Wettlauf zwischen Artillerie und Festungsbau im 19. Jahrhundert

In den 1880er-Jahren wurden sog. Brisanzgranaten entwickelt - torpedo-ähnliche Geschosse, die mit Explosivmaterial statt Schwarzpulver gefüllt wurden. Ihre Sprengkraft übertraf die herkömmlicher Geschosse um ein Vielfaches. Gleichzeitig entwickelte die Fried. Kupp Kanonen mit Rohren aus gezogenem Stahl, mit denen größere Kaliber möglich waren. All das führte dazu, dass Festungen - selbst die, die just erbaut wurden - auf einen Schlag als veraltet galten. Sie hätten einem solchen Beschuss nicht widerstehen können.

Als Panzerfestungen - im deutschen Kaiserreich nannte man sie "Feste" - bezeichneten man einen neuen Festungstyp, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde.

Impuls dafür war die immer stärker gewordene Artillerie und die enorme Zerstörungskraft neuer Sprenggranaten, die in den 1880er-Jahren entwickelt wurden. Beides machte es notwendig, die Festungsartillerie, die den Fernkampf zu führen hatte und die Hauptbewaffnung der Festungswerke darstellte, besonders zu schützen. Man entwickelte neue Panzertürme aus Stahl. Darüber hinaus wurden bauliche Veränderungen vorgenommen, indem man das Profil neuer Festungen versuchte so niedrig wie möglich zu halten. Armierter Beton wurde als Baumaterial zum Standard und man setzte (seinerzeit) moderne Kommunikationstechnik ein.

Deutschland

Deutschland trieb dabei die Entwicklung eines neuen Festungstyps besonders voran und errichtete zwischen 1888 und 1893 bei Thorn (Torun, Polen) die erste Panzerfortifikation - Feste König Wilhelm I., heute Fort Sobieski). Kurz darauf folge bei Straßburg eine weitere Festung, bei der man die Konzepte aufgriff und weiter ausreifen ließ - Feste Kaiser Wilhelm II. (heute Fort Mutzig).

Dann ging es Schlag auf Schlag: Das deutsche Kaiserreich musste die nach Ende des Deutsch-französischen Kriegs 1870/71 annektierten Regionen Elsass-Lothringen militärisch sichern, was mit dem Bau etlicher Festungen rund um Metz und Thionville verbunden war. Also entstanden dort weitere Panzerfestungen, bei denen das Konzept immer weiter ausreifte (Feste Kaiserin, Feste Kronprinz, Feste Wagner). Aber Deutschland war nicht die einzige Nation, die seine Grenzen mittels moderner Festungen sicherte.

Frankreich

Frankreich steckte mitten im Bau der Barriére de Fer nahe der damaligen deutsch-französischen Grenze, Österreich-Ungarn wollte seine Gebietsansprüche in Südtirol mittels neuer Festungen zementieren und Italien wiederum wollte sich für einen erwarteten Krieg mit Österreich-Ungarn in Venetien wappnen. Alle Festungen, die seit beginn der 1890er-Jahre errichtet wurden griffen grundlegende Ideen moderner Panzerfortifikationen auf.

Wie bereits gesagt: Es ging dabei nicht nur um den Schutz der Festungsartillerie durch Panzertürme aus Stahl, sondern insbesondere auch um die Widerstandsfähigkeit der Festung selbst. In dem Zusammenhang brachte Julius Meyer in seinem Buch "Metz durch Panzerfronten verteidigen" gut auf den Punkt, was damals alle Festungsbauingenieure bewegte:

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