Bunker und Festungen
des Atlantikwalls



Ich muss Politik und Krieg studieren,
damit meine Söhne die Freiheit haben,
Mathematik und Philosophie zu studieren.
Meine Söhne sollten Mathematik und Philosophie studieren,
außerdem Naturgeschichte, Handel und Landwirtschaft,
damit sie ihren Kindern das Recht geben, Malerei, Poesie,
Musik, Architektur, Dekoration und Porzellan zu studieren.

John Adams
Einer der Gründungsväter
der Vereinigten Staaten
1735-1826



Atlantikwall: Bunker und Festungen der deutschen
Verteidigungslinie, die zwischen 1942 und 1944 und
das europäische Festland aus Sicht
Nazi-Deutschlands
vor einer Invasion schützen sollte.

Atlantikwall


Die Bunker und Festungen des Atlantikwalls

Der Atlantikwall war eine von Hitler-Deutschland während des Zweiten Weltkriegs errichtete Verteidigungs- beziehungsweise Bunkerlinie entlang der von Deutschland in Europa besetzten Länder Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark und Norwegen. Auslöser für den Bau des Atlantikwalls war der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten. Hitler sah dadurch die militärische Stärke der Westalliierten deutlich gestärkt und befürchtete eine Invasion über den Ärmelkanal. Deswegen forderte er 1941, dass an der gesamten Küste des Atlantiks, des Kanals und der Nordsee ein "Gürtel aus Bollwerken" entstehen muss, um auf diese neue Bedrohung zu reagieren. Während dieser Verteidigungswall auf dem Festland die befürchtete Invasion abwehren sollte, ging es in Norwegen darum, die für das deutsche Militär so wichtigen Rohstoffvorkommen zu sichern. Die Umsetzung dieses gigantischen Bauvorhabens begann 1942. Der Anfang verlief schleppend, weil im Verlauf des Krieges gar nicht genug Material zum Bau der notwendigen Bunkeranlagen zur Verfügung stand. Und eigentlich standen auch nicht genügend Mannschaften zur Verfügung, um später dann den Atlantikwall zu besetzen. Sie wurden an den vielen Fronten des Dritten Reichs benötigt - insbesondere in Russland.


Die Grundidee des Atlantikwalls

Atlantikwall zwischen Le Havre und Cherbourg - Lage der Küstenbatterien und Landungsstrände am 6. Juni 1944

Mehr Informationen zum Aufbau und der
Struktur des Atlantikwalls.

Die Grundidee des Atlantikwalls war eigentlich recht simpel: Entlang der von Nazi-Deutschland besetzten Ländern sollte eine Kette mächtiger Geschütze installiert und mit Bunkern gesichert werden. So hätte man anlandende (Invasions-) Schiffe frühzeitig bekämpfen und versenken können. Für die Nachverteidigung wiederum - wenn die alliierten Truppen also die Strände erreicht hätten - sah man sogenannte Widerstandsnester (kurz "WN") vor, in denen schwere Maschinengewehre positioniert wurden. Sie deckten den Stand und hatten sich überlappende Schussfelder, um ein Durchkommen angreifender Soldaten zu erschweren. Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der ab November 1943 die direkte Verantwortung für den Atlantikwall hatte, ging bei seiner Strategie davon aus, dass eine Invasion gebrochen werden könnte, wenn die deutsche Verteidigung die ersten 24 Stunden an den Stränden keinen Durchbruch zulässt - Mensch und Material also an den Ständen gebunden und vernichtet werden. Aus diesem Grund ließ Rommel nicht nur die Bunkerlinie weiter ausbauen, um weitere Widerstandsnester in kürzeren Abständen zu errichten, sondern er installierte sogar direkt an den Stränden etliche Hindernisse, um das Anlanden von Booten und Lastensegler zu erschweren. Sein Kalkül: Je schwieriger es für den Gegner wird, an Land zu kommen, desto mehr Zeit hätten die deutschen Soldaten in den Widerstandsnestern, ihn effektiv zu bekämpfen.

Die deutsche Heeresführung ging eigentlich davon aus, dass die Alliierten im Fall einer Invasion bei Calais übersetzen würden, weil hier der Ärmelkanal besonders schmal war. Die Normandie hatte niemand wirklich im Blick. An dieser Stelle war der Atlantikwall auch nicht so stark befestigt wie erwartungsgemäß bei Calais und den umliegenden Stränden.

2.685 Kilometer und 8.000 Bunker

In den Jahren 1942 bis 1944 wurde mit großen Anstrengungen am Atlantikwall gearbeitet. Bis zur Invasion der Alliierten am 6. Juni 1944 im Rahmen der Operation Overlord waren die Befestigungen in Frankreich am weitesten fortgeschritten - im Gegensatz zu Belgien, Holland etc.. Alles in allem umfasst der gesamte Atlantikwall auf seiner ganzen Länge mehr als 8.000 Bunker und Befestigungsanlagen. Aus Effizienzgründen entwickelten die Architekten für die einzelnen Funktionen der Werke sogenannte Regelbauten. Hierbei handelt es sich um standardisierte Bauten, so dass man nicht permanent auf die lokalen Gegebenheiten neue Konstruktionen anfertigen und diese errichten musste. Die Regelbauten vereinfachten und beschleunigten Planung und Bau des Atlantikwalls enorm. Die Idee stammt vom Westwall, wo viele dieser oder ähnlicher Bauten ebenfalls zum Einsatz kamen.

Atlantikwall- Invasion Normandie - Originalaufnahme vom D-Day - 6. Juni 1944

Invasion alliierte Streitkräfte in der Normandie.
D-Day - 6. Juni 1944.

In der deutschen Propaganda wurde der Atlantikwall immer und immer wieder als das Bollwerk gegen den Feind dargestellt. Er galt als unüberwindbar. Natürlich wurde in der Wochenschau nichts über seine Schwächen gesagt - ins nachvollziehbar.

Vergleicht man den Atlantikwall mit der Maginot-Linie oder dem Westwall, fallen entscheidende Unterschiede auf. Einmal abgesehen, dass der Atlantikwall im Jahr 1944 noch gar nicht fertig war (auch wenn die Wochenschau anderes berichtete), stellte er letztlich nur einen einfachen (und nicht in mehreren Linien gestaffelten) Verteidigungswall dar. Einmal durchbrochen ... und man war durch.

Das ist bereits der erste Unterschied zur Maginot-Linie. Viel entscheidender war jedoch, dass die einzelnen Widerstandsnester teilweise viel zu weit voneinander entfernt positioniert wurden und sich im Regelfall nicht gegenseitig decken konnten. Sie hatten (wenn alles gut geplant war) maximal überlappende Schussfelder. Im Gegensatz dazu konnten sich die einzelnen Werke der Maginot-Linie im Feuer unterstützen. Sie bildeten quasi Einheiten und erhöhten so ihre Feuerkraft bzw. konnten dem Nachbarn in Bedrängnis direkt zur Hilfe "eilen". Es kämpfte also nicht jeder Bunker für sich, sondern sie kämpften im Verbund.

Darüber hinaus gab es noch zwei weitere Besonderheit, die den Atlantikwall beispielsweise vom Westwall unterscheidet: (1) Die Bunker und Festungen des Westwalls hatten alle einen Schutz vor Gasangriffen. Jeder Regelbau verfügte über einen Bereich zur Kontamination. Außerdem waren dort Kohlefilter verbaut, um die Atemluft im Fall eines Gasangriffs zu reinigen. Die Bunker des Atlantikwalls hatten dieses alles nicht. Sie dienten schlicht als "Ummantelung" der Stellungen, die sich in ihrem Inneren befanden. (2) Die Bewaffnung am Atlantikwall bestand aus verschiedenen Waffengattungen. Im Gegensatz dazu kamen beim Westwall hauptsächlich Infanterie- und Flakeinheiten zum Einsatz. Es fehlte die Artillerie, die beim Atlantikwall aus zuvor genanntem Grund eine wichtige Aufgabe hatte.



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