Schlacht um Verdun
1916

300 Tage töten und getötet werden.
9 Stunden Trommelfeuer aus 1.250 Geschützen.
50 Millionen Bomben, Minen und Granaten.
5 Kilo Stahlsplitter pro Quadratmeter.
14 Tage Lebenserwartung an der Front.
Über 300.000 Tote und 400.000 Verletzte.

Die Menschheit ist verrückt geworden.
Was für ein Massaker!
Dieser Horror, dieses Gemetzel.
Ich finde keine Worte,
um meine Eindrücke wiederzugeben.
So furchtbar kann nicht einmal die Hölle sein.

Alfred Joubaire
französischer Leutnant
gefallen bei Verdun / 1916

Schlacht von Verdun: Untergang der Menschlichkeit

Erster Weltkrieg - Karte - Schlacht um Verdun

Quelle: Der Weltkrieg. Nach amtlichen Quellen dem Volke und der Jugend erzählt. Von: Ernst Niederhausen. Teil I: Die Kämpfe im Westen, 1917, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Zweigniederlassung Berlin.

1916 - der Erste Weltkriegt tobt bereits seit etlichen Monaten, doch die Fronten im Westen waren erstarrt. Der Stellungskrieg drohte das Deutsche Reich aufzureiben, denn auf lange Sicht hätten die Gegner mehr Menschen und Material in die Schlacht werfen können. Also suchte Deutschland die Entscheidung. Erich von Falkenhyn hoffte, dass er mit einem erfolgreichen Angriff der 5. Armee auf Verdun den Erzfeind Frankreich in die Knie zwingen kann. Den Mythos einer "Blutmühle" formulierte er erst später - nach seiner Absetzung und in gewisser Form als Rechtfertigung seiner unmenschlichen Entscheidung.

Die Schlacht um Verdun war dabei nicht einmal die blutigste Schlacht des Ersten Weltkrieges. Sie ist jedoch die Schlacht, die der Menschheit am nachhaltigsten im Gedächtnis geblieben ist. Sie gilt heute als Sinnbild für Unmenschlichkeit, Grausamkeit und unendliches Leid, was sich Menschen im Krieg gegenseitig antun können. Bei Verdun erlebten und durchlitten die Soldaten bis dahin unbekannte Grausamkeiten. Die neun Stunden Trommelfeuer am 21. Februar 1916 waren dabei nur ein Vorgeschmack. 1.225 Geschütze aller Kaliber feuerten dabei pausenlos mehr als 100.000 Granaten pro Stunden auf die französischen Stellungen. Alles im allem wurden während der 300 Tage andauernden Schlacht mehr als 50 Millionen Bomben und Granaten beider Seiten auf dem Schlachtfeld niederprasseln. Die Lebenserwartung der Frontsoldaten betrug durchschnittlich 14 Tage - wobei die nur für die erfahrensten Männer galt. Tausende blutjunger Männer starben bereits am ersten Tag Ihres Einsatzes. Und wofür das alles? Zuletzt entsprach der Frontverlauf ungefähr dem des Beginns der deutschen Offensive. Einziger Unterschied: Auf dem Schlachtfeld fanden 300.000 Männer den Tot und mehr als 400.000 Soldaten wurden verletzt.

Weitere Informationen: Der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918. [interner Link]
Zahlreiche Bibliotheken haben historische Bücher in ihrem Bestand, die man auch online nutzen kann. Beispiele:
- Das Antlitz von Verdun, Berlin, 1936
- Unsterbliche Landschaft - Kampfraum Verdun, Leipzig, 1935

Wie kam es zur Schlacht von Verdun

Quelle: AnonymousUnknown author, German dispositions, Verdun, 31 March 1916, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons.

Nach anfänglichen Erfolgen deutscher Truppen und den damit verbundenen Raumgewinnen, drehte sich im September 1914 das Kriegsgeschehen. Mit der ersten Schlacht an der Marne (5. bis 12. September 1914) gingen die Franzosen und Engländer endgültig in die Offensive. Doch beide Seiten waren ähnlich stark, so dass niemand einen entscheidenden Vorteil erringen konnte. Die Fronten schienen zu erstarren. Und auf den Schlachtfeldern starben unzählige Menschen in den Schützengräben. Die deutsche Heeresleitung war in großer Not, denn sie brauchte unbedingt einen Veränderung der Lage. Man suchte eine Stelle, um den Franzosen einen entscheidenden Schlag versetzen zu können.

Konkret heißt das in der Logik des Ersten Weltkriegs: Man plante eine Abnutzungsschlacht, damit der Feind ausbluten kann. Als Schlachtfeld gab es eigentlich nicht so viele Alternativen. An der Westfront (auf Höhe Belgien) wurde 1915 intensiv gerungen. Das Eröffnen eines neuen Kriegsschauplatzes in den Vogesen erschien nicht sinnvoll. Also entscheid man sich für die Festungsstadt Verdun.

Die beiliegende Karte zeigt den Verlauf der Front gegen Ende 1915. Man kann gut sehen, dass Verdun bisher "verschont" blieb. Die Front machte einen großen Bogen um die Stadt und die etlichen Festungen (der Barrière de Fer), die sie schützen sollen. Hier muss es sich nun entscheiden hier sollte der Feind ausgeblutet werden. Was für eine wahnwitzige und unmenschliche Idee!

Weitere Informationen: Chronik der Schlacht von Verdun.



Verdun

Metz

Philippe Pétain

Kaiserin

Philippe Pétain
1856 - 1951

Nachdem die Franzosen bei Verdun am 25.2.1916 das Fort Douaumont an die Deutschen verloren hatten,
übergab das französische Oberkommando Général Pétain das Kommando über die französischen Truppen bei Verdun.
Er gilt als Held von Verdun und wird von vielen Franzosen dafür verehrt.


Quelle: Kameraden im Westen - Ein Bericht in 221 Bildern, Societäts-Verlag, Frankfurt am Main, 1930

Die Menschheit ist verrückt geworden. Was für ein Massaker!
Dieser Horror, dieses Gemetzel. Ich finde keine Worte, um meine Eindrücke wiederzugeben.
So furchtbar kann nicht einmal die Hölle sein.

Alfred Joubaire
französischer Leutnant
gefallen bei Verdun / 1916

Lage der Festungen rund um Verdun im Ersten Weltkrieg

Die französische Stadt Verdun an der Maas wurde in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg massiv befestigt. Sie war Bestandteil der neuen Festungslinie Barrière de Fer, die die Franzosen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 durch den Festungsbaumeister Séré de Rivières errichten ließen.

Zunächst wurden rund um die alte Garnisons- und Festungsstadt Verdun einzelne Forts entlang der Maashänge errichtet - alles in allem waren es elf seinerzeit sehr moderne und massiv ausgebaute Festungen auf der rechten und weitere zehn Festungen auf der linken Seite der Maas. Das Fort de Douaumont war die größte und am stärksten befestigte Anlage von ihnen. Ab 1900 wurden weitere Infanteriewerke (frz: Ouvrages) und zahlreiche Batterien zwischen den Fort gebaut, um die Verteidigungsfähigkeit weiter zu verbessern.

Weitere Informationen:
Festungen rund um Verdun.

Französische Festungen rund um Verdun - Frankreich - Erster Weltkrieg


Darstellung des Festungsrings um die Stadt Verdun.
Weitere historische Landkarte ...
klick hier. Externe Link.

Frankreichs Kräfte werden verbluten ...
ob wir ... unser Ziel erreichen oder nicht.

General Falkenhyn
für den deutschen Kaiser Wilhelm II.
25. Dezember 1915

Ills ne passerount pas!

Bei der Schlacht um Verdun konnten in den zehn Monaten des blutigen Kampfes weder die Deutschen noch die Franzosen nennenswerte Geländegewinne verzeichnen. Einige Festungen wechselten wiederholt die Seite ... aber letztlich blieb alles wie es anfangs war. Und dafür mussten Hunderttausende ihr Leben lassen oder waren für ihr kommendes Leben schwer gezeichnet. Allerdings gelang es der französischen Armee, die Deutschen durch den zermürbenden Stellungskrieg davon abzuhalten, in das eigene Hinterland einzudringen. Nicht ohne Grund lautete der Wahlspruch der Franzosen bei Verdun "Ills ne passerount pas!" (Sie kommen nicht durch!). Letztlich rang man um die Festungen, die einen Ring um Verdun bildeten und die Stadt sicherten.



ddd


Chronik der Schlacht von Verdun

Die nachfolgende Chronik gibt einen schnellen Überblick über die Ereignisse der Schlacht um Verdun. Die Karten entnahm ich "Michelin's Illustrated Guides to the Battle-Fields (1914-1918)". Und zwar speziell der Ausgabe von 1919: VERDUN Argonne-Metz (1914-1918) - Michelin & Cie. - London - Ausgabe 1919.


12. Februar 1916

Eigentlich sollte am 12. Februar 196 der Großangriff der 5. Armee unter dem Oberbefehl von Kronprinz Wilhelm beginnen. Der Angriffsplan trägt den Geheimnamen "Operation Gericht". Aber die Wetterverhältnisse am 12. Februar waren schlecht. Die Sichtverhältnisse hätten den effektiven Einsatz der Artillerie verhindert, die damals ja noch "auf Sicht" geschossen hat. Die Artillerie hatte jedoch die Aufgabe, mit intensiven Beschuss den Vorstoß der deutschen Infanterie vorzubereiten. Daher wurde der Angriff verschoben. Die Deutschen nutzten diese Zeit zum weiteren Ausbau ihrer Stellungen.

21. Februar 1916

An diesem Tag beginnt die Schlacht um Verdun. Auftakt war gegen 8:15 Uhr ein Schuss aus dem "Langen Max" von der vor Verdun liegenden Batterie Duzey auf die Stadt Verdun. Danach folgte ein neun Stunden andauerndes Trommelfeuer, dessen Wucht noch in mehreren hundert Kilometern Entfernung gehört werden konnte - so berichteten es jedenfalls Augenzeugen. Die Deutschen brachten dazu mehr als 1.200 Geschütze in Stellung, die zusammen und pro Stunde 100.000 Granaten und Minen verschossen. Ziel des Bombardements war, die in Stellung gebrachten französischen Truppen vollkommen aufzureiben. Nach Abklingen des Trommelfeuers begann die deutsche Infanterie mit ihrem Vormarsch. Im Verlauf dieses und des nächsten Tages konnte sie beträchtliche Raumgewinne machen. Die Truppen nahmen auch verschiedene französische Ortschaften ein (Haumont, Brabant, Samogneux, Ornes und Beaumont) und setzen sich in den umliegenden Wäldern fest.

25. Februar 1916

Für die französischen Truppen war die Lage verzweifelt. Zu Beginn der Verdun-Schlacht konnten sie den Deutschen wenig entgegensetzen. Sie mussten angesichts des massiven Aufgebots von Mensch und Material auf deutscher Seite zurückweichen. Deswegen übernimmt am 25. Februar 1916 General Pétain den Befehl über die 2. Armee und somit die Verantwortung für die Verteidigung von Verdun. Ebenfalls an diesem Tag: Deutsche Truppen gelingt die (glückliche) Einnahme des Forts de Douaumont.

2. März 1916

Das Fort Douaumont war schon seit einigen Tagen in den Händen der Deutschen. Am 2. März 1916 konnten sich dann auch endlich das gleichnamige Dorf einnehmen - unter hohen Verlusten. Eigentlich befand sich das Dorf in unmittelbarer Nähe zur Festung. Es gelang jedoch nicht, diese wenigen Meter angesichts der Gegenwehr der Franzosen zu überwinden. Das Bild ist eine deutsche Luftaufnahme und zeigt das Fort Douaumont, von dem bis auf wenige Trümmersteine nicht mehr übrig geblieben ist. Das Bild entstand etliche Wochen nach der Invasion. Weitere Informationen über das Fort Douaumont und Bilder der Außenanlagen bzw. der Kasematten im Inneren der Festungen findest Du, wenn Du dem Link folgst.

6. März 1916 - Angriff auf die Höhe 304

Am 6. März weitet die deutsche Militärführung den Angriff auf Verdun aus. Sie attackieren die symbolträchtige französische Stadt nicht nur nordöstlich, sondern eröffnen eine zweite Front nordwestlich, weil sich dort Hügelketten befinden, von denen man "freies Schussfeld" auf den Stadtkern und die umliegenden Regionen hätte. Also rückt die Höhe 304 und die Doppelhöhe "Toter Mann" in den Fokus weiterer Kampfhandlungen. Die Deutschen wollen sie unbedingt einnehmen. Bereits am 14. März 1916 verkündet die deutsche Propaganda erstmals die Einnahme der Höhe "Toter Mann". Das ist etwas übertrieben. Die Deutschen halten nämlich die nördliche Kuppe und die Franzosen verteidigen wacker die südliche Kuppe der Doppelhöhe.

4. April 1916

Die deutschen Truppen beginnen im März und April immer wieder neue Offensiven, ohne dabei allerdings nennenswerte Erfolge zu erringen. Tausende Soldaten lassen dabei allerdings ihr Leben. Inzwischen beträgt die Lebenserwartung eines Soldaten an der Front nur noch 14 Tage und auf beiden Seiten sterben 6.000 Menschen - Tag für Tag.

1. Mai 1916

Sehr verlustreicher Angriff deutscher Truppen auf Fort de Vaux, welches noch von den Franzosen gehalten wird.

8. Mai 1916

Bei einem Explosionsunglück im Fort Douaumont kommen 679 deutsche Soldaten ums Leben. Außerdem wird nach blutigem Kampf die Höhe 304 von deutschen Truppen eingenommen.

20. Mai 1916

Die Höhe "Toter Mann" wird endgültig und unter sehr hohen Verlusten von den Deutschen eingenommen.

22. Mai 1916

Französische Truppen erreichen bei einem Großangriff die äußeren Anlagen des Forts Douaumont. Sie drängen die Deutschen in das Innere der Festung. Zwei Tage später können jedoch alarmierte deutsche Reserven die Franzosen wieder zurückdrängen.

21. Juni 1916

Beginn einer weiteren deutschen Angriffsoffensive rechts der Maas. Der kaiserlichen Armee gelingt die Eroberung des Dorfes Fleury, des Ouvrages de Thiaumont und die kurzzeitige Besetzung des Ouvrages Froideterre.

23. Juni 1916

Beginn eines letzten deutschen Großangriffs auf das Fort de Souville, bei dem täglich Tonnen unterschiedlicher Artilleriegranaten auf die Festung niederprasselten. Die Deutschen haben auch wiederholt Giftgas bei diesem Angriff eingesetzt.

1. Juli 1916

Die Militärs der Alliierten sind sich einig: Um die französische Armee vor Verdun zu entlasten, muss weiter nördlich eine neu Front eröffnet werden. Also planten die Britten eine Gegenoffensive an der Somme. Ziel war es, die Deutschen zu veranlassen, Menschen und Material von Verdun abzuziehen, um wiederum die Front an der Somme zu stärken. Am 1. Juli 1916 begann die Somme-Schlacht. Und die Deutschen zogen tatsächlich Truppen und Artillerie von Verdun ab.

23. Juni 1916

Beginn eines letzten deutschen Großangriffs auf das Fort de Souville, bei dem täglich etliche Tonnen unterschiedlicher Artilleriegranaten auf die Festung niederprasselten. Die Deutschen haben auch wiederholt Giftgas bei diesem Angriff eingesetzt.

12. Juli 1916

Der deutsche Angriff gegen das Fort de Souville kann an diesem Tag von den französischen Truppen gestoppt werden. Heute markiert das Denkmal des gefallenen und sterbenden Löwen diese Stelle. Es wurde im Jahr 1969 dort errichtet.

29. August 1916

General von Falkenhayn muss zurücktreten. Generale Ludendorff und Hindenburg übernehmen anstatt seiner das Oberkommando. Sie teilen die Westfront in zwei Heeresgruppen auf. Heeresgruppe "Bayerischer Kronprinz" und Heeresgruppe "Deutscher Kronprinz".

2. September 1916

Auf Befahl Ludendorffs wird der deutsche Angriff auf Verdun wegen fehlender Erfolgsaussichten eingestellt. Dieses betrifft allerdings nur die Frontabschnitte östlich von Verdun. Am linken Maas-Ufer - also nordwestlich von Verdun - wird weiter um die Höhe 304 und der "Tote Mann" gerungen. Die Karte zeigt den Kriegsverlauf von April bis September 1916.

24. Oktober 1916

Beginn eines neuen französischen Großangriffes. Die Truppen können erhebliche Geländegewinne erzielen. Sie dringen bis zum Steinbruch Haudromont vor. Die Dörfer Fleury, Thiaumont und Douaumont, die inzwischen durch den Artilleriebeschuss komplett dem Erdboden gleich gemacht wurden, können zurückerobert werden. Gleiches gilt für das Fort de Douaumont.

2. November 1916

Das Fort de Vaux wird von den Franzosen wieder besetzt.

15. Dezember 1916

Beginn einer weiteren französischen Großoffensive am Ostufer der Maas. Die Franzosen machen weitere Geländegewinne und erobern Gebiete zurück, die sie zu Beginn der Schlacht um Verdun verloren hatten. Genaral Pétain verkündete auch seitens der Franzosen das Ende der Schlacht um Verdun. Beide Seiten stellen östlich von Verdun die Kämpfe ein.


Quelle der Karten und Bilder vom Fort Douaumont bzw. Fort Vaux:
Michelin's Illustrated Guides to the Battle-Fields (1914-1918) - VERDUN Argonne-Metz (1914-1918) - Michelin & Cie. - London - Ausgabe 1919.





Quelle:

Der Weltkrieg im Bild | Originalaufnahmen des Kriegs-Bild- und Filmamtes aus der modernen Materialschlacht
Autor:George Soldan | Ausgabe 1928

Kamerad im Westen - Ein Bericht in 221 Bildern | Societäts-Verlag, Frankfurt am Main, 1930

Historische Postkarten, teilweise Feldpostkarten bzw. Karten, die nach 1918 entstanden wie
die Serie "Les Combats des Forts de Souville et Douaumont"

***

www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.