Forte Campolongo - italienische Panzerfestung während des Ersten Weltkriegs in Venetien

Forte Campolongo ist eine italienische Panzerfestung, die Anfang des letzten Jahrhunderts nahe der damaligen italienisch-österreich-ungarischen Grenze in Norditalien errichtet wurde. Erste bauliche Vorbereitungen begannen 1910 – wegen heute fehlender Aufzeichnungen in italienischen Archiven stützt sich diese Zeitangabe auf österreich-ungarischen Angaben, die nicht genau sein müssen. Das Werk selbst soll zwischen 1912 und 1914 errichtet worden sein.

Die Festung wurde auf der Kuppe des Cima di Campolongo errichtet und hatte die Aufgabe, das nahe gelegene Val d’Astico zu schützen, seinerzeit eine wichtige Verbindungsroute zwischen Trient und Städten in Venetien(Schio, Thiene etc.).

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs gehörte Südtirol noch zu Österreich-Ungarn und das benachbarte Venetien zu Italien. Da es zwischen der Donaumonarchie in Wien und dem Königreich Italien immer wieder Zwist wegen der österreich-ungarischen Gebietsansprüche in Norditalien gab, begannen die Österreicher unter anderem die Region rund um Trient militärisch auszubauen. Zum Schutz der südöstlich von Trient gelegenen Hochfläche Sieben Gemeinden errichteten sie etliche Panzerfestungen, die zusammen die Sperre Folgaria-Lavarone bildeten. Zu ihr gehörten schwer bewaffneten Werke Geschwend, Lusern, Verle, Sebastiano und weitere Festungen).

Diesem Treiben sahen die Italiener Anfang des letzten Jahrhunderts natürlich nicht tatenlos zu und errichteten ihrerseits nahe der Grenze – in dem Fall in Venetien – ebenfalls moderne Panzerfestungen. Sie waren quasi die Gegenspiele der K.u.k.-Festungen. Dabei handelte es sich einerseits um das Forte Campolongo, aber auch um die Panzerfestung Verena (etwas nördlich vom Cima di Campolongo gelegen), das Forte Campomolon (westlicher) sowie das Panzerwerk Casa Ratti (etwas südlicher positioniert).

All diese ebenfalls schwer bewaffneten italienischen Festungen hatten die Aufgabe, im Fall eines Krieges einerseits gegnerische Truppen bei ihrem befürchteten Vormarsch ins Herz Venetiens aufzuhalten und andererseits Ausgangspunkt eigener Offensivoperationen in Richtung Trient zu sein.

Das Forte Campolongo wurde als zweigeschossige Anlage errichtet, die neben Maschinengewehren und eher kleinkalibrigen Kanonen zur Nahverteidigung über vier schwere Panzerkuppeln und einem gepanzerten Beobachter verfügte. Das war die Hauptbewaffnung der Festung für den Fernkampf. Außerdem umgab man die Festungen mit weiten Batterien, die an ihren Flanken positioniert waren. Sich später als Schwachpunkt vieler italienischer Festungen herausstellend erbaute man das Kernwerk aus unarmierten Beton. Heißt: Der Beton der Wände und Decken wurde nicht mit Stahl verstärkt, was sich später bei schwerem Beschuss als erheblicher Nachteil herausstellte. Schwere österreich-ungarische Artillerie konnte derart errichteten Festungen bei Beschuss maßgeblichen Schaden zufügen.

Quelle: Die italienische Armee, fünfte, veränderte Auflage, Verlag von L.W. Seidel & Sohn, Wien 1015 (Seite 73)

Quelle: Die italienische Armee, fünfte, veränderte Auflage, Verlag von L.W. Seidel & Sohn, Wien 1015 (Seite 73)




Die bereits erwähnt waren die vier Panzertürme – ausgestattet mit der italienischen 149-cm-Kanone die Hauptbewaffnung der Panzerfestung. Anfangs schützte man die Festungsartillerie mit Panzertürmen der Firma Armstrong, Mitchel & Co.. Im Jahr 1913 begann man diese 22,5 Tonnen schweren Kolosse wieder auszubauen, um sie durch modernere Panzerkuppeln der Firma Schneider-Creuzot (ein französischer Produzent) zu ersetzen. Sie wurden vom italienischen Rüstungsproduzenten Ansaldo (Genua) in Lizenz gefertigt.

Als Italien am 24. Mai 1915 auf der Seite der Entente in den Ersten Weltkrieg eintrat, begannen die Italiener direkt, die auf österreich-ungarischen Festungen in Südtirol unter Feuer zu nehmen. Dem Forte Campolongo kam dabei die Aufgabe zu, dass gegenüberliegende Panzerwerk Lusern zu bekämpfen. Österreich-Ungarn reagierte natürlich darauf. Anfang erwiderten sie den Beschuss mit eigener Festungsartillerie. Später führten sie zusätzlich ihre schweren 30,5-cm-Mörser heran. Dem Beschuss mit solch überschwerem Kaliber waren die italienischen Panzerfestungen allerdings nicht gewachsen. Spätestens jetzt zeigten sich ihre baulichen Schwächen, weil man Wände und Decken nicht verstärkte. Das Forte Campolongo unterlag dem schweren Angriff und wurde von den Italienern bereits am 12. Juni 1915 als zerstört eingestuft. Sie bauten die verbliebene, nicht in Mitleidenschaft gezogene Bewaffnung aus und verlagerten sie an andere Kriegsschauplätze.

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Verdeck des eroberten Werks Campolongo. von K.u.k. Kriegspressequartier, Lichtbildstelle - Wien - Österreichische Nationalbibliothek - Austrian National Library, Austria - Public Domain.
Link zur Quelle: https://www.europeana.eu/de/item/9200291/bildarchivaustria_at_Preview_15576516

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