Schlachten im Ersten Weltkrieg:

Die Front zwischen Österreich-Ungarn
und Italien in Tirol und Norditalien
1914 - 1918

An allem Unfug, der passiert,
sind nicht etwa nur die schuld,
die ihn tun, sondern auch die,
die ihn nicht verhindern.

Erich Kästner
1899 - 1874

Festungen der K.u.k.-Monarchie
von Österreich-Ungarn
in Norditalien.

Kaiser Franz Josef von Österreich

Kaiser Franz Joseph I.
Kaiser von Österreich-Ungarn
1830-1916





Festungen von Österreich-Ungarn in Norditalien

Das war eine verzwickte Situation: Offiziell waren die Monarchien Österreich-Ungarns und Italien im 19. Jahrhundert und dem beginnenden 20. Jahrhundert miteinander verbündet. Sie bildeten zusammen mit dem deutschen Kaiserreich den sogenannten Dreierbund. Doch Österreich-Ungarn traute seinem südlichen Nachbarn nicht. Dazu gab es auch ausreichend Anlass: Die Donau-Monarchie beanspruchte weite Landstriche die eigentlich italienisch waren und denen auch weitgehend Italienisch gesprochen wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten unter anderem die Lombardei, Südtirol und große Teile Venetiens zu Österreich. Die Lombardei wiederum musste man 1859 an Italien abtreten, was das Misstrauen seitens der k.u.k.-Monarchie weiter steigerte.

Um sein Einflussgebiet angemessen militärisch sicher zu können, begann Österreich-Ungarn ab 1860 seine südliche Staatsgrenze durch etliche Festungen und Pass-Sperren zu sichern. In den 1870er-Jahren entstanden beispielsweise zwischen dem Gardasee und der Schweizer Grenze etliche neue Festungswerke. Sie bestanden meist aus einem mächtigen, mehrere Geschosse aufragenden Block aus Natursteinmauerwerk, in dem die Geschütze hinter Mauerscharten standen.

Gegen Ende des Jahrhunderts weitere man die Bautätigkeiten aus. Jetzt stand die Region nordwestlich vom Gardasee im Fokus. Es galt, die Pässe in den Dolomiten und Brentatals zu sichern. Die hier errichteten Festungen waren im Regelfall kompakte Einzelwerke, in denen Bewaffnung und Unterkünftig in einem Block vereint waren. Als Baumaterial verwendete man nun bereits Beton, den man äußerlich häufig mit Granitblöcken verkleidete. Auch die Bewaffnung dieser Festungen war auf der Höhe der Zeit: Viele Werke wurden mit „Artillerie unter Stahl“ ausgestattet. Dabei kamen beispielsweise 15-cm-Panzermörser mit einer drehbaren Panzerkuppel zum Einsatz. Zahlreiche Maschinengewehre ermöglichten die Verteidigung der Anlagen auf kurzer Distanz. Die letzten dieser Werke wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt – kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Obwohl die früh errichteten Festungsanlagen maßlos veraltet waren und moderne Artillerie sie hätte in kurzer Zeit in Trümmer schießen können, modernisierte Österreich nur wenige von ihnen. Man setzte auf die verbliebene Kampfkraft der Werke im unzugänglichen gebirgigen Gelände und spekulierte darauf, dass der Gegner seine Artillerie just wegen der schwierigen geografischen Gegebenheiten nicht nah genug an die eigenen Festungen heranführen könnte.


Alpenkrieg 1915-1918 aus Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg

Quelle: Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg, Wien 1934

Der Gebirgskrieg 1915-1918 zwischen Österreich-Ungarn und Italien

1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, blieb Italien zunächst neutral, obwohl es seit 1882 Mitglied des bereits erwähnten Dreierbundes mit Österreich-Ungarn und dem deutschen Kaiserreich war. Tiroler Einheiten wurden vielmehr an der Ostfront eingesetzt - vor allem in Galizien. Im Frühjahr 1915 offenbarte dann Italien seine wahren Interessen. Getrieben von eigenen territorialen Interessen und dem Wunsch, ehemals italienisches Staatsgebiet wieder zurückzugewinnen, schloss sich das italienische Königshaus der Ententmächte an und erklärte am 23. Mai 1915 Österreich-Ungarn den Krieg.

Der Kriegseintritt Italiens erfolgte, obwohl das Kaiserreich Österreich-Ungarn inzwischen bereit war, den Trentino wieder an den südlichen Nachbarn abzutreten. Im Gegenzug sollte das Land allerdings weiterhin neutral bleiben. Im Gegensatz dazu bot Großbritannien für ein Bündnis mit der Entente der italienischen Krone deutlich mehr und erfüllte 1915 praktisch alle Wünsche - insbesondere dem nach der Rückgabe ganz Südtirols an Italien.

Aus der Sicht der Waffenbrüder Österreich-Ungarn und Deutschland war das ein katastrophaler Wendepunkt im Ersten Weltkrieg. Das Kräfteverhältnis wurde massiv verschoben und Österreich-Ungarn war damit – wie bereits das deutsche Kaiserreich – ebenfalls in einen Zweifrontenkrieg verwickelt. Im Osten stand man starken russischen Verbänden gegenüber und im Süden begann ein blutiger Gebirgskrieg. Die südliche Frontlinie verlief über rund 3.500 Kilometer Luftlinie westlich vom Ortlergebirge (nahe der Schweizer Grenze) nach Süden an Trient vorbei, um in einem Bogen nördlich von Cortina mitten durch die Dolomiten zu führen. Die höchste Stellung der Front lag auf dem Ortler auf 3905 Meter, die tiefsten Gletscherstollen in der Marmolata.

Der Krieg in den Alpen, den Österreich-Ungarn mit Italien in den Jahren 1915 bis 1918 führte, war extrem blutig und verlustreich. Wie an der Westfront entwickelte sich der Gebirgskrieg bald zu einem erbittert geführten Stellungskrieg. Trotz regelmäßiger Vorstöße konnte keine Partei einen nennenswerten Geländegewinn verzeichnen.

Quelle: Historische Postkarte "Tank in aktion" aus Kanada

Quelle: Historische Postkarte "Tank in action" aus Kanada.
Weitere Informationen: Erster Weltkrieg


Im Gegenteil: Mit jedem Vorstoß stieg die Zahl der Toten erheblich und die Auseinandersetzung wurde immer härter. Nach und nach ging man sogar dazu über, Stollen in das Gebirge zu treiben, um ganze Bergrücken zu sprengen. Die Soldaten litten zunehmend unter Krankheiten und (wegen der extrem schlechten Versorgungslage insbesondere unter) Hunger, oft mit tödlichem Ausgang. Durch Lawinen und Steinschlag kamen mehr Menschen ums Leben als durch die direkten Kampfhandlungen. Die Soldaten auf beiden Seiten mussten in den Wintermonaten eine Kälte von bis zu 40 Grad minus ertragen. Temperaturen, die das menschliche Blut gefrieren lassen und die Waffen unbrauchbar machten.





Kriegsschauplätze des Alpenkrieges 1915-1918 zwischen Österreich-Ungarn und Italien

Die Alpenfront zwischen 1915 und 1918 hatte eine Gesamtlänge von 600 Kilometern, von denen rund 450 Kilometer im Hochgebirge verliefen, die bis dahin „militärisch als nicht gangbar“ angesehen wurden. Nicht selten befanden sich die Schlachtfelder in einer Höhe bis zu 3.200 Metern. Die geografischen Gegebenheiten stellten für beide Seiten eine enorme Herausforderung dar. Wegen d es felsigen Untergrunds konnten die Soldaten keine Schützengräben zu ihrem Schutz errichten. Darüber hinaus erhöhte der häufig poröse felsige Untergrund, dass bei der Explosion von Granaten eine höhere Splitterwirkung eintrat bzw. herumfliegende Gesteinsbrocken die Soldaten zusätzlich verletzten konnten. Deswegen wurde bereits in den ersten Monaten des Krieges auf österreich-ungarischer Seite der Stahlhelm als obligatorisch eingeführt. Siehe auch: Frontverlauf - Karte bei Wikipedia.

  • Die Front zwischen dem Stilfser Joch und dem Gardasee

  • Die Front vom Gardasee zum Kreuzbergsattel bis Sexten (Dolomitenfront)

  • Die Front auf dem Kämmen der Karnischen und Julischen Alpen

  • Die Front entlang des Isonzo

  • Die Piave-Grappa-Front

Quelle: K.u.k.-Infanterieregiment Nr. 28 - 1915-1918 | Band II von 1937 | Herausgeber: 27er-Kameradschaftsbünde und des Alpenjägerregiments Feldmarschall Conrad von Hötzendorf Nr. 10, Graz

Quelle: K.u.k.-Infanterieregiment Nr. 28 - 1915-1918 | Band II von 1937 | Herausgeber: 27er-Kameradschaftsbünde und des Alpenjägerregiments Feldmarschall Conrad von Hötzendorf Nr. 10, Graz




  • Südwestfront 1915-1918
    Link zur Karte

  • Das Schützenregiment Graz Nr. 3
    Hermann Strohschneider
    Graz, 1914

  • Das 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger
    Viktor Schemfil
    Brenenz, 1917

  • Aplenkrieg
    Fritz Weber
    Klagenfurt, Wien, 1935

  • Gebiertskrieg 1915-1918
    Heinz von Lichem
    Bozen, 2018

Festung


Historische Karten vom Alpenkrieg 1915-1918

Die Schwarte "Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg" wurde vom Generalmajor d. R. Hugo Schäfer verfasst und erschien 1934 in Wien. Die Sprache dieses Buches ist schon recht gewöhnungsbedürftig und das Gedankengut über Sieg und Niederlage entspringt den Vorstellungen damaliger Zeit. Diese Lektüre ist also unter heutigen Gesichtspunkten "etwas anstrengend". Aber ganz unabhängig davon enthält das Buch auch etliche Karten, die unter anderem die Kriegsschauplätze des Alpenkrieges zwischen 1915 und 1918 zeigen. Sie zeigen recht gut den Grenz- und Frontverlauf zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Zur Erinnerung: Die Grenze reichte seinerzeit weit in das heutige Italien hinein und das Staatsgebiet der K.u.K.-Monarchie reichte bis an den Gardasee.


Quelle: Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg | Verfasser: GM. d. R. Hugo Schäfer | Verlag: Verlag GM. d. R. Franz Schubert | Wien | 1934




Historische Aufnahme von der Alpenfront
Alpenkrieg 1915-1918 - Quelle: Großer Bildatlas des Weltkriegs - Band III, München, 1919 - Verlag von F. Bruckmann

Alpenkrieg 1915-1918 - Quelle: Großer Bildatlas des Weltkriegs - Band III, München, 1919 - Verlag von F. Bruckmann



  • Unterwegs durch
    die Festungen von Trient

    (empfehlenswert)

  • Dies ist die Broschüre zum Reiseführer Unterwegs durch die Festungen von Trient

  • Auf dieser Homepage findest Du einen guten Überblick über die Festungen, die Du besuchen kannst.

  • Dieser pdf-Download führt Dich recht gut in das Thema ein und gibt einen Überblick über die musealen Angebote vor Ort.

  • "Vom Krieg und Frieden" heißt die Broschüre, die das Fremdenverkehrsamt veröffentlicht.

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