Die Geschichte Deutschlands – kurz erzählt

Mein Blick auf die deutsche Geschichte soll Anfang des 19. Jahrhunderts beginnen – genau genommen mit den Napoleonischen Kriegen, mit denen die Idee der Französischen Revolution nach Europa getragen wurde. Frankreich unter der Führung von Napoleon Bonaparte befand sich bereits seit 1792 im Krieg mit mehreren europäischen Großmächten, die die Revolution ablehnten.

Die napoleonische Zeit in Deutschland

Napoleon Bonaparte
Quelle: Historische Postkarte

Deutschland – wie wir es kennen – gab es seinerzeit noch nicht. Der deutschsprachige Raum war geprägt von einer eine Vielzahl weniger großer aber etlicher kleiner Fürstentümer, dem Königreich Preußen und Österreich. Die Feldzüge Napoleons mündeten anfangs in der Annektion linksrheinischer Fürstentümer, aus denen er den Rheinbund unter französischem Protektorat formte und schließlich in der Niederwerfung des Königreich Preußens. Infolgedessen begann Napoleon ein Deutschland „seiner Wünsche“ zu formen: Er fasste kleine und mittlere Staaten – immerhin gab es seinerzeit mehr als dreihundert davon – zu größeren Einheiten zusammen, die er einem ihm treu ergebenen Vasallen übergab.

Diese Neuordnung ließ die Anzahl deutscher Staaten auf weniger als 40 schrumpfen. Napoleon sah die deutschen Staaten dabei vornehmlich als Rekrutierungspotenzial für seine Grande Armée und beutete sie finanziell als auch wirtschaftlich aus. Seinerzeit entwickelte sich in Deutschland das Ressentiment (was nichts anderes heißt als „heimlicher Groll“) gegenüber den Franzosen, der das Verhältnis beider Länder bis weit in das 20. Jahrhundert hinein prägte und seine blutigen Höhepunkte beiden Weltkriegen fand. Napoleons Machthunger war unersättlich.

Erst der gescheiterte Russlandfeldzug (1813) und die anschließende Völkerschlacht bei Leipzig (ebenfalls 1813) leiteten seinen Niedergang an. Mit der Schlacht bei Waterloo (1815) wurde dieser endgültig besiegelt. Das seinerzeit aufkeimende Ressentiment viele Deutscher gegenüber den Franzosen erwähnte ich bereits. Die „französische Zeit Deutschlands“ hatte jedoch auch positive Auswirkungen: Die Ideale der Französischen Revolution wurde vom Bürgertum begrüßt und es formte sich durch den gemeinsamen Kampf gegen Frankreich ein deutsches Nationalgefühl. Er keimten erste Rufe nach einem deutschen Nationalstaat auf.

Der Wiener Kongress 1815 und seine Folgen

Dann kam der Wiener Kongress 1815. Die Fürstenhäuser Europas trafen sich, um die Landkarte neu zu zeichnen. Der Deutsche Bund wurde geschaffen – ein loses Bündnis souveräner Einzelstaaten, Preußens und dies alles unter der Vorherrschaft von Österreich. Doch selbst die Könige von Dänemark und den Niederlanden hatten hier ein Mitspracherecht. Ein weiteres Ziel des Wiener Kongresses war es, die „alte Ordnung“ wieder herzustellen, weil man die Ideen der Französischen Revolution – inzwischen im restlichen Europa angekommen – fürchtete.

In Europa begann eine (vorerst) friedliche Zeit. Die einzelnen Großmächte fokussierten sich nach innen, während wie gleichzeitig große Anstrengungen unternehmen, ihre Grenzen zu Frankreich militärisch zu sichern. In der damaligen Zeit heißt das nichts anderes als den Bau eine Vielzahl neuer Festungen (siehe Wallington-Barriere in Belgien, Festungen des Deutschen Bundes oder preußische Festungen rund um Köln).

Ferner formulierten Preußen, Österreich und Russland eine „heilige Allianz“. Sie hatte das Ziel, Ergebnisse des Wiener Kongresses bzw. die neue europäische Ordnung abzusichern. Diese „heilige Allianz“ wurde erst 1866 durch den Krimkrieg – einem Konflikt Russlands mit dem Osmanischen Reich, welches allerdings auch Preußen und Österreich als Bedrohung empfanden, empfindlich gestört (siehe: Preußische Festungen in West- und Ostpreußen bzw. österreichische Festungen im sog. Kronland Galizien oder russische Festungen in Polen).

Deutschland auf dem Weg zu einem Nationalstaat

Kaiser Wilhelm I.
Quelle: Historische Postkarte

Eine entscheidende Rolle auf dem Weg zu einem geeinten Deutschland spielte Preußen – genauer gesagt: Otto von Bismarck. Er war Ministerpräsident des Königreich Preußens (ab 1886) und später nach der Reichsgründung sogar erster deutscher Reichskanzler unter Kaiser Wilhelm I.. Seine Triebfeder war, Preußen zu einer Vormachtstellung im deutschsprachigen Raum zu verhelfen. Im Kern ging es darum, die vielen deutschen Staaten zu einen und sich gleichzeitig gegen Österreich abzugrenzen. Lange Zeit kooperierten Preußen und Österreich wirtschaftlich als auch militärisch miteinander.

Den Deutsch-dänischen Krieg im Jahr 1864 schlugen sie beispielsweise (noch) gemeinsam. Dann kam es zum Zerwürfnis, was 1866 in den sogenannten Bruderkrieg (auch Deutsch-deutsche Krieg) zwischen Österreich und Preußen mündete, den Preußen gewann und dem Königreich einen weiteren Ausbau seines Einflusses im deutschsprachigen Raum sicherte. Frankreich wiederum – einer weiteren Großmacht in Europa und westlicher Nachbar – sah diese Entwicklung mit Argwohn, was schließlich 1870 zum Deutsch-französischen Krieg führte. Geschickt eingefädelt von Bismarck, wobei die Kriegserklärung von den Franzosen ausging. Eigentlich war es ein preußisch-französischer Krieg, doch Bismarck gelang es nicht nur eine Allianz etlicher Fürstentümer zu schmieden (Preußen, Württemberg, Baden, Hessen, Bayern etc.). Kurz vor Ende dieses Krieges wurde das Deutsche Kaiserreich ausgerufen – mit Kaiser Wilhelm I. an seiner Spitze.

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