Deutsche Festungen
rund um Metz

Deutsche Festungen,
die zwischen 1871 und 1918
im sogenannten Reichsland Elsass-Lothringen
errichtet wurden.


Wer die Vergangenheit nicht kennt,
kann die Gegenwart nicht verstehen.
Wer die Gegenwart nicht versteht,
kann die Zukunft nicht gestalten.

George Santayana
1863-1952

Deutsche Festungen rund um Metz in Lothringen

Metz ist eine Stadt mit gut 120.000 Einwohnern im Nordosten Frankreichs. Sie ist Hauptstadt des Départements Mosel und zugleich auch Hauptstadt der Region Lothringen. Die Stadt besitzt viele Schätze, ich kann jedem Interessierten einen Abstecher dorthin empfehlen. Es wird sich lohnen. Insbesondere Personen, die sich für Militär- und Festungsgeschichte interessieren, kommen hier auf ihre Kosten. Rund um die Stadt gibt es etliche Festungen, die Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. Einige Festungen haben heute musealen Charakter. Andere wiederum – meist die, die etwas außerhalb der Stadt liegen – schlummern schon seit Jahren und sind im ursprünglichen Zustand noch recht gut erhalten.


Festung Metz zwischen 1871 und 1914

Der 70er-Krieg und seine Folgen

Als Folge des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 annektierte das junge deutsche Kaiserreich wichtige französische Grenzregionen und fasste sie zum Reichsland Elsass-Lothringen zusammen. Metz war zwar nicht die Hauptstadt dieses Verwaltungsgebiets (das wurde Straßburg), aber zweifelslos die wirtschaftlich bedeutendste Metropole in der Region. Die Stadt mit seiner verkehrsgünstigen Lage hatte für das Kaiserreich hohe Bedeutung. Von hier aus gab es Bahnstrecken nach Thionville, Luxemburg, Nancy, Saarbrücken, Verdun, Reims und nicht zu vergessen Straßburg und selbstredend Paris.

Historische Ansichtskarte - Metz

Historische Ansicht der Stadt Metz.
Der Bahnhof mit der alten Post.


Vor dem 70er-Krieg hatte Metz etwas mehr als 40.000 Einwohner, von denen nicht einmal 2.000 die deutsche Sprache als ihre Muttersprache angaben. Die Mehrheit der dortigen Bevölkerung hatten französische Wurzeln. Insofern verwundert nicht, dass viele von ihnen – nämlich knapp ein Drittel – während der nächsten Jahre ihre Heimat verließen.

Gleichzeitig siedelten sich immer mehr Deutsche an. Die Entwicklung wurde nicht zuletzt dadurch gefördert, dass das Kaiserreich in und um Metz mit einen Bauboom auslösten. Es wurden Kasernen zur Unterbringung der Soldaten benötigt. Und man baute innerhalb kurzer Zeit den Festungsring rund um die Stadt massiv aus. Innerhalb weniger Jahre wandelte sich so die überwiegend französischsprachige Stadt Metz durch Zuwanderung und Stationierung von deutschen Beamten und Militärs zu einer mehrheitlich deutschsprachigen Metropole. Eine Volkszählung zur Jahrhundertwende ergab, dass im Stadtgebiet Metz knapp 80% Deutsch angaben. Innerhalb weniger Jahre war Metz also Deutsch geworden.

Weitere Informationen:
Historische Ansichtskarten von Metz.


Ausbau von Metz als Festungsstadt

Die Generalität des Kaiserreichs und der deutsche Kaiser Wilhelm II. selbst sahen in Metz in erster Linie seine militärische Bedeutung. Die Stadt lag wenige Kilometer von der neuen deutsch-französischen Grenze entfernt und verfügte über ein gut ausgebautes Schienennetzt mit Anschluss an deutsche Bahnzubringer. Beides war im Fall einer militärischen Operation von Bedeutung. In gewisser Weise – nur aus anderem Blickwinkel – schrieben die Franzosen kurz vor Ausbruch des 70er-Krieges Metz die gleiche Bedeutung zu. Sie begannen kurz vor dessen Ausbruch mit dem Ausbau der Stadt zu einer Festung. Die Bauvorhaben mussten aber wegen des Krieges jäh unterbrochen werden.

Das Kaiserreich wiederum setzte diese direkt nach der Annexion fort – meist auf Basis der französischen Baupläne. Es galt die Regionen Elsass und Lothringen militärisch zu sichern und dabei kam Metz als Verkehrsknotenpunkt eine Schlüsselstellung zu.

Die deutsche Moselstellung zwischen 1871 und 1918

Historische Karte - sie zeigt die Festungsstädte Metz sowie Thionville auf deutscher und Verdun bzw. Toul auf französischer Seite. Beide fühlten sich vom jeweils anderen bedroht.


Nach Fertigstellung des ersten Festungsgürtels rund um die Stadt, der ja – wie bereits erwähnt – vorwiegend aus Festungen französischer Handschrift bestand, bauten die Deutschen einen weiteren Verteidigungswall. Diese Festungen sollten sich jedoch deutlich von den bisherigen Werken unterscheiden. Denn inzwischen hatte sich die Artillerietechnik sprunghaft weiterentwickelt. Es gab Geschütze mit deutlich höherer Reichweite und Treffgenauigkeit und es kamen Sprenggranaten auf. Beides zusammen stellte für alle damaligen Festungen (alter Bauart) eine ernste Bedrohung dar. Das galt übrigens nicht nur für die Festungen rund um Metz, sondern für alle Festungen in Europa.

Der Schlieffen-Plan von 1905

Erster Weltkrieg - Schlieffenplan von 1905

Der Schlieffenplan von 1905 sah im Fall eines Krieges mit Frankreich vor, dass sich die deutschen Truppen über Belgien der französischen Hauptstadt nähern. In dem Fall hätten die Festungen rund um Metz die direkte deutsch-französische Grenze schützen müssen.


Einen weiteren Schub beim Ausbau der Stadt Metz zu einem nicht einnehmbaren, militärischen Stützpunkt kam im Jahr 1905: Generalfeldmarschall von Schlieffen entwickelte den sogenannten Schlieffenplan.

Gedanklicher Ausgangspunkt war, dass sich Deutschland in Europa von potenziellen Feinden eingekreist sah – allen voran die Franzosen, den Engländern und insbesondere den Russen. Im Fall einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung rechnete man also mit einem zermürbenden Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland. Der Schlieffenplan von 1905 reagierte darauf und entwickelte eine Militärstrategie, damit umzugehen. Er sah vor, dass ein schneller Krieg mit Frankreich über Belgien geführt werden sollte, um sich dann – nachdem man den Erzfeind im Westen schnell besieht hat – Russland die Stirn bieten kann. Zum Gelingen des Schlieffenplan war es jedoch notwendig, dass das Reichland Elsass-Lothringen als Bollwerk diente, damit französische Truppen nicht von hier aus in Deutschland einmarschieren können. Das gab abermals einen Schub, Metz als wuchtige Festungsstadt auszubauen, denn der Schlieffenplan wurde zur offiziellen Militärstrategie im Fall eines erneuten Krieges.


Weitere Informationen:
Impressionen aus dem Inneren der Festungen:
- Festungen, die vor 1890 erbaut wurden.
- Festungen, die nach 1890 erbaut wurden.


Festung Metz



Ich hoffe,
dass wir das Schwert
mit Gottes Hilfe so führen
werden, dass wir es mit Ehre
wieder in die Scheide stecken.

Kaiser Wilhelm II.
letzte deutsche Kaiser
1859-1941

kaiser, wilhelm,

Der Ausbau der Festungen rund um Metz
war letztlich eine Vorbereitung auf den Ersten Weltkrieg
- auch wenn die Festungen dort keine nennenswerte Rolle spielten.





Festungen rund um Metz - Karte

Die Stadt Metz galt lange Zeit als die am stärksten befestigte Stadt in Europa. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden rund um die Metropole zwei Festungsringe, die hier dargestellt werden. Viele dieser Werke sind heute in Vergessenheit geraden und schlummern im Wald. Sie sind Zeugen längst vergangener Zeiten und Kriege.



Festung Metz zwischen 1914 und 1918

Metz war bis 1914 vom Kaiserreich zu einem militärisch bedeutenden Vorposten des Deutschen Reichs auf ehemals französischem Boden ausgebaut worden. Obwohl die Stadt inzwischen mehrheitlich deutschsprachig war und dort mehr als 13.000 Militärangehörige lebten, stellten die nationalpolitischen Gegensätze eine Belastung dar. Das Misstrauen gegenüber der französischsprachigen Bevölkerung war groß. Mit Ausbruch des Krieges wuchsen die Konflikte in Metz. Die von den Franzosen erwartete Loyalität beanspruchte die Stimmung in der Stadt.

Wie wird von zeitgenössischen Autoren häufig als gereizt und von Misstrauen geprägt beschrieben. Ab 1914 mussten auch alle nicht deutschsprachigen Zeitungen eingestellt werden, was die Lage nicht verbesserte. Man ging sogar soweit, dass ab Mitte 1915 öffentliche Konversation in französischer Sprache ein Verbrechen darstellt und unter Strafe stand. Der Druck auf die französischstämmigen Bevölkerungsschichten war enorm. Es folgte eine zweite Abwanderungswelle, so dass Metz zweitweise wie eine vom Militär beherrschte Stadt im deutschen Reichsgebiet wirkte.

Eine Bedrohung der Stadt durch französische Truppen gab es zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Natürlich versuchten die Franzosen in den ersten Kriegstagen die Regionen Elsass und Lothringen zu erobern. Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt wie waffenstarrend die Stadt war. Aber im Ersten Weltkrieg war wenig normal: Also gab es Angriffe der Franzosen in der Nähe von Metz, es folgen Gegenangriffe der Deutschen und irgendwann erstarrten die Fronten – wie an der gesamten Westfront.

Weitere Informationen:
Alle Festungen rund um Metz.



Festungen Metz: Der erste Festungsring rund um die Stadt

Festung Metz


Zweiter Weltkrieg - 1944: Die Schlacht um Metz

Zwischen 27. August und 13. Dezember 1944 tobten rund um Metz schwere Kämpfe zwischen den US-amerikanischen Truppen und deutschen Einheiten. Sie waren der blutige und verlustreiche 'Höhepunkt' der Schlacht um Lothringen. Die US-Armee unter dem Befehl von Generalleutnant George S. Patton teilte sich kurz zuvor. Ein Teil rückte weiter in Richtung Nancy vor, weil Patton mit der Befreiung der Stadt beauftragt wurde. Die restlichen Einheiten bewegten sich weiter auf Metz zu. Sie rechneten mit keiner übermäßigen Gegenwehr beim Vormarsch auf die Stadt. Für alle Truppenteile war die Versorgungslage recht problematisch. Man war knapp an Vorräten, Treibstoff und Munition.

Den US-Truppen gegenüber stand die 17. SS-Panzergrenadier-Division und in der Stadt selbst befand sich außerdem noch eine Ausbildungsdivision unter anderem mit Flakbatterien und Panzerabwehrgeschützen. Obendrein war es der Wehrmacht gelungen, einige der Festungsgeschütze wieder funktionstüchtig zu machen. Sie waren zu wuchtig, so dass man sie - im Gegensatz zur Bewaffnung anderer Festungen - in den letzten Jahren nicht für den Einsatz an anderer Stelle abtransportiert hatte.

Letztlich unterschätzten die US-Truppen die Lage. Denn ihnen gegenüber lag die am stärksten befestigte Region entlang der westdeutschen Grenze.

Dazu zählten die alten deutschen Festungen aus dem 19. Jahrhundert, die rund um Metz wacht hielten. Dann folgten die Festungen der Maginot-Linie, die die Deutschen ebenfalls zur Verteidigung nutzen konnten. Last but not least war da noch der just im Herbst 1944 modernisierte Westwall.

Zweiter Weltkrieg: Deutsche Soldaten im Feuergefecht.

Bei Ankunft seiner Truppen am westlichen Ufer der Mosel brachten sich die Deutschen in Stellung und nutzten dabei insbesondere die Festungen Haeseler, Kronprinz und Kaiserin für ihren Schutz bzw. zur Verteidigung des Moselübergangs. Hitler erklärte Metz zu einer „Festung“, die bis zur letzten Kugel verteidigt werden sollte.

Der erste Versuch der US-Truppen im September 1944 Metz einzuschließen und die Verteidiger damit zum Rückzug zu zwingen, scheiterte an ungünstigem Wetter und dem massiven Abwehrfeuer der Festungsgeschütze. Selbst massiver Artilleriebeschuss durch amerikanische Truppen und Angriffe aus der Luft mit Kampfbombern konnten die Deutschen nicht zum Aufgeben bewegen. Sie verschanzten sich im Schutze der massiven Festungen, die gut fünfzig Jahre zuvor in der Kaiserzeit dort errichtet wurden. Als dann am 7. November 1944 die GIs abermals angriffen, konnten sie im Norden endlich einen Brückenkopf bilden und im Süden die Seille überqueren. Am 19. November schloss sich dann die Zange um die Stadt. All dann die Vorräte der Deutschen, die sich in den Festungsanlagen verschanzt hatten zur Neige gingen, ergaben sie sich nach und nach.

Die schweren Kämpfe um Metz forderten auf deutscher Seite 3.800 gefallene Soldaten. Weitere 7.904 Soldaten wurden verwundet.

Weitere Informationen:
Chronik der Kämpfe um Metz

Festung Metz


Festungen Metz: Der zweite Festungsring rund um die Stadt

Festung Metz


Festung Metz: Zusammenfassung

Die Stadt Metz wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom Deutschen Kaiserreich zu einer der mächtigsten Festungsstädte in Europa ausgebaut. Denn für das deutsche Militär war Metz ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, der innerhalb des 1871 entstandenen Reichsland Elsass-Lothringen, welches aus den gleichnamigen französischen Regionen entstand, eine zentrale Bedeutung hatte. Die Festungen wurden in zwei Festungsringen rund um die Stadt erreichtet. Festungen des ersten Rings galten eher als veraltet, konnte aber im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung einigermaßen effektiv wirken. Die Festungen des zweiten Festungsrings galten im Gegensatz dazu als sehr modern. Die Deutschen setzten hier neue Konzepte bei der Errichtung von Festungen um. Unterm Strich galt Metz eine der wuchtigsten Festungsstädte in ganz Europa.

Ironie der Geschichte: Keine Festung rund um Metz griff im Verlauf des Ersten Weltkriegs entscheidend in Kampfhandlungen ein. Die meisten Festungen gaben im Verlauf der Kriegsjahre sogar keinen einzelnen Schuss ab. Im Gegensatz dazu wurden die Festungen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs heftig umkämpft. Obwohl sie schon maßlos veraltet waren, leisteten sie der deutschen Wehrmacht bei der Schlacht um Metz wertvolle dienste und brachten die US-Truppen förmlich zur Verzweiflung. Aus der Not heraus belegten diese die Festungen mit schwersten Beschuss, den die Bunker meist standhielten.

Weitere Informationen:
Download - KMZ aller Festungen für Google-Earth.


TOP-15: Festungen rund um Metz

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