Festungsbau im 19. und 20. Jahrhundert:

Festung Thionville

Deutsche Festungen in Elsass-Lothringen
zwischen 1871 und 1918

Lügen können Kriege in Bewegung setzen,
Wahrheit hingegen kann ganze Armeen aufhalten.

Otto von Bismarck
1815-1898

Thionville - Festungsstadt in Frankreich

Thionville ist ein kleines französisches Städtchen mit gerade einmal 40.000 Einwohnern. Die an der Mosel liegenden Stadt befindet sich im gleichnamigen Departement Moselle, welcher wiederum zur Region Grand Est befindet (bis 2015 Lothringen). Hübsch ist Thionville nun wirklich nicht, was für eine Stadt durchaus typisch ist, welche vom Bergbau, der Stahlindustrie sowie dem Niedergang beider Wirtschaftszeige gegen Ende des letzten Jahrhunderts geprägt wurde. Nach langen Arbeitskämpfen wurde 1977 der letzte Hochofen ausgeblasen. Obwohl das nun schon etliche Jahrzehnte her ist, hat sich die Stadt davon nie richtig erholt. Man kann es ihr ansehen.

Historische Postkarten: Thionville

Thionville: historische Stadtansichten.
Postkarten, die zwischen 1900 und 1930 entstanden.


Aufgrund seiner geografischen Lage im Dreiländereck zwischen Frankreich, Luxemburg und Deutschland wechselten in Thionville in den letzten Jahrhunderten wiederholt die Machtverhältnisse. Das prägte die Stadt. Thionville gehörte beispielsweise wiederholt zu Luxemburg und wurde ab dem 13. Jahrhundert kontinuierlich zu einer Festungsstadt ausgebaut. In dieser Zeit erwarb sich die Stadt auch den Ruf, der am besten befestigte Platz des Herzogtums Luxemburg zu sein. Die Stadt war umgeben von einer weitläufigen Festungsanlage - bestehend aus Wehrmauern, Gräben, Wällen und Flächen, die man zum Zwecke der Verteidigung überfluten konnte.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (16-18 -1648) fiel Thionville dann an Frankreich. Das war 1643. Kurz darauf schickte der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. seinen Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre Vauban (1633-1707) nach Thionville, um die Wehranlagen modernisieren zu lassen. Er organisierte die Verteidigung der Stadt neu und ließ die vorhandenen Anlagen nochmals ausbauen. Es begann also 1643 die "französische Zeit" von Thionville, die bis 1871 andauerte.

Es gab zwar immer wieder Kämpfe um die Stadt. Es gelang jedoch keinem anderen Herrscherhaus, sich ihr zu bemächtigen. Übrigens: An der wuchten Festungsanlage, die Thionville nun schon Jahrhunderte umgab, wurde fortlaufend gearbeitet. Wenn Dich dieses Thema interessiert, findest Du dem Link folgend weitere Informationen.

Am 19. Juli 1870 erklärte dann der französische Kaiser Napoleon III. Preußen den Krieg. Das war der Auftakt für den sogenannten Deutsch-französischen Krieg 1870/71, an dessen Ende nicht nur das Deutsche Kaiserreich ausgerufen wurde, sondern das unterlegene Frankreich auch die Regionen Elsass und Lothringen (und somit auch Thionville) an Deutschland abtreten musste. Thionville ging auf das das Reichsland Elsass-Lothringen - einem vom deutschen Reich eigens gegründeten Verwaltungsgebiet auf französischem Boden, welches bis 1918 bestand. Anders als andere Bundesstaaten (in Deutschland) unterstand das Reichsland unmittelbar dem Deutschen Kaiser Wilhelm II..

Die deutsche Moselstellung zwischen 1871 und 1918

Historische Karte - sie zeigt die Festungsstädte Thionville und auf deutscher und Verdun bzw. Toul auf französischer Seite.
Quelle der Karte: The Americans in the Great War - V2 The Battle of Saint Mihiel von 1915 / Autor: Michelin & Cie


Thionville war seit 1871 also Teil des Deutschen Reichs und hatte mit seiner Nachbarstadt Metz für das deutsche Militär eine enorme strategische Bedeutung. Beide Städte waren wichtige Verkehrsknotenpunkte und würden im Fall eines erneuten Krieges mit Frankreich eine zentrale Rolle bei der Versorgung eigener Truppen spielen, wenn diese auf Paris vorrücken. Es verwundert also nicht, dass die Deutschen auf direkten Befehl Kaiser Wilhelms II. mit dem Ausbau neuer Festungsanlagen rund um Thionville und Metz begannen.

Die Kanonenbahn Berlin-Metz


Gleichzeitig trieb Deutschland auch den Bau einer neuen Eisenbahnlinie quer durch das Reichsgebiet voran. Es entstand die sogenannte Kanonenbahn die Berlin über Thionville direkt mit Metz verband. Damit war alles rund: Die beiden wichtigen Metropolen in Lothringen waren an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen und rund um die Städte entstanden moderne Festungen, die lange Zeit als uneinnehmbar galten.

Deutsche Festungen rund um Thionville (Diedenhofen) - Frankreich

Festungen rund um Thionville


Anders als in Metz, wo man einen umfangreichen Festungsgürtel rund um die Stadt anlegte, konzentrierte man sich in Thionville auf drei strategisch relevante Plätze, von denen man die Stadt, die Mosel und die Eisenbahnlinie gut vor herannahenden französischen Truppen schützen konnte. Die Räume zwischen diesen Festungen wurden im Schritt zwei zu einem Stellungssystem ausgebaut - damit ist die sogenannte Moselstellung gemeint.

Quelle: Historische Postkarte "Tank in aktion" aus Kanada

Dokumentation über den Ersten Weltkrieg.
Quelle: Historische Postkarte aus Kanada


Spätestens nachdem 1905 der Schlieffen-Plan als die Militärdoktrin im Fall eines Krieges mit Frankreich formuliert wurde, war klar, dass den Städten Thionville und Metz eine hohe militärische Bedeutung zukam. Denn im Fall eines Krieges sollten die deutschen Truppen über Belgien in Frankreich einmarschieren. Man rechnete hier mit einem "überschaubarem" Widerstand.

Das Reichsland Elsass-Lothringen (also insbesondere die beiden zuvor genannten Städte) sollten als Bollwerk dienen, weil man hier mit einem schnellen Angriff der Franzosen rechnete. Denn es war klar, dass das Frankreich die Niederlage 1871 als nachhaltige Schmach empfand und die einst französischen Regionen zügig zurückerobern will.

Letztendlich kam es zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 auch genau dazu. Was die deutschen Militärstrategen allerdings nicht vorhersahen war, dass sich der anfängliche Bewegungskrieg (1914) schnell in einen Stellungskrieg wandelte, den keine der beiden Seiten gewinnen konnte. Doch auch hier hatten Metz und Thionville für das Kaiserreich eine enorme Bedeutung: Über diese beiden Städte rollte der Nachschub für die Front. Tagtäglich wurden Menschen und wurde Material herangeschafft. Verdun war nicht weit ...

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