Die Front zwischen Österreich-Ungarn
und Italien in Tirol und Norditalien
1914 - 1918

Festungen der k.u.k.-Monarchie
von Österreich-Ungarn
gegen 1915 in Norditalien.



An allem Unfug, der passiert,
sind nicht etwa nur die schuld,
die ihn tun, sondern auch die,
die ihn nicht verhindern.

Erich Kästner
1899 - 1874

Festungen von Österreich-Ungarn in Norditalien

Alpenkrieg 1915-1918 aus Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg

Quelle: Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg, Wien 1934
(ausführliche Quelle - siehe weitere Karten - Ende dieser Site)
Historische Kriegskarte | Frontverlauf 1914 - 1918 | Kriegsschauplätze der Südwestfront | Festungen in der Provinz Trient

Das war eine verzwickte Situation: Offiziell waren die Monarchien Österreich-Ungarns und Italien im 19. Jahrhundert und dem beginnenden 20. Jahrhundert miteinander verbündet. Sie bildeten zusammen mit dem deutschen Kaiserreich den sogenannten Dreierbund. Doch Österreich-Ungarn traute seinem südlichen Nachbarn nicht. Dazu gab es auch ausreichend Anlass:

Die Donau-Monarchie beanspruchte weite Landstriche die eigentlich italienisch waren und denen auch weitgehend Italienisch gesprochen wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten unter anderem die Lombardei, Südtirol und große Teile Venetiens zu Österreich. Die Lombardei wiederum musste man 1859 an Italien abtreten, was das Misstrauen seitens der k.u.k.-Monarchie weiter steigerte.

Um sein Einflussgebiet angemessen militärisch sicher zu können, begann Österreich-Ungarn ab 1860 seine südliche Staatsgrenze durch etliche Festungen und Pass-Sperren zu sichern.

In den 1870er-Jahren entstanden beispielsweise zwischen dem Gardasee und der Schweizer Grenze etliche neue Festungswerke. Sie bestanden meist aus einem mächtigen, mehrere Geschosse aufragenden Block aus Natursteinmauerwerk, in dem die Geschütze hinter Mauerscharten standen.

Gegen Ende des Jahrhunderts weitere man die Bautätigkeiten aus. Jetzt stand die Region nordwestlich vom Gardasee im Fokus. Es galt, die Pässe in den Dolomiten und Brentatals zu sichern. Die hier errichteten Festungen waren im Regelfall kompakte Einzelwerke, in denen Bewaffnung und Unterkünftig in einem Block vereint waren. Als Baumaterial verwendete man nun bereits Beton, den man äußerlich häufig mit Granitblöcken verkleidete. Auch die Bewaffnung dieser Festungen war auf der Höhe der Zeit: Viele Werke wurden mit „Artillerie unter Stahl“ ausgestattet. Dabei kamen beispielsweise 15-cm-Panzermörser mit einer drehbaren Panzerkuppel zum Einsatz. Zahlreiche Maschinengewehre ermöglichten die Verteidigung der Anlagen auf kurzer Distanz. Die letzten dieser Werke wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt – kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Obwohl die früh errichteten Festungsanlagen maßlos veraltet waren und moderne Artillerie sie hätte in kurzer Zeit in Trümmer schießen können, modernisierte Österreich nur wenige von ihnen. Man setzte auf die verbliebene Kampfkraft der Werke im unzugänglichen gebirgigen Gelände und spekulierte darauf, dass der Gegner seine Artillerie just wegen der schwierigen geografischen Gegebenheiten nicht nah genug an die eigenen Festungen heranführen könnte.


Der Gebirgskrieg 1915-1918 zwischen Österreich-Ungarn und Italien

Erster Weltkrieg - Gefangene Italiener auf dem Weg zu einer Sammelstelle

Quelle: Der Weltkrieg im Bild | Autor: George Soldan | Ausgabe 1928
Weitere Informationen: Erster Weltkrieg

1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, blieb Italien zunächst neutral, obwohl es seit 1882 Mitglied des bereits erwähnten Dreierbundes mit Österreich-Ungarn und dem deutschen Kaiserreich war. Tiroler Einheiten wurden vielmehr an der Ostfront eingesetzt - vor allem in Galizien. Im Frühjahr 1915 offenbarte dann Italien seine wahren Interessen. Getrieben von eigenen territorialen Interessen und dem Wunsch, ehemals italienisches Staatsgebiet wieder zurückzugewinnen, schloss sich das italienische Königshaus der Ententmächte an und erklärte am 23. Mai 1915 Österreich-Ungarn den Krieg. Der Kriegseintritt Italien erfolgte, obwohl das Kaiserreich Österreich-Ungarn inzwischen bereit war, den Trentino wieder an den südlichen Nachbarn abzutreten. Im Gegenzug sollte das Land allerdings weiterhin neutral bleiben. Im Gegensatz dazu bot Großbritannien für ein Bündnis mit der Entente der italienischen Krone deutlich mehr und erfüllte 1915 praktisch alle Wünsche - insbesondere dem nach der Rückgabe ganz Südtirols an Italien.

Aus der Sicht der Waffenbrüder Österreich-Ungarn und Deutschland war das ein katastrophaler Wendepunkt im Ersten Weltkrieg. Das Kräfteverhältnis wurde massiv verschoben und Österreich-Ungarn war damit – wie bereits das deutsche Kaiserreich – ebenfalls in einen Zweifrontenkrieg verwickelt. Im Osten stand man starken russischen Verbänden gegenüber und im Süden begann ein blutiger Gebirgskrieg. Die südliche Frontlinie verlief über rund 3.500 Kilometer Luftlinie westlich vom Ortlergebirge (nahe der Schweizer Grenze) nach Süden an Trient vorbei, um in einem Bogen nördlich von Cortina mitten durch die Dolomiten zu führen. Die höchste Stellung der Front lag auf dem Ortler auf 3905 Meter, die tiefsten Gletscherstollen in der Marmolata.

Der Krieg in den Alpen, den Österreich-Ungarn mit Italien in den Jahren 1915 bis 1918 führte, war extrem blutig und verlustreich. Wie an der Westfront entwickelte sich der Gebirgskrieg bald zu einem erbittert geführten Stellungskrieg. Trotz regelmäßiger Vorstöße konnte keine Partei einen nennenswerten Geländegewinn verzeichnen. Im Gegenteil: Mit jedem Vorstoß stieg die Zahl der Toten erheblich und die Auseinandersetzung wurde immer härter. Nach und nach ging man sogar dazu über, Stollen in das Gebirge zu treiben, um ganze Bergrücken zu sprengen. Die Soldaten litten zunehmend unter Krankheiten und (wegen der extrem schlechten Versorgungslage insbesondere unter) Hunger, oft mit tödlichem Ausgang. Durch Lawinen und Steinschlag kamen mehr Menschen ums Leben als durch die direkten Kampfhandlungen. Die Soldaten auf beiden Seiten mussten in den Wintermonaten eine Kälte von bis zu 40 Grad minus ertragen. Temperaturen, die das menschliche Blut gefrieren lassen und die Waffen unbrauchbar machten.



Kriegsschauplätze des Alpenkrieges 1915-1918 zwischen Österreich-Ungarn und Italien

Quelle: K.u.k.-Infanterieregiment Nr. 28 - 1915-1918 | Band II von 1937 | Herausgeber: 27er-Kameradschaftsbünde und des Alpenjägerregiments Feldmarschall Conrad von Hötzendorf Nr. 10, Graz



Historische Karten vom Alpenkrieg 1915-1918

Die Schwarte "Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg" wurde vom Generalmajor d. R. Hugo Schäfer verfasst und erschien 1934 in Wien. Die Sprache dieses Buches ist schon recht gewöhnungsbedürftig und das Gedankengut über Sieg und Niederlage entspringt den Vorstellungen damaliger Zeit. Diese Lektüre ist also unter heutigen Gesichtspunkten "etwas anstrengend". Aber ganz unabhängig davon enthält das Buch auch etliche Karten, die unter anderem die Kriegsschauplätze des Alpenkrieges zwischen 1915 und 1918 zeigen. Sie zeigen recht gut den Grenz- und Frontverlauf zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Zur Erinnerung: Die Grenze reichte seinerzeit weit in das heutige Italien hinein und das Staatsgebiet der K.u.K.-Monarchie reichte bis an den Gardasee.


Quelle: Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg | Verfasser: GM. d. R. Hugo Schäfer | Verlag: Verlag GM. d. R. Franz Schubert | Wien | 1934




Ausgewählte Festungen in Tirol bzw. dem Trentino

Im Gegensatz zu heute war das Militär beim Verlegen seiner Truppenteile auf gut ausgebaute Verkehrswege angewiesen. Das kam den Österreichern bei ihrem Ansinnen, Tirol gegen italienische Angriffe zu schützen, sehr entgegen. Es reichte also, wenn man wichtige Verkehrsadern und Pässe sperrte, um das Hinterland angemessen schützen zu können. Daher errichteten sie entlang der Grenze zu Italien im Verlauf des 19. Jahrhunderts etliche (kleinere) Festungsanlagen, die dieser Aufgabe gerecht wurden. Einige Beispiele:



Festung Trient

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt Trient von der k.u.k.-Monarchie in Wien zu einer regelrechten Festungsstadt ausgebaut. Sie galt lange Zeit als eine der am besten befestigten Städte in Europa und wurde mit der Stadt Metz im damaligen Reichsland Elsass-Lothringen in einem Atemzug genannt. Trient (it. Trento) kam aus sich der österreichisch-ungarischen Militärstrategen eine Schlüsselstellung zu. Sie war der Verkehrsknotenpunkt in Südtirol und somit wichtiger Bestandteil der Sperr- und Festungskette, mit dem die k.u.k.-Monarchie seine Gebietsansprüche in der Region sichern wollte. Immerhin hatte man Jahre zuvor schon die Lombardei und Venetien an Italien abtreten müssen. Also galt es, im Fall eines Angriffs, mittels neu errichteter Festungsanlagen wenigstens Tirol zu sichern bzw. im Fall eines Krieges den Durchbruch der Italiener in das Tiroler Hinterland zu verhindern. Einige Festungen rund um Trient:

  • Festung Monte Calisio

  • Festung Monte Celva

  • Festung Monte Chegul

  • Festung Marzola Massiv

  • Festung Monte Palon

  • Festung Monte Cornetto

  • Haubitzenwerk Busa Granda

  • Werk Colle delle Benne

  • Werk Tenna

Anfangs errichteten die Österreicher eher einzelne Festungswerke zum Schutz der Zufahrswege. Später folgten dann komplexere Werksgruppen. Und im Schritt drei entstand der eigentliche Festungsgürtel rund um die Stadt. Die Festungen Tenna und Colle del Benne beispielsweise lagen weit vor den Toren der Stadt und versperrten anrückenden Truppen den Weg viele Kilometer vor den Toren der Stadt Trient.


Sperre Folgaria-Lavarone

Die Sperre Folgaria-Lavarone befindet sich weiter nordöstlich der Sperre Etsch-Arsa bzw. rund 20 Kilometer südsüdöstlich von Trient (it. Trento). Sie besteht insgesamt aus sieben selbständigen Festungen und bildete ein Kernstück der Strategie zur Verteidigung Tirols durch Österreich-Ungarn zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Diese Festungen waren für die k.u.k.-Monarchie so wichtig, weil sie gut fünfzig Jahre zuvor Venetien an Italien abtreten mussten, wodurch Südtirol und Trentino fortan zur Grenzregion wurden. Militärische Ziele waren, mittels dieser Werke die Hochfläche um die Gemeinden Folgaria und Lavarone gegen eine italienische Offensive zu schützen und gleichzeitig dieses Gebiet als möglichen Bereitstellungsraum für eigene Truppen zu decken.

  • Werk Serrada – errichtet zwischen 1912-1915

  • Zwischenwerk Sommo – errichtet zwischen 1910-1914

  • Werk Gschwent – errichtet zwischen 1909-1912

  • Werk Lusern – errichtet zwischen 1907-1910

  • Werk Verle – errichtet zwischen 1907-1911

  • Posten Vezzena – errichtet zwischen 1907-1912

Fünf der sieben Festungen wurden damals als Einheitsforts mit vergleichbarem Grundriss errichtet. Sie verfügen als Hauptbewaffnung über vier 10-cm-Haubitzen unter Panzerkuppeln. Zur angemessenen Nahverteidigung standen Maschinengewehre und 6-cm-Kanonen zur Verfügung. Im Gegensatz dazu bestand der Posten Vezzena nur aus einem einzelnen (kompakten) Werk und es standen Maschinengewehre bereit.

Gelegentlich wird die Sperre Folgaria-Lavarone auch als Sperrgruppe der Sieben Gemeinden bezeichnet. Dieser Name bezieht sich tatsächlich auf verschiedene Gemeinden in der Region, in denen Deutsch gesprochen wurde, obwohl alle umliegenden Ortschaften italienisch sprachen.

Bei Interesse: Eine der zuvor gezeigten Karten zeigt die Lage und somit auch die Bedeutung dieser Sperrgruppe.


Festung in den Alpen


Landschaftsaufnahme - Alpen - Alpenkrieg zwischen Österreich-Ungarn und Italien 1915-1918

Alpenpanorama - hier fanden zwischen 1915 und 1918 im sogenannten Alpenkrieg die erbitterten Kämpfe zwischen Österreich-Ungarn und Italien statt.

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