Burgen und Festungen
in Deutschland

Ein Verteidigungsheer ohne Festungen
hat hundert verwundbare Stellen,
es ist ein Körper ohne Harnisch.

Carl von Clausewitz
1780 - 1831

Burgen und Festungen in Deutschland

Deutschland gilt als das Land mittelalterlicher Festungen. Zehntausende von ihnen gibt oder gab es hier. Viele von ihnen sind noch heute schön anzusehen - eindrucksvolle Wehrbauten aus dem Mittelalter, die zum Teil sehr aufwendig restauriert wurden. Es sind Publikumsmagneten, man kann auf ihnen wilde Abenteuerspiele realisieren oder romantische Hochzeiten feiern. Ganz nach Belieben. Bei den Festungen sieht es schon etwas anders aus. Viele von ihnen gibt es nicht mehr. Etliche mussten nach dem Ersten Weltkrieg geschleift werden. Das bedeutet nichts anderes als das Abtragen der Festungen. Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Burg und einer Festung? Es ist schnell erklärt:

Burgen in Deutschland:

Unter einer Burg versteht man meist mittelalterliche Verteidigungsanlagen. Sie wurden an strategisch günstigen und leicht zu verteidigenden Orten errichtet. In Deutschland waren das meist sogenannte Höhenburgen, weil man sie auf dem Rücken eines Berges oder seinen Ausläufern in die Täler hinein baute. Sie hatten mehrere Funktionen: Symbol des Herrschaftsanspruches meist adliger Familien, Wohnsicht, Ort der Verwaltung und Verteidigungsbollwerk - alle Funktionen in einem Bauwerk zusammengefasst. Zentrale Stelle einer Burg war immer der sogenannte Burgfried. Das ist ein hoher Turm mit besonders dickem Mauerwerk. Er war Wohnstätte der Adelsfamilie und letzte Rückzugsmöglichkeit im Fall einer Einnahme der Burg.

Mit dem Aufkommen erster Feuerwaffen im 14. Jahrhundert verloren Burgen nach und nach ihre Verteidigungszwecke, was ihren Niedergang einleitete. Die hohen, häufig aus Stein gefertigten Burgmauern waren einem Beschuss mit Kanonen nicht gewachsen. Sie boten viel zu viel Angriffsfläche. Das war der Anfang ihres Niedergangs. Eine Stilblüte der Geschichte ist, dass es eine Renaissance der Burgen im beginnenden 19. Jahrhundert gab. Extravagante Bauherren ließen sich "idealtypische Ritterburgen" errichten - mehr als Lust- als Verteidigungsbau gedacht. Das zauberhafte Schloss Neuschwanstein - errichtet vom bayerischen König Ludwig II. ist ein gutes Beispiel dafür.

Weitere Informationen:

- Burgen in Deutschland - KMZ-Datei | Burgendatenbank (externer Download)
- Liste von Burgen und Schlössern in Deutschland (Wikipedia)
- Die 16 schönsten Burgen in Deutschland (externer Link)

Festungen in Deutschland:

Der Begriff der Festung im heutigen Sinn wurde erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts geprägt und geht auf das altdeutsche Wort "Veste" zurück. Zentraler Unterschied zu einer Burg ist, dass die Festung ausschließlich militärischen Zwecken dienste und nicht gleichzeitig der eigentliche Wohnsitz einer Adelsfamilie war. Die Errichtung von Festungen geht in gewisser Weise mit dem Aufkommen sogenannter "stehender Heere" einher. Das war ebenfalls im 16. Jahrhundert. Als stehendes Heer wird - im Gegensatz zu den nach Bedarf aufgestellten Truppen - ein dauerhaft unter Waffen stehendes und jederzeit einsatzbereites Militär bezeichnet.

Festungen wurden natürlich (wie Burgen auch) an strategisch wichtigen Orten errichtet. Ihre Funktion war dabei nur anders. Mit ihnen sicherte man wichtige Landmarken oder sicherte wichtige Verkehrswege bzw. -knotenpunkte. Sie dienten dem Militär auch als Truppenunterkunft und Ausbildungsstätte, waren Lagerraum für Waffen und Gerät.

Da zu dieser Zeit Kanonen in der Kriegsführung ein fester Bestandteil waren, war es wichtig, dass man von ihnen aus das umliegende Gelände "bestreichen" konnte.

Konsequenterweise mussten Festungen ständig verändert und dem Stand der Waffentechnik angepasst werden. Erhöhte sich beispielsweise die Reichweite der Kanonen, hatte das bauliche Maßnahmen im Vorfeld der Festung zu Folge. Es galt zu verhindern, dass angreifende Truppen so nach an die Festung heranreichen konnten, um diese mit ihren Kanonen direkt beschießen zu können. Besonders tiefgreifend waren die Umbrüche im Festungsbau gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Aufkommen moderner Geschütze mit gezogenem Lauf und den Spreng- bzw. Brisanzgranaten.

Festung


Festungen in Deutschland ab dem 18. Jahrhundert

Friedrich der Große - König Friedrich II von Preußen

Historische Postkarte:
König Friedrich II. | Friedrich der Große

Bastionäre Festungen galten über Jahrhunderte hinweg als das Nonplusultra des damaligen Festungsbaus, denn sie boten geeignete Lösungen für das zuvor geschilderte Problem. Und zweifellos gilt noch heute der französische Festungsbaumeister Sébastien Vauban als der Baumeister bastionärer Festungen schlechthin. Seine Ideen prägten über Jahrhunderte den Festungsbau - auch in Deutschland. Letzteres ändert sich im Verlauf des 18. Jahrhunderts - wenigstens in Deutschland.

Während man in Frankreich seinerzeit weiterhin am bastionären Festungsbau festhielt, entwickelte sich unter Friedrich II. (auch Friedrich der Große - volkstümlich auch der "Alte Fritz" genannt | 1712-1786) neue Konzepte. Festungsbaumeister seines Vertrauens war Gerhard Conelius von Walrave, der die sogenannte altpreußische Befestigungsmanier entwickelte. Sie war geprägt davon, dass die Werke das Gelände besser angepasst waren, weil man auf die strenge (und damit den Architekten einengende) Symmetrie typischer Vauban-Festungen verzichtete. Seine Werke waren auch deutlich kompakter (und damit kostengünstiger) als klassische Vauban-Festungen, da man unter anderem auf die verschiedenen Vorwerke des Bastionärsystems verzichtete. Außerdem führt er die ersten gedeckten (also gesondert geschützten) Batterien ein.

Im 19. Jahrhundert gab es nochmals einen Entwicklungsschub. Man gab (in Deutschland) das Bastionärsystem endgültig auf und entwickelte die Prinzipien jüngerer preußischer Festungen konsequent weiter. Das Ergebnis bezeichnet man heute als neupreußische Befestigungsmanier. In dieser Zeit blühte außerdem der Festungsbau auch regelrecht auf, was politische Gründe hatte. Denn die Durchsetzung der europäischen Friedensordnung als Folge des Wiener Kongresses von 1814/15 veranlasste die Großmächte (also auch Preußen), sich einer Defensivkriegsstrategie zuzuwenden und in den Ausbau von Festungswerken zu investieren. Insofern ließ König Friedrich Wilhelm II. in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Städte wie Koblenz, Minden und Köln mit großen Festungsanlagen beziehungsweise umfangreichen Festungsgürteln schützen. Weitere Werke entstanden beispielsweise in Ulm, Ingolstadt, Rastatt, Torgau, Magdeburg, Wittenberg oder Königsberg.

Ab 1873 kam dabei meist das sogenannte Biehlersche Einheitsfort zum Einsatz (Köln, Straßburg, Königsberg, Ingolstadt etc.). Dabei handelte es sich um ein vordefiniertes Bauschema einer modernen Festung, welche maximal örtliche Gegebenheit angepasst wurde. Ansonsten gleichen sich die Biehler-Fort hinsichtlich Grundriss und Aufbau sehr stark.

Als "Hochzeit des modernen Festungsbaus" in Deutschland könnte man die Zeit nach 1871 bezeichnen. Der Deutsch-französische Krieg ging für Frankreich verloren und Deutschland annektierte die französischen Regionen Elsass-Lothringen. Natürlich wollte man diese "Errungenschaften" sichern und investierte in wuchtige Festungsringe rund um Straßburg, Metz und Thionville. Im Gegensatz zu Festungen in Deutschland (die größtenteils geschleift werden mussten), sind diese Bollwerke heute noch vorhanden und schlummern teilweise ungenutzt (und im alten Zustand) in den Wäldern der Region.

Weitere Informationen:

- Geschichte des Festungsbaus (interner Link).
- Deutsche Festungen rund um Metz (interner Link).
- Deutsche Festungen in Elsass-Lothringen (interner Link).

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Festungen in Deutschland

Laß ruhn die Todten.

Es ragt ein altes Gemäuer hervor aus Waldesnacht,
Wohl standen Klöster und Burgen einst dort in herrlicher Pracht.

Es liegen im kühlen Grunde behauene Steine gereiht:
Dort schlummern die Frommen, die Starken, die Mächt'gen der alten Zeit.

Was kommst du bei nächtlicher Weile durchwühlen das alte Gestein?
Und förderst herauf aus den Gräbern – Nur Staub und Todtengebein!

Unmächtiger Sohn der Stunde, das ist der Zeiten Lauf.
Laß ruhn, laß ruhn die Todten, Du weckst sie mit Klagen nicht auf.

Adelbert von Chamisso
1781 - 1838

Burgen und wehrhafte Schlösser in Deutschland

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