Deutsche Panzerfestungen in Elsass-Lothringen
zwischen 1871 und 1918

Festung Metz:

Feste Kronprinz

Festung des zweiten Festungsgürtels um Metz.
Erbaut vom deutschen Militär
in den Jahren 1899-1905

Französischer Name:
Groupe fortifié Driant

Metz

Er war der Namensgeber dieser neuen Festung:
Kronprinz Wilhelm von Preußen

Hier wird der Kronprinz mit der
Uniform der Totenkopfhusaren gezeigt.
Erster Weltkrieg.



Kronprinz

Festung Metz - strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt in Elsass-Lothringen

Historische Karte - sie zeigt die Festungsstädte Metz sowie Thionville auf deutscher und Verdun bzw. Toul auf französischer Seite. Beide fühlten sich vom jeweils anderen bedroht.

Die Karte zeigt die zum Kaiserreich gehörenden Festungsstädte Metz und Thionville und die französischen Festungen bei Verdun, Toul und dazwischen.

Quelle der Karte: The Americans in the Great War - V2 The Battle of Saint Mihiel von 1915 / Autor: Michelin & Cie

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs galt Metz als eine der am besten befestigen Städte in Europa. Die Stadt verfügte über zwei Festungsringe, wobei insbesondere die Festungswerke des zweiten Ringes zu den modernsten Festungen jener Zeit gezählt wurden. Anfangs – also nach Ende des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 und der Annexion Elsass-Lothringen durch das junge deutsche Kaiserreich ging es Kaiser Wilhelm II. „lediglich“ darum, die neu hinzugewonnenen Gebiete zu schützen. Also ließ er auf allerhöchste Order hin und mit Eile im Schritt ein die dort befindlichen, aber nicht fertiggestellten französischen Festungen ausbauen (erster Festungsring) und danach einen zweiten Festungsring rund um die Stadt errichten. Letzterer war notwendig, weil es zwischenzeitig (ab 1880) sogenannte Sprenggranaten gab. Mittels dieser konnte man innerhalb kurzer Zeit herkömmliche Festungen (unter anderem die des ersten Festungsrings) in Schutt und Asche legen. Zum Schutz der Stadt mussten also neue, modernere Festungen errichtet werden, die einem solchen Beschuss widerstehen konnten.

Spätestens ab 1905 (eigentlich waren alle rund um Metz errichteten Festungen schon einsatzbereit) änderte sich die Strategie. Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen, er war damals Chef des deutschen Generalstabs unter Kaiser Wilhelm II., entwickelte einen neuen Angriffsplan auf Frankreich. Er sah vor, dass im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung (1) die deutschen Truppen über das neutrale Belgien in Frankreich einfallen sollten, da die belgisch-französischer Grenze weniger geschützt war und (2) die Moselstellung, zu der auch Thionville und insbesondere Metz gehörten, einen französischen Angriff auf die direkte deutsch-französische Grenze abwehren mussten. Den Festungen rund um Metz kam dabei eine besondere strategische Bedeutung zu, weil Metz der zentrale Verkehrsknotenpunkt in der Region war. Und ohne angemessen ausgebaute Bahnverbindungen ließ sich seinerzeit kein Krieg führen – geschweige denn gewinnen. Siehe: Schlieffen-Plan von 1905.



Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

Die deutsche Festung Kronprinz (frz. Groupe fortifié Driant) gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den modernsten Panzerfestungen des deutschen Kaiserreichs. Ihr Bauplan folgt einem neuen Festungskonzept, welches erst wenige Jahre zuvor von den Festungsbauingenieuren des Kaisers Wilhelm II. erarbeitet wurde. Man bezeichnete solche Festungsanlagen seinerzeit auf "Feste".

Die Festung gehört zum zweiten Festungsring rund um Metz und befindet sich knapp zehn Kilometer südwestlich von der Stadt. Etwas weiter nördlich, in rund fünf Kilometer Entfernung, befindet sich die Feste Kaiserin. Und 4,5 Kilometer weiter südlich die liegt die Feste Haeseler - eine zweigeteilte Festungsanlage mit ihren Werken Sommy und St. Blaise. Die Feste Kronprinz wurde zwischen 1899 und 1905 am Rand eines Plateaus zwischen den Tälern der Mosel und das Mance errichtet. Sie hatte die Aufgabe, die in der Nähe befindlichen Straßen nach Verdun und die verschiedenen Verkehrswege entlang der Mosel zu schützen - also den Fluss selbst, die Eisenbahnlinie Metz-Nancy und die beiden in der Nähe befindlichen Straßen, die ebenfalls nach Nancy führen. Bei dieser Aufgabe wurde sie gedeckt von den beiden bereits erwähnten Festungen Kaiserin und Haeseler.


Impressionen von der Feste Kronprinz

  • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz
    Artilleriewerk der Feste Kronprinz
  • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz
    Infanteriekasematte der Feste Kronprinz
  • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz
    Panzerturm der Feste Kronprinz
  • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz
    Kleines Werk zum Schutz des Zugangs zur Festung
  • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz
    Wachposten - eine Schnecke aus Stahl
  • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz
    Beobachter

Festung


Lageplan der Festung Kronprinz bei Metz

Kern der Anlage ist eine mächtige, 150 Meter lange und zweigeschossige Kriegskaserne im westlichen Teil der weitläufigen Festungsanlage. Sie diente als zentrale Unterkunft für Mannschaften und Offiziere. Gleichzeitig war sie aber auch das Herz der Festung, weil hier die Kommandozentrale untergebracht war. Von hier aus konnte man – geschützt durch gepanzerte Beobachtungskuppeln – das Feuer der nahe gelegenen Panzerbatterien lenken. Die Kaserne selbst ist geschützt durch einen sich umgebenen Verteidigungswall mit Grabenstreichen, Bereitschaftsräumen und gepanzerten Wachtürmen. Die nahe gelegenen Panzerbatterien konnten durch gut geschützte, unterirdische Hohlgänge erreicht werden. Die Rückseite der Kriegskaserne – die Kehlseite – wurde durch ein Kehlblockhaus und zehn Verteidigungsschnecken aus Stahl geschützt plus natürlich die obligatorischen Drahthindernisse und einen kaum zu überwindenden Metallzaun, der typisch ist für die Festungen rund um Metz.

Die Feste Kronprinz verfügt insgesamt über vier Artilleriewerke – sogenannte Panzerbatterien. Sie befinden sich symmetrisch angeordnet an den Flanken der Kriegskaserne und verfügen über jeweils drei Geschütztürme mit Panzerkuppel. Zwei von ihnen waren mit einer 10-cm-Kanone bestück und die weiteren zwei verfügten über 15-cm-Haubitzen. Siehe: Panzertürme deutscher Festungen. Die Reichweite der Geschütze betrug zwischen 7.200 und 10.800 Metern. Um den Schutz des Moseltals zusätzlich zu erhöhen, wurde eine weitere (also fünfte) Panzerbatterie etwas vierzig Meter unterhalb des Plateaus und eigentlich außerhalb der Kernfestung errichtet. Abgeleitet von ihrer Aufgabe wurde sie als Moselbatterie bezeichnet. Man stattete sie mit zwei 10-cm-Kanonen und gepanzerten Beobachtern aus.

Unabhängig von der Zentralkaserne und den angesprochenen Panzerbatterien positionierte man auf dem Festungsgelände weitere und kleinere Infanteriewerke. Sie deckten die nördliche (also rechte) bzw. die südliche (somit linke) Flanke, wurden durch Schnecken aus Stahl beschütze (plus Drahtverhaue und den obligatorischen Metallzaun) und verfügten über gepanzerte Beobachter. Die gesamte Anlage war mit unterirdischen Gängen verbunden. Sie führten auch zu diesen Infanteriewerken, so dass man innerhalb der Kaserne jeden Ort gut geschützt erreichen konnte, ohne die Oberfläche betreten zu müssen.

Eine Besonderheit der Festung, die sie auch von den anderen Befestigungsanlagen des zweiten Festungsrings abhebt, ist das wuchtige Eingangstor. Man erreicht es über einen recht zügig ansteigenden Zufahrtsweg, vorbei an der Abzweigung zur Moselbatterie und einem den Zugang zur Festung schützenden Blockhaus.



Feste Kronprinz - Panzerfestung des deutschen Kaiserreichs bei Metz

Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

Festung


Die Feste Kronprinz im Ersten und Zweiten Weltkrieg

Ironie der damaligen Zeit: Die Feste Kronprinz (wie die übrigen Festungen rund um Metz auch) wurden errichtet, um im Fall einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich ein Vorrücken der Franzosen aufzuhalten. Obwohl während des Ersten Weltkriegs ganz in der Nähe bei Verdun die heftigsten Kämpfe tobten, gaben die meisten Festungen rund um Metz keinen einzigen Schuss ab. Einzig die Feste Kronprinz war hier eine Ausnahme ... mit einer einzigen Granate.

Im Gegensatz dazu wurde um die Feste Kronprinz 1944 stark gerungen. Hier fanden die heftigsten Auseinandersetzungen zwischen der deutschen Wehrmacht und den US-Truppen statt, die später als Kampf um Metz in die Geschichte eingingen:

Seinerzeit versuchte die 3. US-Armee unter dem Befehl von General Patton anfangs recht erfolglos die Stadt einzunehmen. Den Deutschen standen als einzige Artilleriewaffen die Geschütze der Moselbatterie der Feste Kronprinz zur Verfügung, mit der sie den Moselübergang beherrschten und den Amerikanern schwere Verluste zufügten. Um das Blatt für die US-Boys zu drehen, überflogen am 27. September 1944 US-Bomber die Festung und deckten sie mit Spreng- und Napalm-Bomben ein. Dann versuchten sie der Anlage näher zu kommen – wurden aber von den Drahthindernissen aufgehalten. Auch der zweite Angriff einige Tage später blieb wegen der erbitterten Gegenwehr der Wehrmacht erfolglos. Die Amerikaner verloren bei diesen Angriffen über 500 Soldaten. Auch weitere Angriffe brachten nicht den gewünschten Erfolg für Patton, was dazu führte, dass er beschloss, Metz mit seinen Truppen weiträumig zu umgehen. Die spätere Niederlage der Festung wurde verursacht, weil im Oktober 1944 das Oberkommando der Wehrmacht ihre Offiziere und Unteroffiziere von Metz abzog. Die Kapitulation der Restbesatzung der Feste Kronprinz folge Anfang Dezember des Jahres.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Feste Kronprinz von der französischen Armee übernommen. Die benannten die Festung um: Namensgeber ist bis heute der französische und bei Verdun gefallene Schriftsteller Émil Auguste Cyprien Driant (1855-1916).



Rundgang durch die Feste Kronpinz

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Rund um die Infanterie- und Artilleriewerke der Feste Kronprinz befinden sich zum Schutz sogenannte "Schnecken" aus Stahl. Darin waren die Wachposten relativ gut vor feindlichem Beschuss (bzw. der Splitterwirkung der Granaten) geschützt. Sicher war man allerdings nicht.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Rund um die Infanterie- und Artilleriewerke der Feste Kronprinz befinden sich solche Matallzäune. Sie stehen meist nur wenige Meter vor dem Werk und sollten eindringende Soldaten als letzten Schutz davon abhalten, direkt an die Werke zu gelangen. Schafften es diese allerdings bis hierher, hatten sie zuvor den anderen Verteidigungsanlagen und die Drahthindernisse überwunden.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Das imposante und so gar nicht zum Rest der Festungsanlage passende Eingangstor der Feste Kronprinz. Wollte man es durchschreiten (und hatte dazu keine Befugnis) musste man erst ein diversen Schutzmaßnahmen vorbei. Unter anderem dem Blockhaus, welches ebenfalls den Zugangsweg zur Festung sicherte.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Der Zugang zur Festung musste besonders geschützt werden. Also errichtete man auf dem Zugangsweg zur Feste dieses kleine Außenwerk. Ganz in der Nähe befindet sich obendrein eine Schnecke aus Stahl und natürlich die obligatorischen Drahthindernisse. Das Werk selbst war geschützt durch einen Metallzaun, der hier niedergerissen wurde.

    • Draufsicht auf das südlicher Artilleriewerk mit den 10-cm-Kanonen und ihren gepanzerten Kuppel - übrigens produziert von der Friedrich Krupp AG aus Essen.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Die Kämpfe 1944 zwischen der Wehrmacht und der US-Armee, der damit verbundene schwere Beschuss der Feste Kronprinz haben ihre Spuren hinterlassen. Der Kriegseingang des Infanteriewerks ist noch intakt, die Grabenstreiche nebenan ist zerstört.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Eines der auf dem Gelände der Festung verteilten Infanteriewerke mit Grabenstreiche zum Schutz bzw. zur Abwehr vorrückender Soldaten.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      "Portrait" eines der sechs Panzertürme für die 10-cm-Kanonen.

    • Ein Besuch der Festung kann recht unangenehme Folgen haben. Einmal abgesehen, dass das Betreten des Geländes verboten ist (militärisches Sperrgebiet), kann das Erkunden der Infanterie- und Artillerie lebensgefährlich sein.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Ein putziger Kamerad mit Mütze - so sieht es jedenfalls aus. Tatsächlich handelt es sich um eines der Werke im nördlichen Teil der Festung Kronprinz.

    • Feste Kronprinz

      Eine kleine Besonderheit der Feste Kronprinz: Ein betonierter Belüftungsschacht für die unterirdischen Anlagen der Festung.

    • Feste Kronprinz - deutsche Panzerfestung bei Metz

      Infanteriewerk nahe eines Bereitschaftsraums.

    • Feste Kronprinz

      Rauchabzug eines Infanteriewerks.

    • Feste Kronprinz

      Eine der insgesamt sechs 15-cm-Haubitzen-Panzertürme.

    • Feste Kronprinz

      Eines der Werke der Festung - stark in Mitleidenschaft gezogen durch die schweren Kämpfe im Jahr 1944. Obwohl die Grabenstreiche aus Stahlbeton errichtet wurde, brach sie in zwei Hälften, was auf eine enorme Detonation im direkten Umfeld schließen lässt (... ist allerdings nur eine Vermutung von mir - es kann sich auch um eine interne Sprengung nach Ende der Kampfhandlungen handeln).

Festung


Rundgang durch das Innere eines Artilleriewerks

    • Feste Kronprinz - im Inneren eines Artilleriewerks

      Betritt man das Artilleriewerk, wird es schlagartig düster und unheimlich ... schon nach wenigen Metern. Man ist umgeben von Stahlbeton und Stille.

    • Feste Kronprinz - im Inneren eines Artilleriewerks

      Mittels dieses Munitionsaufzugs (links) wurden die Granaten zu den Geschützen transportiert. Weiter abseits befindet sich dann immer eine Rutsche, mit denen die Geschosshülsen wieder abtransportiert wurden (hier nicht sichtbar).

    • Feste Kronprinz - im Inneren eines Artilleriewerks

      Unterirdische Wasserversorgung - diese Tanks waren offensichtlich eingemauert.

    • Feste Kronprinz - im Inneren eines Artilleriewerks

      Verbindungsgang innerhalb der Artilleriekasematte mit Lüftungsrohr unter der Decke.

    • Feste Kronprinz - im Inneren eines Artilleriewerks

      Damit habe ich nicht gerechnet, was es recht ungewöhnlich ist: Einen großen Kessel zur Zubereitung von Speisen. Diese befinden sich eigentlich nicht in einer Artilleriekasematte.

    • Feste Kronprinz - im Inneren eines Artilleriewerks

      In der Grabenstreiche der Kasematte - oben sieht man das Lüftungsrohr und den Zug, um die Scharte zu öffnen.

www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.