Festungen in Deutschland
erreichtet vor dem Ersten Weltkrieg



Ein Verteidigungsheer ohne Festungen
hat hundert verwundbare Stellen,
es ist ein Körper ohne Harnisch.

Carl von Clausewitz
1780 - 1831



Festungen in Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts


Während der napoleonischen Feldzüge gegen Preußen hatten Festungen selten eine kriegsentscheidende Bedeutung. Die Entscheidungen wurden bei offenen Feldschlachten gesucht. Das war Anfang des 19. Jahrhunderts. Dennoch waren Festungen alles andere als nutzlos, denn mit ihnen konnte man wichtige Verkehrsknotenpunkte sichern oder wertvolle Depots anlegen.

Historische Karte französischer Festungen
Quelle: Brockhaus Konversationslexikon
Ausgabe 14 von 1891 - 1895 | Leipzig

Im 18. Jahrhundert wurde der Festungsbau in Deutschland im Wesentlichen noch durch den französischen Festungsbaumeister Sébastien Vauban und seine Schule geprägt. Man setzte auf bastionäre Befestigungsanlagen. Unter Friedrich II. (auch Friedrich der Große - volkstümlich auch der "Alte Fritz" genannt | 1712-1786) änderte sich das. Der von ihm präferierte Festungsbaumeister Gerhard Cornelius von Walrave entwickelte nach und nach die sogenannte altpreußische Befestigungsweise. Sie war geprägt davon, dass die Werke das Gelände besser angepasst waren, weil man auf die strenge (und damit den Architekten einengende) Symmetrie typischer Vauban-Festungen verzichtete. Seine Werke waren auch deutlich kompakter (und damit kostengünstiger) als klassische Vauban-Festungen, da man unter anderem auf die verschiedenen Vorwerke des Bastionärsystems verzichtete. Außerdem führt er die ersten gedeckten (also gesondert geschützten) Batterien ein.

Im 19. Jahrhundert gab es nochmals einen Entwicklungsschub. Man gab das Bastionärsystem endgültig auf und entwickelte die Prinzipien jüngerer preußischer Festungen konsequent weiter. Das Ergebnis bezeichnet man heute als neupreußische Befestigungsmanier. In dieser Zeit blühte außerdem der Festungsbau auch regelrecht auf, was politische Gründe hatte. Denn die Durchsetzung der europäischen Friedensordnung als Folge des Wiener Kongresses von 1814/15 veranlasste die Großmächte (also auch Preußen), sich einer Defensivkriegsstrategie zuzuwenden und in den Ausbau von Festungswerken zu investieren. Insofern ließ König Friedrich Wilhelm II. in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Städte wie Koblenz, Minden und Köln mit großen Festungsanlagen beziehungsweise umfangreichen Festungsgürteln schützen. Weitere Werke entstanden beispielsweise in Ulm, Ingolstadt, Rastatt, Torgau, Magdeburg, Wittenberg oder Königsberg.

Ab 1873 kam dabei meist das sogenannte Biehlersche Einheitsfort zum Einsatz (Köln, Straßburg, Königsberg, Ingolstadt etc.). Dabei handelte es sich um ein vordefiniertes Bauschema einer modernen Festung, welche maximal örtliche Gegebenheit angepasst wurde. Ansonsten gleichen sich die Biehler-Fort hinsichtlich Grundriss und Aufbau sehr stark.


Deutsche Festungen aus früheren Jahrhunderten

Festungen in Deutschland

Festung Wülzburg

Die Festung Wülzburg in Bayern war für mich bisher die eindrucksvollste Festungsanlage, die ich besuchte. Die Wehranlage ist in einem hervorragenden Zustand und man kann sehr gut die Verteidigungsanlagen studieren. Das ist ganz einfach: Man muss nur einen Rundgang um die Festung machen und kann sich dabei alles ansehen. Wirklich interessant.

Festung Lichtenau

Zweifelsfrei ist die ehemalige Festung Lichtenau architektonisch ein Höhepunkt. Außerdem ist positiv anzumerken, dass die Anlage komplett zugänglich ist. Man kann sich jede Ecke der Festung ansehen - sofern man sich auf die Außenanlagen konzentriert.

Festung Rosenberg

Wer sich einmal die Geschichte des Festungsbaus über mehrere Generationen hinweg ansehen möchte,, sollte unbedingt die Festung Rosenberg besuchen. Sie besteht eigentlich aus mehreren Festungsanlagen, die einander umschließend errichtet wurden. Leider darf man sich ohne an einer Führung teilzunehmen nur einen kleinen Teil der riesigen Festungsanlage ansehen.

Festung Cadolzburg

Die Geschichte der Festung Cadolzburg reicht bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts zurück - jedenfalls die urkundlich dokumentierte. Und die ältesten Teile der Burg, die man heute als Museum besichtigen kann, sind aus dieser Zeit auch noch tatsächlich erhalten. Erbaut wurde die Festung von dem Burggrafen von Nürnberg, der zum Geschlecht der Zollern gehörte. Wir kennen sie heute eher unter dem Namen Hohenzollern, den sich die Familie später zulegte.

Festung Altenburg

Heute ist diese mittelalterlich anmutende und herrlich herausgeputzte Festung ein beliebtes Freizeitziel. Ich besuchte sie im Sommer und war umgeben von schaulustigen Besuchern oder Wanderern, die in der Burg-Gaststätte eine kurze Rast machten.

FESTUNGEN RUND UM KOBLENZ

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Koblenz für Deutschland ein strategisch wichtiger Ort. Der Zusammenfluss von Rhein und Mosel sollte durch etliche Festungsanlagen auf allen Uferseiten geschützt werden. Viel ist von diesen Festungen nicht mehr vorhanden, weil sie nach Ende des Ersten Weltkriegs geschleift werden mussten. Einmal abgesehen vom der Festung Ehrenbreitstein und dem Fort Asterstein sieht man von den übrigen Wehranlagen nur noch Fragmente.



Wissenswert.

GESCHICHTE: FESTUNGSBAU

Ich gab mir Mühe und versuchte die Geschichte des Festungsbaus mit wenigen Worten zusammenzufassen. Dabei konzentriere ich mich auf die preußischen Festungen Ende des 19. Jahrhunderts.

KMZ-DOWNLOAD

Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen Festungen rund um Metz erfahren möchtest, lade Dir die KMZ für Google Earth herunter. Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.

DOKU: ERSTER WELTKRIEG

Ich habe auch eine eigene Dokumentation über den
Ersten Weltkrieg erstellt. Meiner Ansicht nach
ist diese wichtig, um Inhalte der Homepage geschichtlich
entsprechend und richtig einzuordnen.

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