringen ein neuer, bis dato nicht gesicherten Grenzverlauf. Im Fall eines erneuten Krieges - und davon ging man damals auf beiden Seiten aus - hätten deutsche Truppen ungehindert bis Paris vordringen können.

Das war die Stunde von General Séré de Rivières. Er war Festungsbaumeister und hatte kurz vor Ausbruch des Krieges bereits den Auftrag erhalten, die wichtige Grenzstadt Metz militärisch auszubauen. Revières wurde also ins Kriegsministerium berufen und wurde mit der Errichtung einer neuen Festungslinie entlang der neuen deutsch-französischen Grenze beauftragt - der Barrière de Fer bzw. dem Système Séré de Rivières wie es die Franzosen später nennen werden. Damit sollten drei Ziele erreicht werden:

(1) Im Fall eines erneuten Krieges galt es, die deutschen Truppen bei ihrem Vormarsch auf Paris mindestens zu verlangsamen - optimalerweise zu stoppen. (2) Gleichzeitig hätte Frankreich mehr Zeit zur Mobilisierung seiner eigenen Truppen. (3) Die neue Festungslinie sollte Ausgangspunkt einer Offensive zur Rückgewinnung von Elsass-Lothringen sein.

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