Feste Kaiser Wilhelm II.

Die Festung befindet sich westlich von Straßburg,
welches zwischen 1871 und 1918 zum
Reichsland Elsass-Lothringen gehörte.

Die Feste Kaiser Wilhelm II. wurde ab 1893 errichtet.
Sie umfasst ein riesiges Areal und an ihr wurde
beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs noch immer gearbeitet.

Französischer Name der Festung:
Fort de Mutzig

Namensgeber der
deutschen Festung westlich
von Straßburg war ...

Kaiser Wilhelm II.
letzte deutsche Kaiser
1859-1941

kaiser, wilhelm,

Geschichtlicher Hintergrund

Erster Weltkrieg - Zweisprachigkeit der Bevölkerung im Reichsland Elsass-Lothringen - 1914

Historische Karte vom Reichsland Elsass-Lothringen.

Man muss sich in die damalige Zeit hineindenken, um zu verstehen, warum eine solche mächtige und waffenstarrende Festung errichtet wurde. Aus heutiger Perspektive ist das kaum zu verstehen. Bevor ich also etwas über die Festung selbst erzähle, schauen wir kurz ins Geschichtsbuch:

1871 … Frankreich hat schmachvoll den Deutsch-Französischen Krieg verloren und Deutschland – strahlender Sieger dieser Auseinandersetzung – konnte sich unter anderem der französischen Grenzregionen Elsass-Lothringen bemächtigen. Angesichts der Rohstoffvorkommen und dem zunehmenden Bedarf an diesen durch die deutsche Industrie ein wahrer Glücksfall für das ebenfalls frisch gegründete Deutsche Kaiserreich unter der Führung von Kaiser Wilhelm II.. Natürlich gab es Sorgen, dass sich Frankreich die für ihn ebenfalls wichtigen Regionen zurückholen wird. Daher unternahm das Kaiserreich große Anstrengungen, die strategisch wichtigen Städte Metz, Thionville (damals Diedenhofen) und Straßburg durch neue Festungen militärisch zu sichern. Man beäugte die Aktivitäten der Franzosen, die wenige Kilometer hinter der neuen Grenze die sogenannte Barrière de Fer errichteten – ebenfalls eine Festungskette – mit großem Argwohn.

Eines der ersten Großprojekte des deutschen Militärs war die Errichtung eines Festungsgürtels rund um Straßburg. Aus heutiger Sicht hätte man sich Geld und Mühe sparen können. Denn kurz nach seiner Fertigstellung galten sämtliche Festungen als veraltet. Ironie der Geschichte. Zwischenzeitlich gab es nämlich eine sprunghafte Entwicklung der Waffentechnik. Es gab eine neue Generation von Geschützen, mit denen man weiter und genauer schießen konnte, und es wurden die sogenannten Brisanzgranaten entwickelt, die eine enorme Sprengkraft hatten. Mit beidem zusammen hätte man die Festungen rund um Straßburg innerhalb kurzer Zeit in Schutt und Asche legen konnten. Sie waren oberirdisch errichtet – mit freistehenden Geschützen. Ein Leckerbissen für einen guten Artilleristen.

Kaiser Wilhelm II. konnte das nicht ignorieren. Die just zuvor gebauten Festungen abschreibend beschloss er am 28. April 1893 die Errichtung einer neuen und modernen Großfestung westlich von Straßburg. Als Bauplatz wurde eine Bergkuppe nahe Mutzig ausgewählt. Denn die Deutschen rechneten damit, dass ein französischer Angriff aus dieser Richtung kommen wird. Einen anderen (direkten) Zugang zu Straßburg gab es wegen der Vogesen nicht.





Feste Kaiser Wilhelm II - Fort Mutzig - deutsche Festung bei Straßburg

Feste Kaiser Wilhelm II. - Das Leben der Soldaten spielte sich unterirdisch ab. Die einzelnen Werke und Stellungen der Festungen wurden durch eine Vielzahl solcher Tunnel verbunden.


Feste Kaiser Wilhelm II bzw. Fort de Mutzig

Die Feste Kaiser Wilhelm II. ist eine zwischen 1893 und dem Ersten Weltkrieg vom Deutschen Kaiserreich errichtete Festung. Sie befindet sich gut 20 Kilometer westlich von Straßburg – nahe der kleinen Ortschaft Mutzig, weswegen sie heute als Fort de Mutzig bezeichnet wird. Bis 1914 war sie die flächengrößte Festung des Kaiserreichs und galt als Urvater eines neuen Festungstypen; dazu später mehr.

Die Feste hatte die Aufgabe, einen befürchteten französischen Angriff von Süden herkommend, zwischen den natürlichen Hindernissen Vogesen und Rhein hindurch in Richtung der strategisch wichtigen Stadt Straßburg aufzuhalten. Die Bauzeit der Festung umfasste mehr als 25 Jahre – geprägt von stetigen Erweiterungs- und Ausbauarbeiten. Zwischen Baubeginn im Jahr 1893 und Fertigstellung der Festung vollzog sich im Festungsbau ein maßgeblicher Wandel. Viele Neuerungen wurden hier erstmals in die Tat umgesetzt. Deswegen galt die Feste Kaiser Wilhelm II. lange Zeit als ein der modernsten Festungen des Kaiserreichs. Die meist aus Backsteinen und oberirdisch errichteten „Biehlerschen Einheitsfort“, die rund um Straßburg in den Jahren zuvor errichtet wurden, galt angesichts der Weiterentwicklung der Artilleriewaffen und dem Aufkommen der Brisanzgranaten als veraltet. Folgende Neuerungen, die bei der Feste Kaiser Wilhelm II konsequent umgesetzt wurden, prägten den weiteren Festungsbau des Kaiserreichs:

Modernes Baumaterial

Bisherige Forts waren recht kompakt. Sie wurden meist aus Ziegelsteinen gemauert. Umgeben von einem tiefen Wall waren sie aufragend und boten moderner Artillerie großzügige Angriffsfläche. Beim Bau der Feste Kaiser Wilhelm II. hingegen verwendete man Stahlbeton – teilweise mehrere Meter dick. Außerdem gab man die kompakte Bauweise zugunsten einer „aufgelösten Form“ auf. Die einzelnen Werke, die fortan unterirdisch waren, verteilte man im Gelände, so dass Sie von feindlicher Artillerie schwerer zutreffen waren. Und wenn Sie getroffen wurden, schützte sie ein dicker Erdmantel – ganz zu schweigen von den Wänden aus Stahlbeton.

Moderne Geschütze

Die Bewaffnung bisheriger Festungen bestand auf frei stehenden Artilleriegeschützen. Sie waren unter freiem Himmel positioniert. Ein Treffer hätte direkt den Ausfall des Geschützes zur Folge gehabt. Bei der Feste Kaiser Wilhelm II. wurden die Geschütze in eigens dafür errichteten Bunkern integriert. Die waren im Gelände verteilt und unterirdisch mit den übrigen Versorgungseinrichtungen verbunden. Darüber hinaus schütze man die Geschütze mit Stahlkuppel. Diese modernen Panzertürme konnten einem Treffer durchaus widerstehen (auch wenn das nicht für die das Geschütz bedienende Mannschaft galt).

Moderne Technik

Die verschiedenen Werke der Feste Kaiser Wilhelm II. waren – wie schon erwähnt – unterirdisch miteinander verbunden. Sie verfügten über alles das, was man zur Versorgung einer großen Mannschaft benötigt. Eigene Bäckereien, eine eigene Stromversorgung, moderne Kommunikationsmittel (damals war das das Telefon). Selbstredend gab es einen großen Sanitätsbereit. All dies führte dazu, dass die Feste über eine gewisse Zeit autonom agieren konnte und nicht von außen versorgt werden musste.

Festung


Impressionen aus der Energiezentrale und Werkstatt der Feste Kaiser Wilhelm II.


Ach ja - bevor ich es vergesse: Um die Feste Kaiser Wilhelm II. im Kriegsfall besetzen und optimal einsetzen zu können, waren bis zu 6.500 Mann Besatzung notwendig. Im Alarmfall stellte das III. Bataillon des 4. Unter-Elsässischen Infanterie-Regiments Nr. 143 die Besatzung. Mit einer Gesamtfläche von 254 Hektar und 22 Fernkampfgeschützen unter Panzerschutz ist die Feste im Jahre 1914 die größte deutsche Befestigungsgruppe.


Impressionen aus der Feste Kaiser Wilhelm II.



Die Feste Kaiser Wilhelm II. war nicht nur die größte Festung der kaiserlichen Armee, mit ihr wurde auch ein neuer Festungstyp verwirklicht. Etliche Befestigungsanlagen rund um Metz wurden später nach ihrem Vorbild angelegt. Du hast es natürlich schon längst erkannt. Die Feste Kaiser Wilhelm II ist ein Museum. Externer Link: Homepage des Museum

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