Blick in die Geschichte:

Deutsches Kaiserreich
von 1871 bis 1918

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Wer die Vergangenheit nicht kennt,
wann die Gegenwart nicht verstehen.
Wer die Gegenwart nicht versteht,
kann die Zukunft nicht gestalten.

George Santayana
1863-1952

Das Deutsche Kaiserreich von 1871-1918

Karte - Deutsches Kaiserreich - anno 1900

Infolge der Reichsgründung am 18. Januar 1871 wurde Deutschland zum Nationalstaat geeint. Letztlich war das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm I. war ein von Preußen dominierter Obrigkeitsstaat, der unter Wilhelm II. in den Ersten Weltkrieg schlitterte - ohne zu erahnen, welches Blutbad er damit auslöste.

Das Deutsche Kaiserreich bezeichnet man heute als konstitutionelle Monarchie, bei der es weiterhin einen Kaiser gibt, dessen Macht jedoch durch eine Verfassung eingeschränkt ist. Diese Staatsform ist ein Übergang zwischen einer reinen Monarchie, bei der alle Macht in den Händen des Souverän liegt, und einer Demokratie, bei der die Macht vom Volke ausgeht und von Volksvertretern wahrgenommen wird. Im Kaiserreich gab es also ein gewähltes Parlament, das die Gesetzgebung allein oder in Zusammenarbeit mit dem Kaiser verantwortete. Anders formuliert: Offiziell darf der deutsche Kaiser nicht allein und nach eigenem Gutdünken entscheiden. Das Parlament schränkt seine Handlungsfreiheiten ein - sofern es wirklich einen Kontrapunkt zum Monarchen darstellt.

Um dieses aus heutiger Sicht "seltsame Gebilde" besser zu verstehen, muss man in der Zeit zurückgehen. Die Ideen Französische Revolution mit seiner Parole "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" rüttelte am damaligen Selbstverständnis aller Herrscherdynastien in Europa. Anfangs konnten das Aufbegehren des Volkes in vielen Ländern unterdrückt werden - irgendwann musste man ihm nachgeben. Die konstitutionelle Monarchie ist ein Reagieren darauf, indem der Schein erweckt wird (jedenfalls aus heutiger Sicht), dass die Macht des Landesfürsten eingeschränkt wird.

Unabhängig davon gab es in Deutschland seit Mitte des 19. Jahrhunderts starke Bestrebungen, die vielen Fürstentümer und freien Reichsstädte zu vereinigen, um einen Nationalstaat zu formen. Eine weitere wichtige Entwicklung in Europa der damaligen Zeit und ebenfalls eine Folge der Französischen Revolution. Die Idee war, eine (weitgehend) übereinstimmende ethnische Gruppe zu einem gemeinsamen Staat zusammenzuführen. Viele Länder konnten sie während des 19. Jahrhunderts umsetzen oder kämpften dafür (Italien, Belgien oder die Vereinigten Staaten von Amerika). In Deutschland wiederum war die Gründung des Königreichs Italien im Jahr 1861 ein wichtiges Vorbild.

"Erbeutete Fahnen auf dem Tempelhofer Feld" - Deutsch-französischer Krieg 1870-71 - Quelle: Historische Postkarte

Kaiser Wilhelm I. reitet vorbei an erbeuteten französischen Fahnen auf dem Tempelhofer Feld.

Quelle: Historische Postkarte

Treibende Kraft dabei war das Königreich Preußen mit seiner expansiven Machtpolitik und hier wiederum war es Otto von Bismarck, der die Fäden zusammenhielt und mit Geschick daran zog. Eine entscheidende Rolle dabei spiele der Deutsch-französische Krieg 1870/71:

Bismarck nutzte diesen Krieg geschickt, um die deutschen Staaten (also die zuvor genannten Fürstentümer und Reichsstädte) unter der Führung Preußens zu einigen und zum Sieg gegen die Franzosen zu führen. Noch vor Ende des Krieges wurde am 18.1.1871 im Spiegelsaal von Versailles die Reichsgründung verkündet. Der preußische König Wilhelm I. wurde als deutscher Kaiser ausgerufen. Fortan stand Deutschland unter der Führung Preußens, Frankreich musste 1871 die wirtschaftlich starken Regionen Elsass-Lothringen abtreten und Österreich galt zwar als enger verbündetet, hatte aber keinen Einfluss mehr auf Deutschland.

Die ersten Jahre des deutschen Reichs bestimmte Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck, dem der Kaiser weitreichende Befugnisse einräumte. Letztlich war er als erster deutscher Reichskanzler auch in diesen Jahren der entscheidende ‚Strippenzieher‘. Außenpolitisch schuf Bismarck mitten in Europa einen wirtschaftlich und militärisch starken Nationalstaat. Die Nachbarn standen der Entwicklung weiterhin skeptisch gegenüber. Das gilt insbesondere für Frankreich – nicht zuletzt, weil man weniger Jahre zuvor die Schmach eines verlorenen Krieges gegen Deutschland hinnehmen musste und die wichtigen Wirtschaftsregionen Elsass-Lothringen an das Kaiserreich abtreten musste. Zentrales Ziel deutscher Außenpolitik (also der Bismarck’schen Politik) war es, im Fall eines Krieges Deutschland vor einem Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland zu schützen. Er versuchte dies mit bilateralen Vereinbarungen und dem Bestreben, Frankreich in Europa zu isolieren.

Quelle: Historische Postkarte




Kaiser Wilhelm I.

Wilhelm I. wurde 1861 zum König von Preußen und 1871 zum ersten Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reichs gekrönt.

Otto von Bismarck war seit 1862 an seiner Seite – zuletzt als Reichskanzler. Während Wilhelm seine Krone repräsentierte, überließ er ihm das Regieren. Er prägte letztlich die Innen- und Außenpolitik des Landes. Die Prägung dieser Zeit zeigt deutlich die Sozialgesetzgebung von 1878, die die Rechte der Arbeiter vor der Furcht einer Revolution stark einschränkte. Mit ihr wurden sozialistische Parteien und Organisationen verboten, Sozialisten durften sich nicht versammeln und auch nicht schriftlich äußern. Es gab Verhaftungen und Verfolgungen, was allerdings zum Gegenteil des Bezweckten führte. Unterm Strich stärkte das die Arbeiterbewegung.

Weitere Informationen:
Kaiser Wilhelm I.

Quelle: Historische Postkarte




Kaiser Friedrich III.

1888 ging als „Dreikaiserjahr“ in die deutsche Geschichte ein.

Als am 9. März Kaiser Wilhelm I. in Berlin stirbt, trat Friedrich III. als sein Nachfolger seines Vaters an. Er war ein preußischer Feldherr, der sich unter anderem im Deutsch-französischen Krieg verdient hatte. Er war aber auch schwer krank, weil er ein Krebsleiden am linken Stimmband hatte. Als er zum Kaiser gekrönt wurde konnte er bereits nicht mehr reden.

Gerade einmal 99 Tage nach seiner Thronbesteigung verstarb Friedrich III. und machte den Weg frei für Wilhelm II..

Deutscher Kaiser - Kaiser Wilhelm II

Quelle: Historische Postkarte




Kaiser Wilhelm II.

Wilhelm II. war von 1888 bis 1918 Deutscher Kaiser und König von Preußen. Er trennte sich früh von Otto von Bickmarck und nahm die Geschicke des Landes selbst in die Hand.

Seine Regentschaft war gekennzeichnet von einem rasanten Aufstieg Deutschlands als Wirtschaftsmacht in Europa, aber auch von einer aggressiven Außenpolitik. Wilhelm II. war überzeugt davon, dass er Deutschland einen „Platz an der Sonne“ sichern müsse. Als dann im Sommer 1914 Österreichs Thronfolger in Sarajewo ermordet wurde, stellte er sich auf die Seite Österreichs. Es kam zu einer Kettenreaktion von Kriegserklärungen und der Erste Weltkrieg begann. Im November 1918 dankte er widerwillig ab und ging nach Holland ins Exil, wo der 1941 starb.

Weitere Informationen:
- Kaiser Wilhelm II.
- Erster Weltkrieg

Deutsche Kaiserreich 1871-1918
Kaiser Wilhelm I. - 1871-1888 | Kaiser Friedrich III. - 1888-1888 | Kaiser Wilhelm II. - 1888-1918

Das Leben im Deutschen Kaiserreich von 1871-1918

Der Untertan - Quelle Filmprogramm-Heft aus der Reihe der Illustrierten Film-Bühne | IFB Nr. 3667 | 1957

Quelle Filmprogramm-Heft aus der Reihe der Illustrierten Film-Bühne | IFB Nr. 3667 | 1957
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Trailer bei Youtube.

Deutschland blühte während der Kaiserzeit förmlich auf. Ich sprach bereits die zunehmende Industrialisierung an und die wirtschaftlichen Erfolge, die damit verbunden waren. Die Menschen zog es in die Städte, weil sie dort auf Arbeit hofften und sie meist in den vielen Fabriken fanden. Da Arbeiter damals einen schweren Stand hatten und in der gesellschaftlichen Hierarchie ziemlich weit unten waren, bildeten sich riesige Arbeitergettos. Die heruntergekommenen Mietskasernen mit den schmutzigen und lichtarmen Hinterhöfen in Berlin zeugen davon. Dennoch ging es der Bevölkerung vergleichsweise gut. Das erklärt auch das enorme Bevölkerungswachstum in dieser Zeit. Während in Deutschland zur Zeit der Reichsgründung gerade einmal 41 Millionen Menschen lebten, waren es zur Jahrhundertwende bereits 56 Millionen. Tendenz: Stark steigend.

Doch was war das eigentlich für eine Zeit ... die Jahre zwischen Amtsantritt Kaiser Wilhelms II und dem Ersten Weltkrieg?

Man kann sich das heute kaum vorstellen, was in den Köpfen der Menschen seinerzeit vorging. Wenige Familien herrschten über das Land, Industrielle (sie gelten als der "neue Adel" und hatten meist mehr Geld und Einfluss als diese) zeigten ihren Reichtum unverblümt. Dennoch lag die Macht bei einer kleinen, sich auf ihr Erbrecht berufenden Elite. Meiner Ansicht nach zeigt der alte DEFA-Film Der Untertan die Verhältnisse der damaligen Zeit sehr gut. Er stammt aus dem Jahr 1951 nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Mann.

Wenn man das Denken und Handeln der Menschen während der Kaiserzeit verstehen möchte, sollte man sich diesen Film ansehen. Eine Herrscherelite bestimmt das Wohl und Weh der Menschen. Ihnen jubelt man zu. Nach oben buckeln ... nach unten treten. Das war das Prinzip der Zeit. Doch selbst die, die unter den Verhältnissen am meisten leisten - also die Arbeiterschicht - schließt sich dem an. Nichts zu essen, aber dem Kaiser zujubeln. Und wenige Jahre später noch mit einem Lied auf den Lippen in den Ersten Weltkrieg ziehen. So war das damals.

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