Deutsche Festungen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert:

Deutsche Festungen in Elsass-Lothringen
zwischen 1871 und 1918

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"Ehe die Theorie des ewigen Friedens allgemein zur Anerkennung gelangt, werden noch manche Jahrhunderte vergehen."

Kaiser Wilhelm II.
letzter deutscher Kaiser
1859-1941

Deutsche Festungen in Frankreich bis 1918

Historische Karte - sie zeigt die Festungsstädte Metz sowie Thionville auf deutscher und Verdun bzw. Toul auf französischer Seite. Beide fühlten sich vom jeweils anderen bedroht.

Deutsche und französische Festungsstädte entlang des Grenzverlaufs zwischen 1871 und 1918.
Quelle der Karte: The Americans in the Great War - V2 The Battle of Saint Mihiel von 1915 / Autor: Michelin & Cie

1870/71 ... der Deutsch-Französische Krieg ist beendet. Deutschland hatte einen glorreichen Sieg über die Frankreich errungen. Vor allem einen schnellen Sieg, denn die Auseinandersetzung dauerte nicht einmal ein Jahr. Hätten die damaligen Akteure in die Zukunft schauen können, hätten sie sicher vieles anders gemacht. So wussten sie es nicht besser und die Folgen dieses Krieges und der Entwicklungen danach mündeten zuerst in den Ersten Weltkrieg, der wiederum den Samen für den Zweiten Weltkrieg nur wenige Jahrzehnte später säte.

Eine der nachhaltigsten Kriegsfolgen war die deutsche Annexion Elsass-Lothringen durch das Deutsche Kaiserreich. Sie wurden zum Reichland Elsass-Lothringen zusammengefasst, welches bis 1918 zum Deutschen Kaiserreich gehörte. Während Politiker diesen Schritt befürworteten, weil Deutschland nun Zugriff auf die reichhaltigen Erzvorkommen in Lothringen hatte, war sie für die Militärs Ausgangspunkt viele strategischer Überlegungen. Letztere gaben auch den Ausschlag dafür, dass bereits zehn Tage nachdem sich die kaiserlichen Truppen der Regionen bemächtigten, von höchster Stelle der Befehl erging, die Städte Metz, Thionville und Straßburg zügig zu befestigen.

Die Geschichte nahm also ihren Lauf. Die Deutschen erfasste zwischen 1871 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 eine regelrechte Bauwut. Es galt insbesondere, die strategisch sehr wichtige Stadt Metz mit etlichen Festungen zu einem Bollwerk gegen den Feind auszubauen. Die Franzosen taten ihresgleichen. Beraubt um zwei wirtschaftlich und militärisch wichtigen Regionen errichteten sie parallel zur neuen deutsch-französischen Grenze, parallel zu den deutschen Bautätigkeiten einen neuen Festungswall gegen den Erzfeind - nämlich die Barrière de Fer. Die nebenstehende Karte zeigt einen kleinen Ausschnitt des Reichslands Elsass-Lothringen und die wichtigen Städte auf der französischen Seite. Ein Name sticht dabei in Auge. Verdun. Ich behaupte, dass das Bluten beider Nationen im Ersten Weltkrieg bereits hier seinen Anfang fand. Aber dazu später und an anderer Stelle mehr.



Deutsche Festungen



Bedeutung von Elsass-Lothringen - der Schlieffen-Plan
Erster Weltkrieg - Schlieffenplan von 1905

Die Strategie des Schlieffen-Plans von 1905.

Anfangs schrieben die deutschen Militärs des sogenannten Reichsland Elsass-Lothringen eine "Pufferfunktion" zu: Hier gab es die einzige direkte Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Würde es zu einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung zwischen beiden Ländern kommen, rechnete man hier mit entsprechenden Kampfhandlungen. Also war es nun aus deutscher Sicht ganz praktisch, dass diese nun zuerst auf "französischem Gebiet" stattfinden (Elsass, Lothringen) und nicht auf tatsächlich deutschem Boden.

Spätere strategische Überlegungen wiesen der Region eine größere Bedeutung zu. Der Schlieffen-Plan von 1905 sah vor, dass (im Fall des Falles) Deutschland den Nachbarn über Belgien angreift, also viel weiter im Norden. Man rechnete mit einem schnellen Sieg, weil hier die Franzosen schlecht gesichert waren. Die eigens von Frankreich gerichtete Barrière de Fer sicherte nämlich die Grenze zum Reichsland und nicht zu Belgien. Es war ferner notwendig, dass Elsass-Lothringen unbedingt stand halten, damit Frankreich den deutschen Truppen nicht "in den Rücken fallen kann".

>> Interessanter Link: Die Royal Library of Belgium hat eine Kriegskarte online gestellt mit extrem guter Auflösung. Folge dem Link, um sie Dir anzusehen. Sie ist wirklich sehenswert.



Wissenswert: Deutsche Panzerfestungen - entwickelt gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Das war ein gewaltiger Schock für die Militärs in Europa im Allgemeinen und den Festungsbauingenieuren im Speziellen: Bereits 1840 entwickelte der Schwede Martin von Wahrendorff den Hinterlader und kurz darauf Geschütze mit gezogenem Lauf, was der Artillerie auf den Schlachtfeldern zu einem Bedeutungssprung verhalt. Das hatte natürlich auch Einfluss auf den Festungsbau, erschütterte ihn aber nicht. Dann - 1880 - kamen Brisanzgranaten auf den Markt - Sprenggeschosse, die mit TNT und ähnlich explosivem Material gefüllt waren, und eine enorme Zerstörungskraft hatten. Eine Wucht, der bisherige Festungen - selbst wenn sie kurz zuvor errichtet wurden - nichts entgegenzusetzen hatten. Mittels dieser Sprenggeschosse konnte man sie innerhalb kurzer Zeit in Schutt und Asche legen. Alle Festungen - ob just errichtet oder schon seit Jahren kampfeserprobt - galten auf einen Schlag als veraltet. Siehe: Brisanzgranatenkrise [interner Link].

Welche enorme Wucht diese Brisanzgranaten haben, wurden Jahre später, 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs in einer umfangreichen Denkschrift über die Beschießung der Festungen Lüttich, Namur und Antwerpen ausführlich dokumentiert. Damals kam die Dicke Berta zum Einsatz; sie basierte letztlich aber auf den Wahrendorff'schen Erfindungen und man setzte Sprenggranaten ein - also Brisanzgranaten.

Aber zurück ins 19. Jahrhundert: Nach 1880 war allen Festungsbauingenieuren klar, dass neue Konzepte zu erarbeiten sind. Die Deutschen entwickelten zu jener Zeit einen gänzlich neuen Festungstyp, die Feste. Letztlich ist sie eine Weiterentwicklungen vorhandener Konzepte (neudeutsche Festungsmanier) in Kombination mit neuen Baumaterialien und neuen Waffen. Und viel Stahl - zum Schutz empfindlicher Elemente.



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