Drei relevante Akteure der deutschen Rüstungsindustrie

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzogen sich in der Artillerie sprunghafte Entwicklungen, die großen Einfluss auf den Festungsbau jeder Zeit hatten. Es begann damit, dass der Schwede Martin von Wahrendorff neue Hinterladersysteme mit gezogenem Lauf entwickelte, was die Treffsicherheit, Schussfolge und Reichweite dieser Geschütze enorm steigerte. Anfang der 1880er-Jahre entwickelte man dann sogenannte Brisanzgranaten. Das waren torpedo-ähnliche Geschosse, die man mit Explosivstoffen füllte wie TNT und die eine enorme Zerstörungskraft hatten. Beides zusammen erzwang grundlegend neue Konzepte beim Festungsbau - moderne Panzerfortifikationen entstanden.

Friedrich Krupp AG - Historische Postkarte

Quelle: Historische Postkarte

Eine der zentralen Fragen dabei war unter anderem, wie man die Festungsartillerie moderner Panzerfestungen schützen sollte. Bisher waren sie unter freiem Himmel platziert, was sich angesichts der neuen Bedrohungen ausschloss. Es entbrannte ein Wettlauf um den Schutz der Festungsartillerie. Er wurde überwiegend zwischen französischen und deutschen Ingenieuren ausgetragen bzw. zwischen französischen und deutschen Rüstungsschmieden, bei denen es sich meist um Schmieden handelte, die zu Beginn der industriellen Revolution gegründet wurden, sich anfangs auf die Produktion von Dampflokomotiven oder Schiffen konzentrierten und dann in die Produktion von Rüstungsgütern einstiegen - ein lukratives Geschäft. Denn jede Nation rief nach neuen Waffen, nach modernen Geschützen und modernen Panzertürmen. Zu letzterem gleich mehr.

Anfangs versuchten (die Franzosen) ihre Festungsartillerie durch eigens dafür vorgesehene Kasematten zu schützen. Das hatte allerdings den Nachteil, dass diese zwar den Wucht der Explosion einschlagender Granaten (des Feindes) minderten, aber das Schussfeld der eigenen Artillerie erheblich einschränkte. Die Frage nach war also noch unbeantwortet. Schlussendlich begann mit die Lösung bei der Marine zu suchen. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs kamen erstmals gepanzerte Schiffe zum Einsatz und die USS Monitor war dabei das erste Schiff mit einem gepanzerten Geschützturm. Eine Lösung, die auf den modernen Festungsbau übertragen werden konnte.

Die ersten Panzerfestungen, die diesen Namen auch tatsächlich verdienen, entstanden in den 1880er-Jahren rund um Bukarest. Der belgische Militäringenieur General Henri Bialmont wurde mit ihrem Bau beauftragt. Zuvor galt es allerdings die Frage zu klären, von welchem Produzenten man die Panzertürme, die die Hauptbewaffnung der Festung tragen sollten, beziehen würde. Es fand ein Test statt, indem man deutsche Panzertürme, die die Handschrift von Maximilian Schumann (er arbeitete mit Hermann Gruson zusammen und die Kanonen dazu lieferte die Friedrich Krupp AG) trugen, und französische Panzertürme beschoss, um deren Widerstandsfähigkeit zu testen.

Das war allerdings nur der Anfang: Festungen galten damals als wichtiger Stützpfeiler der Landesverteidigung. Fast alle europäischen Nationen investierten damals Unsummen in den Auf- und Ausbau moderner Gürtelfestungen, um wichtige Städte und strategische Verkehrsknotenpunkte militärisch zu sichern. Besonders intensiv waren dabei die Anstrengungen, die das junge deutsche Kaiserreich unternahm, um die nach dem deutsch-französischen Krieg annektierten Regionen Elsass und Lothringen zu schützen. Frankreich wiederum musste sich mit einem neuen Grenzverlauf zum Erzfeind Deutschland abfinden und diesen mittels der Barrière de Fer militärisch sichern.

Kurzum: Die Nachfrage nach Geschützen immer größerer Kaliber und modernen Panzertürmen war enorm. In Deutschland hatten sich bereits das Tandem Maximilian Schumann und Hermann Gruson etabliert. Die Grusonwerke bei Magdeburg war deren Produktionsstätte. Und sie unterhielten sogar einen 10 Kilometer langen Artillerieschießplatz bei Tangerhütte, um von dort aus die getesteten und vorgeführten Geschütze und insbesondere Panzertürme aus eigener Produktion zu exportieren. Schumann bzw. Gruson kooperierten häufig, standen aber zugleich im Wettbewerb zur Essener Friedrich Krupp AG. In den 1890er-Jahren zog sich Gruson zurück und verkaufte seine Grusonwerke AG an die Friedrich Krupp AG. Einer der wichtigsten Rüstungsgüterproduzenten mit Geschäftsbeziehungen in alle Welt und späterer Ausrüster etlicher Armeen, die im Ersten Weltkrieg gegeneinander antraten, war entstanden.

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