Panzertürme aus französischer Produktion

In Frankreich gab es gegen Ende des 19. Jahrhunderts gleich mehrere Ingenieure und Industrieunternehmen, die sich mit der Entwicklung moderner Panzertürme befassten. Sie wetteiferten untereinander und alle zusammen wetteiferten auf dem internationalen Markt mit deutschen Rüstungsgüterproduzenten - allen voran der Fried. Krupp AG in Essen.

Verlauf der Barrière de Fer zwischen Verdun und Belfort

Barrière de Fer zwischen Verdun und Belfort
Quelle: The Americans in the Great War - V2
The Battle of Saint Mihiel von 1915 /
Autor: Michelin & Cie

Seinerzeit befand sich Frankreich im Umbruch. Der Deutsch-französische Krieg 1870/71 ging für die Franzosen verloren und man musste unteranderem die wichtigen Regionen Elsass und Lothringen an das deutsche Kaiserreich abtreten. Der Krieg offenbarte aber auch erhebliche Schwächen des Militärs gegenüber dem deutschen Erzfeind. Also konzentrierte sich Frankreich darauf, einerseits seine militärischen Strukturen neu auszurichten und gleichzeitig musste man die neu entstandene Ostgrenze zu Deutschland militärisch sichern, was zum Bau der Barrière de Fer führte.

Die Frage der Bewaffnung der neuen Festungen wurde der "Commission des Cuiassements" übertragen. Sie wurde von Capitaine Henri-Louis Philippe Mougin geleitet und unterhielt ab 1874 sogar einen eigenen Schießplatz, um hier neue Geschütze und moderne Panzerungen testen zu können. Nach ihm wurde später auch einer der frühen französischen Panzertürme benannt: Der Tourelle Mougin Modèle 1876 wurde aus Gusseisen gefertigt und war mit zwei Kanonen des Typs Canon de 155 mm L modèle 1877 ausgestattet. Gefertigt wurden diese Panzertürme von zwei Unternehmen: 21 Exemplare mit einem Wert von jeweils rd. 200.000 Francs fertigte das französische Industrieunternehmen "Compagnie des forges et aciéries de la marine et d'Homécourt" in Saint-Chamond (siehe nächsten Abschnitt). Weitere vier Türmer produzierte die Firma Schneider in Creusot.

Nach und nach ging man allerdings in Frankreich - eine analoge Entwicklung gab es übrigens auch in Deutschland - dazu über, Stahl für die Produktion neuer Panzertürme zu verwenden. Gusseisen erwies sich als weniger widerstandsfähig.

Alfred Galopin entwickelte beispielsweise 1889 den "Tourelle Galopin de 155 L modèle 1890" - einem dreh- und versenkbaren Panzerturm mit einer rund 40 Zentimeter dicken Stahlkuppel, der mit zwei Kanonen ausgestattet war. Später folgte der Tourelle Galopin de 75 mm R modèle 1905 bzw. Tourelle Galopin de 155 mm R modèle 1907.

Siehe: Beschreibung der Panzertürme am Ende dieser Seite.

Französische Rüstungsgüterproduzenten

Compagnie des forges et aciéries de la marine et d'Homécourt

Modell eines frühen Panzerturms auf französischer Produktion von der Firma Compagnie des forges et aciéries de la marine et d'Homécourt
Saint-Chamond
Auszug aus dem Verkaufskatalog | 1900 | externer Link : PDF-Download: Teil (1) | Teil (2) | Quelle: BvD

Dieses französische Industrieunternehmen Compagnie des forges et aciéries de la marine et d'Homécourtwar gegen Ende des 19. Jahrhunderts einer der wichtigsten Waffenproduzenten in Frankreich. Es wurde in den 1850er-Jahren gegründet und konzentrierte sich auf Eisen- und später insbesondere Stahlprodukte für die Eisenbahn. Schnell folgten Aufträge der französischen Marine und Armee. Die wichtigste Produktionsstätte befand sich in Saint-Charmond (Loire), weswegen man das Unternehmen häufig auch so bezeichnet. Ferner unterhielt man einen eigenen Schießplatz, wo die produzierten Geschütze oder modernen Panzerungen intensiven Tests unterzogen wurden.

Saint-Charmond produzierte in den 1880er-Jahren beispielsweise viele der Panzertürme, die dann in der Barrière de Fer installiert wurden - einem Festungswall den Frankreich seinerzeit an seiner Ostgrenze zum deutschen Kaiserreich errichtete. Die Panzertürme von Saint-Charmond gingen allerdings auch in den Export. Einige von ihren wurden beispielsweise vom belgischen Militäringenieur Henri Bialmont verbaut, der im Auftrag des rumänischen Königs Carol I. die Hauptstadt Bukarest mit einem Ring moderner Panzerfestungen militärisch ausbaute.

Weitere Informationen - Downloads:
- Compagnie des forges & aciéries de la marine et des chemins de fer - Teil I (Schießtests)
- Compagnie des forges & aciéries de la marine et des chemins de fer - Teil II (Fabrik)
- Compagnie des forges & aciéries de la marine et des chemins de fer - Teil III (Geschütze)
- Compagnie des forges & aciéries de la marine et des chemins de fer - Teil IV (Geschütze)


Schneider et Cie (auch Schneider-Creusot) war der zweite große Rüstungsgüterproduzent in Frankreich gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Das Eisen- und Stahlwerk produzierte Waffen bis in den Zweiten Weltkrieg hinein. Danach entwickelte sich aus dem Unternehmen die heute noch bekannte Firma Schneider Electric.

Weitere Informationen - Downloads:
- Schneider et Cie: Matériel d'artillerie - Teil I.
- Schneider et Cie: Matériel d'artillerie - Teil II.
- Schneider et Cie: Matérial d'artillerie - Teil III.


Ebenfalls lesenswert - Downloard:
- Coupoles et Ouvrages Cuirassés, Paris, 1894

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