Geschichte des Festungsbaus:

Panzerfestungen
zu Beginn des Ersten Weltkriegs

Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen,
Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen
zu wollen. Nur Blut soll immer mit Blut abgewaschen werden.

Bertha von Suttner
Friedennobelpreisträgerin
1843-1914

Die Entwicklung der Panzerfestungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Gegen Ende des 19. Jahrhundert beeinflussten zwei Entwicklung maßgeblich den Festungsbau. Sie führten einerseits dazu, dass in Frankreich und Deutschland innerhalb weniger Jahrzehnte eine Vielzahl neuer Festungen errichtet wurden und andererseits zwangen sie die Festungsbauingenieure in ganz Europe zur Veränderung traditioneller Konzepte zur Errichtung moderner Festungen. Die Folgen dieser Entwicklung reichen bis zum Ersten Weltkrieg und die seinerzeit errichteten Festungen schrieben nicht zuletzt bei der Schlacht um Verdun traurige Geschichte.


Brisanzgranaten und Festungsbau

Das war ein gewaltiger Schock für die Militärs in Europa im Allgemeinen und den Festungsbauingenieuren im Speziellen: Bereits 1840 entwickelte der Schwede Martin von Wahrendorff den Hinterlader und kurz darauf Geschütze mit gezogenem Lauf, was der Artillerie auf den Schlachtfeldern zu einem Bedeutungssprung verhalf. Das hatte natürlich auch Einfluss auf den Festungsbau, erschütterte ihn aber nicht.

Dann - 1880 - kamen Brisanzgranaten auf den Markt - Sprenggeschosse, die mit TNT und ähnlich explosivem Material gefüllt waren, und eine enorme Zerstörungskraft hatten. Eine Wucht, der bisherige Festungen - selbst wenn sie kurz zuvor errichtet wurden - nichts entgegenzusetzen hatten. Mittels dieser Sprenggeschosse konnte man sie innerhalb kurzer Zeit in Schutt und Asche legen. Alle Festungen - ob just errichtet oder schon seit Jahren kampfeserprobt - galten auf einen Schlag als veraltet. Siehe: Brisanzgranatenkrise.

Welche enorme Wucht diese Brisanzgranaten haben, wurden Jahre später, 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs in einer umfangreichen Denkschrift über die Beschießung der Festungen Lüttich, Namur und Antwerpen ausführlich dokumentiert. Damals kam die Dicke Berta zum Einsatz; sie basierte letztlich aber auf den Wahrendorff'schen Erfindungen und man setzte Sprenggranaten ein - also Brisanzgranaten.

Aber zurück ins 19. Jahrhundert: Nach 1880 war allen Festungsbauingenieuren klar, dass neue Konzepte zu erarbeiten sind. Die Deutschen entwickelten zu jener Zeit einen gänzlich neuen Festungstyp, die Feste. Letztlich ist sie eine Weiterentwicklungen vorhandener Konzepte (neudeutsche Festungsmanier) in Kombination mit neuen Baumaterialien und neuen Waffen. Und viel Stahl - zum Schutz empfindlicher Elemente.

Nachfolgend ein etwas ausführlicherer Blick auf die Panzerfortifikationen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurden.



Panzerfestungen zu Beginn des Ersten Weltkriegs

Deutscher Kaiser - Kaiser Wilhelm II

Angesichts der zuvor geschilderten Bedrohung war allen europäischen Militärs schnell klar, dass beim Bau neuer Festungen ein "weiter-so-wie-bisher" nicht möglich war. Sie gingen sogar noch einen Schritt weiter: Auch vorhandene Festungen - auch wenn sie just fertiggestellt wurden - mussten zusätzlich geschützt werden.

Das deutsche Kaiserreich ging mit seiner preußischen Gründlichkeit besonders sorgsam vor, indem sie einen komplett neuen Festungstypen entwickelten, den sie "Feste" nannten. Einen ersten Prototypen bauten Sie ab 1888 bei Thorn (heute Toruń, Polen). Es handelt sich um die Feste König Wilhelm I.. Schnell folgten weitere Festungen des neuen Typs und die Konzepte wurden verfeinert. Die Feste Kaiser Wilhelm II. bei Straßburg gilt heute als erste konsequente Umsetzung der neuen Ideen.

Aber natürlich waren andere Nationen nicht untätig und reagierten auf die neue Bedrohung. In Frankreich beispielsweise änderte man ziemlich grundlegend die Baupläne künftiger Festungen der Barrière de Fer und man sicherte bisherigen Bauten durch Verstärkungen - bestehend aus Stahlbeton. Man integrierte obendrein die Festungsartillerie in gepanzerte Türme bzw. setzte parallel dazu auf verstärkte, ebenfalls mit Stahlplatten geschützte Kasematten, aus denen heraus sie den Feind bekämpfen konnten.



festung

Impressionen moderner Panzerfestungen zu Beginn des Ersten Weltkriegs

Wissenswertes über Panzerfestungen
gegen Ende des 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert

Als Panzerfestung bezeichnet man einen neuen Festungstyp, der Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Die immer stärker gewordene Artillerie und die enorme Zerstörungskraft neuer Sprenggranaten macht es notwendig, die Festungsartillerie, die den Fernkampf zu führen hatte, besonders zu schützen. Man entwickelte moderne Panzertürme, um dies zu erreichen. Gleichzeitung galt es die Infanterie, die für die Nahverteidigung verantwortlich war, ebenfalls durch betonierte, unterirdische Kasematten ebenfalls besser zu schützen.

festung



Panzerfortifikationen im 19. Jahrhundert - historische Quellen

Ende des 19. Jahrhunderts gab es eine intensive Diskussion wie man auf die Bedrohung der Festungen durch die neuen Brisanzgranaten reagieren sollte. In den Bibliotheken findet man etliche Werke dazu. Einige habe ich herausgesucht, weil ich sie lesenswert finde. Natürlich sind einige von ihnen "schwere Kost", weil wir heute so nicht mehr reden und schreiben würden ...
Wer etwas Geld in die Hand nehmen möchte, empfehle ich dringend das Buch "Die Deutsche Panzerfortifikation: Die Panzerfesten von Metz und ihre Vorgeschichte" von Rudi Rolf.



  • Festungs Metz durch Panzerfronten verteidigen

    Julius Meyer

  • Artikel:
    Panzerforts und Panzerfronten

    Zeitschrift Eisen und Stahl
    1894

  • Denkschrift über die Beschießung belgischer Festungen

    Brüssel
    1915

  • Das Gerät der Artillerie vor, im und nach dem Weltkrieg

    Berlin
    1937

  • Panzerlafetten auf dem Schiessplatze des Grusonwerk

    Magdeburg
    1887

www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.