Blick in die Geschichte:

Preußische Festungen
im Verlauf des 19. Jahrhunderts

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Infolge der Reichsgründung am 18. Januar 1871
wurde Deutschland – als Kaiserreich – zum Nationalstaat geeint.

Das Deutsche Kaiserreich war ein von
Preußen dominierter Obrigkeitsstaat.

Bis 1890 spielte Reichskanzler Otto von Bismarck
in der Innen- und Außenpolitik eine prägende Rolle.
Diese wurde anschließend von Kaiser Wilhelm II. übernommen.
Dessen Außenpolitik führte Europa
1914 in den Ersten Weltkrieg.

Infolge der Reichsgründung am
18. Januar 1871 wurde Deutschland –
als Kaiserreich – zum Nationalstaat geeint.

Das Deutsche Kaiserreich war ein von
Preußen dominierter Obrigkeitsstaat.

Das Königreich Preußen im 19. Jahrhundert und seine Provinzen

Königreich Preußen ab 1866 und seine Provinzen



Bis 1890 spielte Reichskanzler Otto von Bismarck
in der Innen- und Außenpolitik eine prägende Rolle.
Diese wurde anschließend von Kaiser Wilhelm II. übernommen.
Dessen Außenpolitik führte Europa
1914 in den Ersten Weltkrieg.

Friedrich der Große - König Friedrich II von Preußen

König Friedrich II von Preußen
Quelle: Historische Postkarte




Wer oder was sind eigentlich die Preußen?.

Denken die Menschen heute an Preußen, kommt vielen von ihnen der "Alte Fritz" in den Sinn: Friedrich II. (auch Friedrich der Große genannt, 1712-1786) war König von Preußen, Markgraf von Brandenburg und damit auch Kurfürst des Heiligen Römischen Reichs. Während seiner Regentschaft führte das seinerzeit noch recht unbedeutende Preußen etliche Kriege und avancierte zu einer der fünf Großmächte in Europe - Frankreich, Großbritannien, Österreich, Russland und eben auch Preußen. Der Militarismus, der den Preußen bis heute zugeschrieben wird, hatte auch seine Wurzeln in dieser Zeit.

Ende des 18. Jahrhunderts - wenige Jahre nach dem Tod des "Alten Fritz" begannen die Napoleonischen Kriege. Frankreich unter Napoleon Bonapartes führte von 1792 bis 1815 Krieg gegen seine europäischen Machtrivalen. Schlussendlich unterlag er, was den Weg zu einer neuen Friedensordnung in Europa frei machte. Die Königshäuser Europas trafen sich zum Wiener Kongress (1814/15), um eben diese zu erarbeiten. Preußen war einer der Gewinner. Preußen wurde Nordsachsen, Westfalen und das komplette Rheinland zugesprochen, Österreich weitete seinen Machtbereich in Richtung des Balkans aus und Russland erhielt einen Großteil des Herzogtums Polen.

Mit dem Wiener Kongress war die Rivalität der europäischen Nationen untereinander natürlich nicht beendet. Insbesondere das Misstrauen gegenüber Frankreich blieb ungebrochen. Beides ist wichtig, wenn man die Politik der folgenden Jahre, die maßgeblichen Einfluss auch auf den Festungsbau hatte und die Konflikte Anfang des 20. Jahrhunderts verstehen möchte. All dies entlud sich in der Wucht und dem Scheusal des Ersten Weltkriegs, den die o.g. Nationen gegeneinander führten. Das erklärt auch die Strategie Preußens im Verlauf des 19. Jahrhunderts, sich bei der Organisation der Landesverteidigung (damals war das quasi gleichbedeutend mit dem Festungsbau) auf die Grenzregion zu Frankreich und zu Russland zu fokussieren. Spätestens mit der Gründung des deutschen Kaiserreichs und unter Kaiser Wilhelm II. wurden die Konflikte mit diesen beiden Nachbarn immer offenkundiger.


Preußischer Festungsbau im 19. Jahrhundert

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts galt der bastionäre Festungsbau, der stark vom französischen Festungsbaumeister Sébastien Vauban geprägt wurde, als des Nonplusultra des Festungsbaus. Allerdings: Gegen Ende der Napoleonischen Kriege zeigten sich bereits die Schwächen dieser Festungen - unter anderem die hohe Anzahl an Soldaten zur effektiven Verteidigung und die leichte Verwundbarkeit der Bastionen.

Abgeleitet von den Ergebnissen des Wiener Kongresses musste Preußen nach 1815 seine Landesverteidigung bzw. den Schutz der hinzugewonnenen Regionen neu organisieren. Wie bereits gesagt: Die deutsch-französische und deutsch-russische Grenze waren dabei besonders im Fokus. Festungen, die Preußen seinerzeit errichten ließ, folgten gänzlich neuen Überlegungen, was den Festungsbau bis ins 19. Jahrhundert hinein prägte. Die Ideen selbst waren gar nicht so neu, sie wurden bereits vom französischen Ingenieur Montalembert (1714-1799) etliche Jahre zuvor zu Papier gebracht.

Biehlersche Einheitsfort - Standardfestung der Preußen gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Biehlersche Einheitsfort - Standardfestung der Preußen gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Ab 1815 setzten die Preußen auf die sog. polygonale Befestigungsmanier, deren wichtigste Elemente nur noch stumpfwinklig gebrochene Fronten und Batterietürme waren, um artilleristische Überlegenheit gegenüber einem Angreifer zu wahren. Diese neuen Konzepte bewährten sich bis zum Aufkommen neuer Geschütze mit gezogenem Lauf gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Prototyp für die Anwendung des Polygonalsystems im 19. Jahrhundert war die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz, die von 1815 bis 1834 neu erbaut wurde. In diesem Zusammenhang spricht man im Festungsbau von der neupreußischen oder neudeutschen Befestigungsmanier.

Die zweite wesentliche Neuerung entsprang der Erkenntnis, dass sich "auf einen Punkt konzentrierte Festungsanlagen" schlecht gegen feindliche Feldheere halten konnten. Deswegen errichtete man fortan um den eigentlich zu schützenden Ort einen Gürtel kleinerer, einzeln stehender, sich aber gegenseitig mit ihrer Artillerie deckender Forts. Im Festungsbau sprich man von detachierten Forts.

Alles zusammen wurde dann als Gürtelfestung bezeichnet. Wollte ein Angreifer einer derart gesicherte Stadt einnehmen, musste er zuerst die kleinen, jedoch stark bewaffneten Forts überwinden, bevor er sich seinem eigentlichen Ziel zuwenden konnte.

Ausgehend von diesen neuen Erkenntnissen begann man in Preußen, bisherige Festungen zu klassifizieren. Einige von ihnen wurden "entfestigt" (Brieg, Kosel), oder sie wurden zu Festungen 2. oder gar 3. Klasse degradiert (Jülich, Silberberg). Nur die Festungen erster Klasse - meist neu errichtete Festungen - galten als Eckpfeiler bei der Landesverteidigung.

Festung Köln - innerer und äußerer Festungsring - schematische Darstellung

Gürtelfestung: Festung Köln - innerer und äußerer Festungsring - schematische Darstellung

Das Ergebnis: Preußische Festungen im 19. Jahrhundert waren eigentlich Gürtelfestungen - bestehend aus vielen kleinen Forts, die in einem weitläufigen Kreis um die zu schützende Stadt herum errichtet wurden (Köln, Königsberg). Es waren ferner Polygonal-Befestigungen, wobei die Preußen nicht die Preußen gewesen wären, wenn sie den Bau dieser Festungen nicht möglichst effektiv gestaltet hätten.

Sie entwickelten das sogenannte Biehlersche Einheitsfort. Das ist eine Blaupause zur Errichtung neuer Festungen, was Zeit und Geld sparte. Viele dieser Standardforts findet man rund um Köln, Königsberg und eines auch bei Metz, obwohl letzteres erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts errichtet wurde (Fort Manstein).

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(c) sergei-trofimenko - 123rf.com - Bild 37610876 - Wehrturm Dohna - Königsberg

(c) sergei-trofimenko - 123rf.com - Bild 37610876 - Wehrturm Dohna - Königsberg

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Beispiele preußischer Festungen im 19. Jahrhundert

Festung Königsberg

- Land: Russland
- Ortschaft Kaliningrad

Kaliningrad (ehemals Königsberg) liegt in einer russischen Enklave zwischen Polen und Litauen. Einst war die Stadt an der Ostsee allerdings eine königliche Haupt- und Residenzstadt und gehörte zu Preußen und wichtiger Verkehrsknotenpunkt des nordosteuropäischen Verkehrs zwischen Deutschland und Russland. Mit der Reichsgründung wurde sie 1871 zur nordöstlichsten gelegenen Großstadt im neu entstandenen Deutschen Kaiserreich. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde Königsberg zu einer preußischen Gürtelfestung ausgebaut. Man errichtete rund um die Stadt einen Festungsring mit einem Radius von acht bis zehn Kilometern. Baubeginn war 1872, die Fertigstellung der letzten Festung erfolgte 1890.

Preußische Festungen rund um Königsberg (heute Kaliningrad)

Preußische Festungen rund um Königsberg (heute Kaliningrad)

Weitere Information zur
Festungsstadt Königsberg.

Festung Küstrin

- Land: Polen
- Ortschaft: Kostrzyn nad Odra

Kostrzyn nad Odrą ... das kleine Örtchen befindet sich im heutigen Polen - nahe der Oder. Einst war Küstrin eine Residenzstadt und verfügte über eine die Stand umschließende Bastionärsfestung. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde wiederholt um die Stadt gerungen. Zeitweise war sie sogar in russischer Hand. Mit dem Wiener Kongress fiel sie allerdings 1815 endgültig an Preußen. Einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Küstrin 1857 mit dem Anschluss an die Eisenbahnstrecke der Preußischen Ostbahn. Küstrin entwickelte sich zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Natürlich wollten die Preußen diesen angemessen schützen - also errichteten sie rund um die Stadt verschiedene Festungen:

- Fort Gorgast (1883-89)
- Fort Zorndorf (ab 1838)
- Fort Säpzig (1887-90)
- Fort Tschernow (1888-90)

KMZ-Datei zur
Festung Küstrin.

Festung Thorn

- Land: Polen
- Ortschaft: Toruń

Toruń (ehemals Thorn) war eine der großen Festungsstädte des Kaiserreichs in Westpreußen. Die an der Weichsel liegende Stadt verfügte gegen Ende des 19. Jahrhunderts über ein mächtiges Befestigungssystem und sicherte die damalige Ostgrenze des Kaiserreichs zu Russland. Sie war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und im Fall eines Krieges mit dem östlichen Nachbarn ein zentral gelegener Angriffspunkt. Das Besondere an Thorn: Hier wurde ein erster Prototyp künftiger Panzerfestungen errichtet, die danach zum Standard moderner Festungen rund um Metz, Thionville und Straßburg (allesamt in Elsass-Lothringen) wurden.

Festungsstadt Thorn - preußische Festungen des 19. Jahrhunderts

Festungsstadt Thorn - preußische Festungen des 19. Jahrhunderts

Weitere Informationen zur
Festungsstadt Thorn.

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Festung Köln

Land: Deutschland
Ortschaft: Köln

Denkt man an Köln, fallen einem spontan viele Dinge ein: Köln, Kölsch, Karneval. Die wenigsten Menschen verbinden Köln mit einer gut ausgebauten Festungsstadt des 19. Jahrhunderts. Und noch weniger Menschen wissen, dass es in und um Köln im Verlauf der Jahrhunderte eigentlich vier Befestigungssysteme gab: Die alte Stadtmauer, die schon von den Römern errichtet wurde, die mittelalterliche Stadtmauer und den inneren sowie den äußeren Festungsring, die im 19. Jahrhundert von den Preußen errichtet wurden. Ich konzentriere mich auf die beiden zuletzt genannten Befestigungsanlagen - also die preußischen Festungen.

Festung Köln - innerer und äußerer Festungsring - schematische Darstellung

Preußische Festungen rund um Köln - 19. Jahrhundert

Weitere Informationen zur
Festung Köln.

Festung Pillau

- Land: Russland
- Ortschaft: Baltijsk

Baltijsk (ehemals Pillau) ist ein kleines Örtchen an der Ostsee - westlich von Kaliningrad (ehemals Königsberg). Die Festung Pillau (seit 1888 auch Fort Stiehle) wurde im 17. Jahrhundert als Bastionärbefestigung errichtet. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts errichtete man weitere Außenwerke:
KMZ-Datei.

- Fort Zapandy (1869-1871)
- Fort Vostochny (1871-1889)


Festung Koblenz

- Land: Deutschland:
- Ortschaft: Koblenz

Anfang des 19. Jahrhunderts: Die napoleonischen Kriege sind vorbei. In Europa soll nun endlich wieder Frieden herrschen und während des Wiener Kongresses 1814/15 einigten sich die Fürsten- und Königshäuser in Europa auf eine neue Ordnung. Einer der Gewinner war das Königreich Preußen, denn ihm wurden unter anderem weite Landstriche im heutigen Westdeutschland zugesprochen. Dazu gehörten etliche linksrheinische Gebiete - auch die strategisch wichtige Stadt Koblenz, wo die Mosel und der Rhein zusammenfließen, was damals die Verkehrsader schlachthin war.

Weitere Informationen zur
Festung Koblenz.

Festung Posen

Land: Polen
Ortschaft: Poznań

Poznań (ehemals Posen) ist heute mit seinen mehr als 500.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Polens. Die an der Warthe liegende Stadt war während ihrer preußischen Zeit ab 1783 die Hauptstadt der Provinz Posen, dessen Ostgrenze gleichzeitig die preußisch-russische Grenze darstellte. Im Fall eines russischen Angriffs und dem Vormarsch russischer Truppen nach Berlin, stellte Posen das erste Bollwerk dar, welches es in dieser Region zu überwinden galt.

Preußische Festungen rund um Posen (Poznań, Polen)

Preußische Festungen rund um Posen - 19. Jahrhundert

Weitere Informationen zur
Festung Posen.

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