Die deutsche Militärstrategie bis Ende des 19. Jahrhunderts

Karte - Deutsches Kaiserreich - anno 1900

Das Deutsche Kaiserreich
gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

1871 ... der Deutsch-französische Krieg ist vorbei. Frankreich verlor ihn schmachvoll und musste die Wirtschaftsregionen Elsass und Lothringen an das junge Deutsche Kaiserreich abtreten. Die Deutschen wiederum begannen sofort mit dem Auf- und Ausbau etlicher Festungsanlagen rund um die strategisch wichtigen Städte Metz, Thionville und Straßburg. Es galt die neu gewonnenen Regionen zu sichern. So die offizielle Lesart. Dahinter steckte aber mehr. Der schnelle Ausbau der Festungen basierte bis Ende des 19. Jahrhunderts auf der Annahme, dass - wenn es erneut zu einem Krieg käme - dieser mit Frankreich und Russland zugleich ausgefochten werden muss. Es war klar, dass Deutschland das nicht überstehen kann. Übereinstimmend war die Generalität der Ansicht, dass man sich zuerst gegen Russland wenden sollte. Im Westen wiederum wollte der Generalstab bis zur ausharren - in gewisser Weise "auf Zeit spielen". Hier ging man also von einer Defensivstrategie aus bis das über Russland siegreiche Heer an die Westgrenze herangeführt werden könnte. Dazu bedurfte es allerdings eines wuchtigen Verteidigungswalls im Westen, der von den Franzosen nicht überwunden werden konnte (und wenn ... der ihn erhebliche Verluste zufügte und sein Vorrücken massiv verlangsamt). Elsass-Lothringen kam dabei eine besondere Bedeutung zu. Hier verlief die neue Grenze der beiden Erbfeinde. Im Fall eines Krieges sollten also hier die französischen Truppen aufgehalten werden. Und für den Fall eines französischen Durchbruchs wurden die Rheinbefestigungen von Wesel bis Germersheim bzw. an der Donau zwischen Ulm und Ingolstadt errichtet. Sie sollten als "Haltelinie" dienen. Diese Strategie erklärt auch, warum gegen Ende des 19. Jahrhunderts die westliche Grenze so massiv befestigt wurde, während man im Osten kaum vergleichbare Festungsanlagen errichtete. Das war aus damaliger Sicht nicht notwendig, weil hier ja eine Offensivstrategie verfolgt wurde.


Der Schlieffen-Plan von 1905 - eine Neuausrichtung der Militärstrategie

1905 verfasste Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen seine Denkschrift "Krieg gegen Frankreich", die die bisherige Militärstrategie des deutschen Generalstabs zum Wanken brachte. Ausgehend von einem drohenden Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland kam er nämlich zu einem gänzlich anderen Ergebnis wie man einen solchen Konflikt siegreich beenden könnte. In gewisser Weise drehte er die bisherigen Überlegungen um:

Nicht Russland sollte zuerst angegriffen werden, sondern Frankreich! Heißt: Offensives agieren im Westen, defensives Vorgehen im Osten. Einziges Problem: In einem solchen Fall fehlten an der Grenze zu Russland entsprechend notwendige Festungsanlagen. Warum auch immer wurde der Schlieffen-Plan von 1905 nach und nach zum alleinigen Aufmarschplan des deutschen Heeres; doch erst 1913 begann man im Osten die zur Realisierung notwendigen Festungsanlagen rund um Posen und Graudenz zu errichten. Dass man hier nicht früher reagierte lang schlicht an fehlenden finanziellen Mitteln und dem Umstand, dass man seinerzeit auch erhebliche Mittel in den Ausbau des Eisenbahnnetzes stecken musste, um einen beschleunigten Aufmarsch der eigenen Truppen im Westen und im Osten zu ermöglichen (siehe Kanonenbahn Berlin-Metz).

Weitere Informationen - externer Link:
Denkschrift "Krieg gegen Frankreich" von Alfred Graf von Schlieffen, Dezember 1905



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