Feste Graf Haeseler

Festung, die vom Deutschen Kaiserreich
im sogenannten Reichsland Elsass-Lothringen errichtet wurde.


Festung des zweiten Festungsgürtels um Metz.
Erbaut vom deutschen Militär
in den Jahren 1899-1905.

Französischer Name:
Groupe fortifié Verdun


Bei Interesse ...

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Bildergalerien: Festungen rund um Metz
Chronik: Ausbau der Festungsgürtel von Metz
Chronik: Kämpfe um Metz im Jahr 1944



Feste Haeseler - südwestlich von Metz


Die deutsche Feste Graf Haeseler (franz. Groupe fortifié Verdun) liegt gut neun Kilometer südwestlich von Metz und gehört zum zweiten Festungsgürtel um Metz. Die Festung wurde auf einer Anhöhe unweit der Ortschaften Féy und Corny-sur-Moselle errichtet. Sie hatte die Aufgabe, das unter ihr liegende Moseltal und wichtige Verkehrswege zu schützen. Einerseits handelt es sich dabei um die Straße Metz-Pont-à-Mousson und die militärisch relevante Eisenbahnlinie, die Metz mit Nancy verbindet. Sie agierte zusammen der der etwas nördlich gelegenen Feste Kronprinz.

Generalfeldmarschall Gottlieb von Haeseler

Er war der Namensgeber:
Gottlieb Ferdinand Albert Alexis
Graf von Haeseler

Die Feste Haeseler wurde zwischen 1899 und 1905 errichtet und weist einige Besonderheiten auf, die sie von anderen Festungsanlagen unterscheidet: Bisheriger Standard der Preußen war das sogenannte Biehlersche Einheitsfort. Dabei handelte es sich um eine recht kompakt errichtete Festungsanlage in Form einer Lünette. Sie hatte eine Zentralkaserne und offene Geschützstellungen. Wegen der rasanten Entwicklung der Artillerietechnik boten solche Forts jedoch nicht mehr ausreichend Schutz. Ein Volltreffer konnte fatale Folgen haben und im unglücklichsten Fall auch die komplette Festungsanlage außer Gefecht setzen. Also entschieden sich die Preußen, die einzelnen Infanterie- und Artilleriewerke einer Festung im Gelände zu verteilen, um dabei die natürlich Gegebenheiten auszunutzen. Die Idee: Wurde ein Werk getroffen, hätten die übrigen Werke noch kämpfen können. Die Geschütze wurden durch massive Stahlkuppeln vor feindlichem Feuer geschützt.

Die Feste Haeseler war die erste Anlage, die man dem neuen Konzept entsprechend errichtete. Es folgten weitere Festungen wie beispielsweise die bereits erwähnte Feste Kronprinz oder die Feste Kaiserin. Beide sind gar nicht weit von Haeseler entfernt. Ich finde, dass der Bauplan der Feste Haeseler jedoch in gewisser Weise noch eine Übergangsform darstellt. Warum ich das so sehe? Nun: Bisherige Biehler-Fort wurden kompakt errichtet. Obwohl man die einzelnen Infanterie- und Artilleriewerke der Feste Haeseler räumlich voneinander getrennt errichtete (wie es das Konzept einer modernen Feste vorsieht), bilden beide jedoch noch immer eine recht kompakte Einheit. Ein gut platzierter Artillerietreffer konnte also mehrere Bauten gleichzeitig beschädigen.



Eigentlich besteht die Feste Graf Haeseler aus zwei einzelnen Festungen, die auf benachbarten Hügeln errichtet wurden: Werk St. Blaise und Werk Sommy.

  • Werk St. Blaise: Die Kasematten dieses Werks sind von Südwest nach Nordwest ausgerichtet und von passiven Verteidigungsanlagen umgeben, die in Form eines ungleichmäßigen Sechsecks angeordnet sind. Sie bestehen im Wesentlichen aus Drahthindernissen und einem gewaltigen Graben. Der Kern der Anlage besteht aus Panzerbatterien mit vier Türmen für 15 cm-Geschütze und einem Kommandeurs-Beobachtungsstand mit zwei weiteren 10 cm-Panzerbatterien.

  • Werk Sommy: Dieses Werk hat - im Gegensatz zum St. Blaise - eine recht einfache und übersichtliche Struktur. Die zentrale Kasematte trägt zwei 10 cm-Batterien und einen zentralen Artilleriebeobachtungspanzer. Umschlossen wird das ganze von einem mächtigen Festungsgraben mit mehreren Grabenstreichen.

Haeseler

Feste Haeseler - Werk St. Blaise



Während die Feste Haeseler im Ersten Weltkrieg keinen einzigen Schuss abgab, entbrannten im Zweiten Weltkrieg (und zwar im Jahr 1944) heftigste Kämpfe um die Festungsanlage. Deutsche Einheiten hatten sich hier und in den Festungen Kronprinz und Kaiserin verschanzt, um die vorrückenden US-Einheiten aufzuhalten. Das Ringen um Haeseler dauert vom 7. September bis 11. Dezember 1944. Während dieser Zeit gab es wiederholt schwere Artillerie- und Luftangriffe auf die Festung. An den Angriffen waren auf US-Seite auch schwere Kampfbomber (B17 und B-24) beteiligt, die die Festung mit 500-kg-Napalmbomben und 1000- bzw. 2000-Pfündern eindeckten. Die Spuren dieser schweren Kampfhandlungen sind noch heute gut zu sehen. Insbesondere die weniger geschützte Zentralkaserne des Werks St. Blaise wurde stark in Mitleidenschaft gezogen, was ihre Erkundung zu einem gefährlichen Unterfangen macht. Einzelne Treffer rissen nicht nur riesige Löcher in die Außenwände, sondern führten auch im Inneren zu Brüchen und Versatz der Mauerteile.



Die Zentralkaserne des Werks St. Blaise hat während der heftigen Kämpfe 1944 verschiedene Volltreffer erhalten.
Die Zerstörung ist enorm. Man kann sie nur mit äußerster Vorsicht begehen.


Feste Haeseler


Feste Haeseler - Werk Sommy



Wissenswert.

Die Festungsstadt Metz fasziniert mich schon lange. Doch erst jetzt habe ich eine Chronik des Ausbaus der Stadt zu einer Festungsstadt durch das Kaiserreich erstellt.

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Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen Festungen rund um Metz erfahren möchtest, lade Dir die KMZ für Google Earth herunter. Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.

Metz galt lange Zeit als uneinnehmbare Festungsstadt in Frankreich. Selbst der Festungsbaumeister Vauban hat sich hier verewigt. Ich habe dazu historische Karten zusammengetragen.

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