Exkurs:
Erster Weltkrieg



Wer die Vergangenheit nicht kennt,
kann die Gegenwart nicht verstehen.
Wer die Gegenwart nicht versteht,
kann die Zukunft auch nicht gestalten.

George Santayana
1863-1952



Die Schrecken des Ersten Weltkriegs


Der Erste Weltkrieg war der erste industriell geführte Krieg der Menschheitsgeschichte. Es war zugleich der erste „totale“ Krieg. Niemals zuvor kämpften Armeen in einem solch gigantischen Ausmaß gegeneinander und niemals zuvor wurde auch die Zivilbevölkerung direkt ins Kriegsgeschehen einbezogen. Am Ende des Ersten Weltkriegs befanden sich drei Viertel der Weltbevölkerung im Kriegszustand.

Der Erste Weltkrieg dauerte vom 28. Juli 1914 bis zum 11. November 1918 und forderte weltweit über 17.000.000 Tote und unzählige Verletzte. Die wichtigsten Kriegsschauplätze befanden sich in Europa. Man unterschied zwischen der Westfront, der Ostfront und der Alpenfront. Es wurde aber auch im Nahen Osten, in Afrika und Ostasien gekämpft. Kriegsparteien waren anfangs Deutschland und Österreich-Ungarn (die sog. Mittelmächte) auf der einen Seite - später auch Bulgarien. Ihnen standen die die Alliierten Frankreich, Großbritannien (und das gesamte britische Weltreich) sowie Russland auf der anderen Seite gegenüber. => Download: Kriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs

Später traten das osmanische Reich und Bulgarien auf der Seite der Mittelmächte sowie Italien, Portugal, Rumänien, Australien, Kanada und die USA auf der Seite der Alliierten in den Krieg ein. Der Ausbruch des Krieges war letztlich das Resultat der in Europa seinerzeit weit verbreiteten Ansicht, dass ein militärischer Konflikt nicht zu vermeiden sei, um nationale Interessen, Gebiets- und Machtansprüche zu untermauern. Diese Sichtweise fußte auf einem blinden Nationalismus, der den Krieg verherrlichte und das Großmachtstreben der eigenen Nation (bzw. des eigenen Monarchen) als legitim darstellte.

Obendrein gab es noch „eine offene Rechnung“ zwischen Deutschland und Frankreich, die sich damals als „Erzfeinde“ gegenüberstanden. Grund: Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 ging für Frankreich schmachvoll verloren und es musste dem deutschen Kaiserreich große (und wichtige) Landesteile abtreten. Darunter befanden sich wichtigen Städte Metz, Thionville und Straßburg. Es waren Verkehrsknotenpunkte und Wirtschaftsregionen.


Liebe Eltern!

Ich liege auf dem Schlachtfeld mit Bauchschuss.
Ich glaube, ich muss sterben.
Bin froh, noch einige Zeit zu haben,
mich auf die himmlische Heimkehr vorzubereiten.
Dank Euch, Ihr lieben Eltern!

Gott befohlen.
Johannes.

Feldpost von Johannes Haas an seine Eltern.
Der Schreiber fiel am 1. Juni 1916 bei Verdun.
Dies waren seine letzten Zeilen.

Quelle: Feldpost

Erster Weltkrieg - Offiziere beim Blick aus dem Schützengraben bei Verdun

Quelle: Der Weltkrieg im Bild | Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht.
Autor:George Soldan | Ausgabe 1928


In dieser aufgeheizten Stimmung war die Erschießung des österreichischen Thronfolgerpaars in Sarajevo letztlich nur der Funken, das das Pulverfass zum explodieren brachte. Österreich nutze es zum Anlass, Serbien den Krieg zu erklären, obwohl Serbien seinerseits den Forderungen zur „Wiedergutmachung“ des Unglücks nachgekommen war. Da wiederum kein Land „allein stand“, sondern sich durch etlichen Bündnissen der Freundschaft und Unterstützung anderer Nationen versicherte, setzte eine Kettenreaktion ein. Kurz nach der Kriegserklärung Österreichs an Serbien am 28. Juli 1914 erklärten weitere Länder den Krieg. Deutschland wurde in den Strudel hineingezogen, weil beide Kaiserhäuser eng miteinander verbunden waren und sich im Fall des Falle Unterstützung zugesagt hatten.


Erster Weltkrieg - zerschossenes englisches Tankgeschwader

Quelle: Der Weltkrieg im Bild | Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht.
Autor:George Soldan | Ausgabe 1928


Nachdem der Erste Weltkrieg entfesselt war, wurde allen Beteiligten schnell klar, dass sich diese Auseinandersetzungen maßgeblich von früheren Kriegen unterscheidet. Die Menschen zogen mit einem Hura auf allen Seiten in den Krieg und sahen sich unversehens einem massiven Maschinen- und Materialeinsatz (Artillerie, moderne Maschinengewehre etc.) und Massenvernichtungswaffen (Giftgas) gegenüber. Trotz (der vielleicht auch wegen) dieser Materialschlacht auf allen Seiten bewegten sich die Fronten kaum und die Soldaten wurden in einen endlosen Stellungskrieg aufgerieben. Insbesondere auf den Schlachtfeldern von Verdun und Flandern fielen auf beiden Seiten in kurzer Zeit hunderttausende Soldaten, ohne dass man hier nennenswerte Geländegewinne erzielen konnte. Selbst als Russland nach der Oktoberrevolution 1917 aus dem Krieg austrat, trat keine Veränderung im Kräftegleichgewicht der Nationen ein. Obwohl sich die Mittelmächte durch das Kriegsende mit Russland auf die West- und Alpenfront konzentrieren konnten (und ihre Truppen dort entsprechend verstärkten), brachte das keinen Vorteil. Denn im April des gleichen Jahres war die USA in den Krieg eingetreten – als Reaktion auf den uneingeschränkten U-Bootkrieg Deutschlands auf allen Weltmeeren. Der geballten Wirtschaftsmacht der USA hatten die ausgebluteten Monarchien Deutschlands und Österreich-Ungarns nichts mehr zu erwidern. Es folgte der am 11. November 1918 unterzeichnete Waffenstillstand und am 28. Juni 1919 der Friedensvertrag von Versailles. Bis zu einer Aussöhnung der Nationen sollte es allerdings noch lange und einen weiteren Weltkrieg dauern.


Innigste geliebte Eltern!

Wenn Ihr diese Nachricht von mir erhaltet, dann ist wohl herbes Leid über Euch gekommen, denn dann bin ich nicht mehr in dieser Welt. Ich kann es verstehen, aber um eins bitte ich Euch: beklagt mich nicht. Trauert um mich, aber seid ruhig und gefasst; zeigt, dass Ihr Deutsche seid, die das Leid tragen können. ...

Trotz aller trüben Erfahrungen und Nachrichten glaube ich doch an eine Zukunft. Für das neue, größere, bessere Vaterland gebe ich gern mein junges Leben. Ich gehe ganz gefasst in den Kampf und zittere nicht, dem Tod ins Angesicht zu blicken, denn ich fühle mich geborgen in Gottes Hand ...

Noch eins: Wenn ich Euch früher kränkte und wehe tat, so verzeiht mir. Ich war eigensinnig oft und habe oft einen unrechten Weg eingeschlagen, aber ich habe es bereut, glaubt es mir, und verzeiht mir. Und nun bleibt mir nichts mehr als Euch trotz allem zuzurufen:

Auf Wiedersehen!
Euer Heinz

Feldpost von Heinz Pohlmann
Philosophiestudent.
Der Schreiber fiel ebenfalls
am 1. Juni 1916 bei Verdun.

Dies waren seine letzten Zeilen.

Quelle: Feldpost



Bilder von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs

Ein Teil der nachfolgenden Bilder sind Motive deutscher, französischer und englischer Feldpostkarten aus dem Ersten Weltkrieg - vornehmlich von der Westfront. Viele von ihnen sind "gelaufen". Das bedeutet, dass sie von den Soldaten an der Front mit wahrlich bewegenden Worten an die Liebsten nach Hause gesendet wurden. So ergreifend die Texte allerdings auch waren, so schockierend waren für mich teilweise die Motive der Postkarten. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was in einem Kopf vorgegangen sein mag, wenn man Bilder aus dem Schützengraben, Bilder von Gefallenen oder Bilder der unendlichen Zerstörungen denen zumutet, die in der Heimat um das Leben des Ehegatten, des Vaters oder Großvater bangen. Aber wahrscheinlich muss man - um dieses zu verstehen - in einer anderen Zeit geboren sein.




Die Menschheit ist verrückt geworden.
Was für ein Massaker!
Dieser Horror, dieses Gemetzel.
Ich finde keine Worte,
um meine Eindrücke wiederzugeben.
So furchtbar kann nicht einmal die Hölle sein.

Alfred Joubaire
französischer Leutnant
gefallen bei Verdun / 1916




Quelle der Bildergalerien und Anmerkungen zu den jeweiligen Aufnahmen:
Der Weltkrieg im Bild | Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht
Autor:George Soldan | Ausgabe 1928



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In eigener Sache.


In meiner Familie wurden nie die Weltkriege thematisiert. Das war immer ein ziemlich wortkarges Thema. Warum kann ich gar nicht sagen. Es war halt so. Durch mein Eintauchen in die Materie und meine vielen Besuche "vor Ort" fand ich heraus, dass ein Urgroßvater von mir im Königlich Preußisches Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 215 diente und auf einer Verlustenliste zu finden ist.

Dietrich Deicke
Oyle bei Nienburg/Weser.

Er wurde schwer verwundet und später verstarb an der Front.
Das war am 4. Februar 1915 bei den Stellungskämpfen an der Yser (Flandern).



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Wissenswert.

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Es war ein industrieller Krieg.
Um Dir einen Eindruck zu vermitteln, habe ich einige Bilder zusammengetragen.

    • LINK: WISSENSWERTES

Zwischen 1914 und 1918 brannte die Erde. Wichtige Schlachten des Ersten Weltkriegs in Europa habe ich in einer KMZ für Google-Earth zusammengetragen. Sie hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Es gibt etliche Dokumentationen über den Verlauf dieses großen Schlachtens. Diese kann ich Dir ganz besonders empfehlen.

    • LINK: FILM

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