Belgische Festungen
rund um Antwerpen, Lüttich und Namur


Festungen, die zwischen 1971 und 1918
in Belgien errichtet wurden.



Die modernen Kriege machen
viele Menschen unglücklich,
solange sie dauern,
und niemand glücklich,
wenn sie vorüber sind.

Johann Wolfgang von Goethe
1749-1832

Die belgische Unabhängigkeit von 1830

Historische Ansichtskarte - Unabhängigkeit Belgien 1830

Historische Ansichtskarte
Unabhängigkeit von Belgien - 1830.
Externer Link:
Alte
Landkarten von Belgien.

Die Geschichte des Nationalstaats Belgien – so wie wir ihn heute kennen – ist eigentlich noch recht jung. Sie begann nach dem Wiener Kongress von 1815. Nach der Niederlage von Napoleon Bonaparte schickten sich die Herrscherhäuser in Europa an, das Kontingent neu zu ordnen. Die Idee seinerzeit war, die habsburgischen Niederlande (heute Belgien) mit den nördlicher angrenzenden Niederlanden (heute Holland) zusammenzuführen. Dadurch sollte in Europa eine neue Mittelmacht entstehen, die nicht gleich wieder von Frankreich überrannt werden konnte.

Aus heutiger Sicht kann man dieses Vorhaben sicher als etwas weltfremd bezeichnen. Denn das neue Staatengebilde setzte sich zusammen aus verschiedenen Regionen mit komplett unterschiedlichen Wurzeln. Die noch heute unterschiedliche Sprache bringt es beispielhaft zum Ausdruck. Es gibt Landstriche, die noch heute flämisch (also niederländisch) geprägt sind und andere Landesteile, in denen man sich eher nach Frankreich orientierte. Diese kulturellen und sprachlichen Unterschiede prägen noch heute die Probleme des Landes. Wie auch immer … was Europa eigentlich den dauerhaften Frieden hätte bringen sollen, führte in der belgischen Bevölkerung (egal ob Flamen oder Wallonen) zu großem Unmut. Bemühungen, das neu entstandene Land zu einen, führten zu keinem Erfolg.

1830 explodierte dann das Pulverfass. Es brachen Unruhen aus, die schließlich zur Unabhängigkeit von den Niederlanden führten. Am 4. Oktober 1830 wurde dann schließlich die Unabhängigkeit erklärt. Das Königreich England war einer der ersten Staaten, die das neue Belgien anerkannten – jedoch unter der Prämisse, dass es dauerhaft unabhängig bleibt und sich nicht einer anderen europäischen Großmacht anschließt, sich also weder mit dem einst verfeindeten Frankreich oder dem militärisch starken Preußen verbindet.


Belgische Festungen bis 1914

Historische Ansichtskarte - Festung in Belgien

Belgische Soldaten vor einem Fort. Historische Ansichtskarte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

In den Jahren danach begann der Aufstieg Belgiens als Wirtschaftsmacht in Europa. Das kleine Belgien galt lange Zeit als das erste industrialisierte Land auf dem europäischen Kontinent und um 1900 zählte es zu den fünf großen Wirtschaftsmächten der Welt – nach den USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Das ebenfalls junge belgische Militär hatte nach der Unabhängigkeit von 1830 eine recht komfortable Situation. Nach und nach sicherten Preußen, Frankreich und das bereits erwähnte Vereinigte Königreich dem Staat die Unversehrtheit seiner Grenzen zu. Das Militär war daher der Ansicht, auf ein großes stehendes Heer verzichten zu können. Also setzte man anfangs nur auf Gendarmerien und setzte erst später auf eine Wehrpflicht. Die Sollstärke von 20.000 Mann konnte aber nicht erreicht werden, weil es viele Belgier verstanden, sich der Wehrpflicht zu entziehen. Kurzum: Belgien war und blieb militärisch schwach. Dennoch galt es, die Wirtschaftszentren zu schützen. Sie ermöglichten immerhin den wirtschaftlichen Aufstieg und den zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung. Also beauftragte die belgische Regierung General Brialmont (1821-1903) mit der Planung und dem Bau neuer Festungsanlagen rund um Antwerpen. Später folgten dann die Wirtschaftszentren Lüttich und Namur. Es entstanden ausgedehnte Festungsringe rund um die genannten Städte, die der kleinen belgischen Armee einen zusätzlichen Eindruck von Sicherheit vermittelten.

Selbstredend blieb das Militär nicht immer so klein wie zuvor beschrieben. Mit den Jahren stieg die Mannstärke auf bis zu 350.000 Soldaten an; letzteres war die erwünschte mobilisierbare Maximalstärke der Armee. Groß für Belgien, klein im Vergleich zu den riesigen Armeen der Nachbarstaaten.


Bildergalerien: Festungen in Belgien

Festungen


Beginn des Ersten Weltkriegs 1914

Die Schwächen der belgischen Armee zeigten sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Die Deutschen hatten 1905 den Schlieffen-Plan erarbeitet. Er sah vor, dass im Fall eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland das riesige deutsche Heer Belgien durchschreitet und Frankreich von der belgisch-französischen Grenze aus angreift. Hier erwartete man die Schwachstelle Frankreichs, denn immerhin errichteten die Franzosen ab 1871 entlang der direkten deutsch-französischen Grenze die mächtige Barrière de Fer. Gleichzeitig fühlten sich die Deutschen auf ihrer Seite sicher, denn sie hatten die militärisch stark ausgebauten Städte Metz, Thionville und Straßburg, die aus ihrer Perspektive die Grenze zu Frankreich sicherten.

Kurzum: Am 4. August 1914 marschierte das Deutsche Heer entsprechend dem Schlieffen-Plan in das neutrale Belgien ein. Kurz darauf kam es auch schon zu den ersten schweren Kampfhandlungen. Die Deutschen nahmen zuerst die belgische Industriestadt Lüttich ins Visier und beschossen die Festungen mit schweren Eisenbahngeschützen ("Dicke Berta" und "Langer Max"). Die Sprengkraft ihrer Geschosse war vernichtend für die seinerzeit als maßlos veraltet geltenden Festungen. Nachdem man Lüttich niedergekämpft hatte, marschierten Teile der deutschen Armee nach Antwerpen und Namur. Dort begann das "Spiel" von vorn. Bereits am ersten Tag der Belagerung und Beschießung von Namur gingen dort fünf Festungen verloren. Nach und nach fielen auch die übrigen Forts, weil sie dem schweren Beschuss nicht standhalten konnten.

Aus deutscher Sicht waren die ersten Kriegsmonate des Jahres 1914 beziehungsweise der Feldzug gegen Belgien ein voller Erfolg. Sie überrannten förmlich die belgische Armee und nahmen schnell die wichtigen Festungsstädte. Für sie war der Weg nach Frankreich schnell frei. Angesichts dieser Übermacht ergab sich die belgische Armee am 25. August 1914. Insgesamt 50.000 Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft. Der Fall von Namur hatte (was die Deutschen nicht realisierten) eine große Signalwirkung für die Alliierten, die nun keine stabile Verteidigungslinie gegen den Vormarsch der deutschen Truppen besaßen, bis diese die Marne kurz vor Paris erreichten.

Die kaiserliche Armee war vom Erfolg seiner Artillerie beeindruckt. Eine Denkschrift, die im Jahr 1915 entstand, fasst die Ereignisse zusammen und dokumentiert sie mit etlichen Bildern. Dabei handelt es sich um durchaus interessante Aufnahmen, die einen Einblick in die Festungen der Belgier geben.


    • Erster Weltkrieg: Deutsches Eisenbahngeschütz "Langer Max" vor dem Einsatz

      Eisenbahngeschütz "Langer Max" vor dem Einsatz; ein Vergleich des Geschosses mit dem Kanonier lässt seine Größe erahnen.

    • Erster Weltkrieg - das 38-cm-Geschütz wird geladen.

      Das 38-cm-Geschütz wird geladen. Die Munition muss wegen des Gewichts (18 Zentner) auf einem Wagen transportiert werden.

    • Erster Weltkrieg - eine 38-cm-Granate wird in das Rohr eines Eisenbahngeschützes eingeführt

      Eine 38-cm-Granate wird in das Rohr eines Eisenbahngeschützes eingeführt. Die Schussweite dieses Geschützes betrug 47 Kilometer.


Quelle der historischen Bilder dieses Abschnitts:
Der Weltkrieg im Bild - Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht. Autor:George Soldan | Ausgabe 1928

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