Wissenswertes über Polygonal-Befestigungen

Festungen, die als Polygon angelegt wurden, haben die Form eine Vielecks - umgeben von einem tiefen Graben und geschützt durch die Festungsartillerie. Im Regelfall standen Polygonal-Befestigungen nicht für sich allein, sondern es wurden ringförmig mehrere vorgeschobene, eigenständige Werke ringförmig um den zu schützenden Ort herum erreichtet (Gürtelfestung).

Der Begriff des Polygonalsystems wurde bereits im 18. Jahrhundert unter anderem vom französischen Ingenieur für Waffentechnik und Festungsbau Marquis de Montalembert (1714-1800) eingeführt. Preußische Festungen wiederum, die König Friedrich II. (auch der Alte Fritz genannt, 1712-1786) kann man als Vorläufer dieses Festungstyps ansehen. Seinen endgültigen Durchbruch als neuer Standard im Festungsbau erlangten Polygonal-Befestigungen in Preußen bzw. dem Deutschen Bund in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist noch heute der Befestigungsring rund um Köln - bestehend aus einer Vielzahl polygonaler Festungen.

Im Gegensatz dazu wendeten sich französische Festungsbauingenieure erst in den 1870er-Jahren den Polygonal-Befestigungen zu. Bis dahin setzten sie weiter auf bastionäre Festungen, die im Grundsatz auf die Konzepte von Sébastien Vauban zurückgingen. Erst nach Ende des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 bzw. während des Neubaus der Barrière de Fer kamen in Frankreich solche Festungen zum Einsatz.

Die neupreußische bzw. neudeutsche Befestigungsmanier des 19. Jahrhunderts

Wie bereits erwähnt: Die Ursprünge des von Preußen bzw. dem Deutschen Bund seit Anfang des 19. Jahrhunderts bevorzugten Polygonal-Systems beim Bau neuer Festungen gehen u.a. zurück auf die Überlegungen von Marc-René Montalembert, der bereits 1800 verstarb. Er beschrieb die Idee, bei Bau neuer Festungen möglichst auf einspringende Winkel zu verzichten, so dass eine Befestigungsanlage in Form eines Vielecks (eines Polygons) entsteht. Seine Konzepte avancierten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Preußen bzw. dem Deutschen Bund zum Standard beim Bau neuer Festungen. Das erklärt auch den Umstand, warum man in dem Zusammenhang gelegentlich von der neupreußischen oder neudeutschen Befestigungsmanier spricht. Doch selbst im jungen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. setzte man auch nach 1871 auf Polygonal-Befestigungen.

Da in dieser Zeit der Bedarf an neuen Festungen zum Schutz strategisch wichtiger Städte groß war, begann Hans Alexis Biehler (1818-1886) die Baupläne zu standardisieren, um Baukosten zu sparen. Die von ihm entwickelte Festung wird heute als Biehlersches Einheitsfort (auch Schemafort) bezeichnet. Solche Forts wurden dann ab 1873 in großer Anzahl im Deutschen Reich gebaut: Die Festungsgürtel rund um Köln, Straßburg, Posen, Thorn, Königsberg und Ingolstadt (Bauherr: Deutsche Bund) wurden komplett aus Schemaforts errichtet. Weitere Forts entstanden bei Metz (siehe Fort Manstein), Küstrin, Spandau, UIm, Mains und Magdeburg. Alles in allem wurden bis zu 70 solcher Schemaforts erreichtet.

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