Kuk-Festungen im Trentino und Südtirol

Österreich-Ungarn und das Königreich Italien

Karte von Norditalien

Das war eine verzwickte Situation: Offiziell waren die Monarchien Österreich-Ungarns und Italien im 19. Jahrhundert und dem beginnenden 20. Jahrhundert miteinander verbündet. Sie bildeten zusammen mit dem deutschen Kaiserreich den sogenannten Dreierbund. Doch Österreich-Ungarn traute seinem südlichen Nachbarn nicht. Dazu gab es auch ausreichend Anlass: Die Donau-Monarchie beanspruchte weite Landstriche die eigentlich italienisch waren und denen auch weitgehend Italienisch gesprochen wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten unter anderem die Lombardei, das Trentino, Südtirol und große Teile Venetiens zu Österreich. Die Lombardei und Venetien wiederum musste man als Folge der Unabhängigkeitskriege an Italien abtreten, was das Misstrauen seitens der K.u.k.-Monarchie weiter steigerte.

Um sein Einflussgebiet angemessen militärisch sicher zu können, begann Österreich-Ungarn ab 1860 seine südliche Staatsgrenze durch etliche Festungen und Pass-Sperren zu sichern. In den 1870er-Jahren entstanden beispielsweise zwischen dem Gardasee und der Schweizer Grenze etliche neue Festungswerke. Sie bestanden meist aus einem mächtigen, mehrere Geschosse aufragenden Block aus Natursteinmauerwerk, in dem die Geschütze hinter Mauerscharten standen.

Kriegsschauplatz Tirol

Grenzverlauf Österreich-Ungarn / Italien bis Ende 1918

Quelle: Die Kämpfe in den Felsen der Tofana, Autor: Guido Burtscher, Verlag: J.N. Teutsch, 1935 (Seite 16a)

Gegen Ende des Jahrhunderts weitere man die Bautätigkeiten aus. Jetzt stand die Region nordwestlich vom Gardasee im Fokus. Es galt, die Pässe in den Dolomiten und Brentatals zu sichern. Die hier errichteten Festungen waren im Regelfall kompakte Einzelwerke, in denen Bewaffnung und Unterkünftig in einem Block vereint waren. Als Baumaterial verwendete man nun bereits Beton, den man äußerlich häufig mit Granitblöcken verkleidete. Auch die Bewaffnung dieser Festungen war auf der Höhe der Zeit: Viele Werke wurden mit „Artillerie unter Stahl“ ausgestattet. Dabei kamen beispielsweise 15-cm-Panzermörser mit einer drehbaren Panzerkuppel zum Einsatz. Zahlreiche Maschinengewehre ermöglichten die Verteidigung der Anlagen auf kurzer Distanz. Die letzten dieser Werke wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt – kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Obwohl die früh errichteten Festungsanlagen maßlos veraltet waren und moderne Artillerie sie hätte in kurzer Zeit in Trümmer schießen können, modernisierte Österreich nur wenige von ihnen. Man setzte auf die verbliebene Kampfkraft der Werke im unzugänglichen gebirgigen Gelände und spekulierte darauf, dass der Gegner seine Artillerie just wegen der schwierigen geografischen Gegebenheiten nicht nah genug an die eigenen Festungen heranführen könnte.

Festung Sebastiano - Beispiel einer moderne Panzerfestungen von Österreich-Ungarn

Werk Sebastiano

Festung Sebastiano
Erbaut von Österreich-Ungarn ab 1909

Quelle der Ursprungszeichnung:
Sonderdruck aus den "Militärwissenschaftlichen Mitteilungen", Ergänzungsheft 10 zum Werke "Österreich-Ungarns letzter Krieg": Die Reichsbefestigungen Österreich-Ungarns zur Zeit Conrad von Hötzendorf - Wien - 1937

In den 1990er-Jahren wurde der Festungsbau in ganz Europa auf den Kopf gestellt: Durch die Einführung moderner Spreng- bzw. Brisanzgranaten galten auf einen Schlag alle bisher errichteten Festungen veraltet. Man mauerte sie aus Ziegel- oder Bruchsteinen und platzierte die Festungsartillerie ungeschützt unter freiem Himmel. Ein Beschuss mittels dieser neuen Granaten hätte zu enormen Zerstörungen geführt. Einen eindrucksvollen Beleg dafür dokumentierte die Deutsche Wehrmacht gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs bei ihrem Beschuss belgischer Festungen (siehe: Denkschrift über die Beschießung der Festungen Lüttich, Namur, und Antwerpen - externer Link zum Dokument).

Als Antwort darauf entwickelten u.a. Deutschland und Österreich-Ungarn moderne Panzerfestungen. Ihre Konzepte unterschieden sich allerdings wesentlich voneinander:

Die Deutschen entschieden sich für eine aufgelöste Bauweise. Ihre Festungen erstreckten sich mit Einführung des neuen Konzepts über eine größere Fläche als zuvor. Das ergab sich, weil man die einzelnen Infanterie- und Artilleriewerke voneinander trennte, um sie unter Ausnutzung natürlicher Gegebenheiten im Gelände zu verteilen. Eine solche Festung bestand meist auch aus mehreren Artilleriewerken, die entweder mit mehreren 15-cm-Panzerhaubitzen oder 10-cm-Turmkanonen unter Panzer versehen wurden. Die einzelnen Werke der Festungen lagen nicht selten hunderte Meter auseinander. Sie wurden mittels unterirdischer Hohlgänge miteinander verbunden. Wollte ein Angreifer die Festung niederringen, musste er sein Feuer also auf mehrere Ziele gleichzeitig ausrichten, wobei diese wegen der niedrigen Bauweise, der Tarnung und durch die Ausnutzung des Geländes vor Ort schwer auszumachen waren. Die Festung insgesamt war häufig von einem Graben umgeben, den man mittels Grabenstreichen sicherte. Und es gab weitläufige Stacheldrahtverhaue - nicht nur um die Festung herum, sondern auch innerhalb der Festung zwischen den einzelnen Infanterie- und Artilleriewerken. Gute Beispiele deutscher Panzerfestungen sind die Feste Kaiserin, Feste Kronprinz, etc..

Österreich-Ungarn entschied sich für einen anderen Weg, was maßgeblich von den Gegebenheiten im Gebirge geprägt war. Dort ließen sich keine weitläufigen Festungswerke errichten. Sie waren also kleiner und kompakter. Artillerie und die Unterkünfte der Mannschaften standen relativ dicht beieinander. Sie wurden umgeben von einem tiefen Fragen, der über Grabenstreichen verfügte. Die Augen der Festung waren die gepanzerten und drehbaren Beobachter. Zur Nahverteidigung installierte man mehrere Maschinengewehre - ebenfalls installiert in Panzerkuppeln. Als Hauptbewaffnung kamen mehrere Haubitzen zum Einsatz - installiert in drehbaren Panzertürmen.

Schwierige Passagen bzw. unübersichtliches Gelände wurde durch mehrere solcher Festungswerke und/oder kleineren Zwischenwerken gesichert. Die Sperre Lavarone-Folgaria ist ein gute Beispiel dafür.

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