Regelbauten des Westwalls

Anders als die Maginot-Linie, deren Kampfkraft durch eine eigentlich überschaubare Anzahl großer und schwer gewaffneter Infanterie- und Artilleriewerke besteht, sollte die Kampfkraft des West- und Atlantikwalls durch das Zusammenwirken einer schier unüberschaubaren Anzahl einzelner und (im Vergleich zu den Ouvrages der Maginot-Linie) kleiner Bunker entstehen.

Diese Anforderung stellte die Ingenieure, die sich mit Planung und Bau des Westwalls befassten, vor enorme Herausforderungen. Es wäre schlicht unmöglich gewesen, jeden einzelnen Bunker optimal an die Gegebenheiten des Geländes vor Ort anzupassen – ihn also individuell zu planen. Außerdem wäre der Bau einer solchen Bunkerlinie eine unlösbare logistische Aufgabe gewesen.

Vor diesem Hintergrund entwickelten deutsche Ingenieure in den 1930er-Jahren die Idee, bei der Planung und dem Bau des Westwalls dadurch zu beschleunigen, indem sie standardisierte Bunkertypen – ausgerichtet auf verschiedene Aufgaben – entwickelten und errichten ließen. Anfangs griffen sie dabei auf die Baupläne einzelner Bunker unter anderem der Neckar-Enz-Stellung zurück, mit deren Bau 1935 begonnen wurde. Als Hitler dann nach der Besetzung des Rheinlands den Bau des Westwalls befahl, profitierten die Ingenieure von diesen Erfahrungen.

Als Regelbauten bezeichnet man also standardisierte Bunker, aus denen der West- und später auch der Atlantikwall bestanden. Man könnte in dem Zusammenhang denken, dass es sich dabei nur um wenige Bunkertypen handelt. Tatsächlich gab es aber mehr als zweihundert verschiedene Regelbauten – jeder ausgerichtet auf spezielle Aufgaben, die der Stellung zugedacht waren. Mitunter gab es auch verschiedene Regelbauten mit vergleichbaren Funktionen, so dass es durchaus eine gewisse Varianz gab, um auf die Gegebenheiten vor Ort zu reagieren.

Durch die Einführung dieser Regelbauten konnte der Bau des Westwalls enorm beschleunigt und vereinfacht werden.

Letztlich musste „nur“ ein Erkundungs- und Planungstrupp das zu schützende Gelände sondieren, die Verteidigungsstrategie erarbeiten, um dann die Regelbauten zu bestimmen, die dort errichtet werden sollten. Die Bauausführung übernahm dann die Organisation Todt – notfalls konnte sich auch privaten Unternehmen übergeben werden, weil ja klar war, was es zu bauen galt und auch der Material- und Zeitaufwand dadurch definiert war. Die jeweiligen Pläne lagen ja bereits vor.

Westwall - Saarland - Ansicht einer Kasematte mit einem 6-Schartenturm

Zeichnung: Kasematte mit 6-Schartenturm

Wie bereits erwähnt gab es Ende der 1930er-Jahre eine Vielzahl unterschiedlicher Regelbauten. Anfangs, also 1936 beim Baubeginn, war das anders. Seinerzeit gab es nur wenige Standardbunker, die man nach und nach modifizierte bzw. neue Bunkertypen entwickelte. So wuchs die Anzahl der Regelbauten ständig.

Der Einfachheit halber nummerierte man die Regelbauten. Dabei gab es auch definierte Nummernkreise wie beispielsweise die 400er- oder 500er-Serie. Unabhängig davon galt es aber auch, die Ausbaustärke zu definieren. Dies erfolgte, indem man der Nummer (des Regelbaus) jeweils einen Buchstaben hinzufügte. A stand beispielsweise für eine Stärke von 3,5 Metern. Das war mit Abstand die wuchtigste Ausführung. D wiederum stand für eine Stärke von (nur) 0,3 Metern.

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