Festungsbau im 19. und 20. Jahrhundert:

Festungen
rund um Namur

Gürtelfestung Namur

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kommt das belgische Militär zu der Erkenntnis, dass das Land mit der kleinen und schlecht ausgerüsteten Armee im Fall eines Krieges nicht in Gänze verteidigt werden kann. Deswegen beschließt man, die Landesverteidigung auf mehrere Städte zu konzentrieren, die jeweils durch waffenstarrende Festungsringe geschützt werden. Neben Antwerpen, Lüttich wird auch Namur als eine dieser besonders zu befestigenden Städte ausgewählt.

Vor diesem Hintergrund entstanden zwischen 1888 und 1892 rund um Namur insgesamt neun Festungen. Sie ziehen einen Festungsring rund um die Stadt – in etwas sechs bis acht Kilometern Entfernung. Mit diesem Vorhaben wurde General Henri Alexis Brailmont beauftragt, der die zu errichteten Forts entwickelte und den Bau persönlich überwachte. Er bestückte die Festungen insgesamt mit 44 Kanonen unterschiedlichsten Kalibers und weiteren dreizehn Haubitzen und Mörsern. Sie waren alle „unter Panzer“, was bedeutet, dass man sie in dreh- und Versenkbare Panzertürme einbaute. Typisch für die Brailmonts Bauweise war, dass die Festungen obendrein alle von einem (eher klassisch anmutenden) Wassergraben umgeben sind.

Namur im Ersten Weltkrieg

Als die deutschen Truppen zu Beginn des Ersten Weltkriegs durch das neutrale Belgien marschierten, um im Sinne des Schlieffen-Plans von 1905 den Erzfeind Frankreich an seiner verwundbarsten Stelle anzugreifen (nämlich der französisch-belgischen Grenze), bot die belgische Armee kaum Widerstand. Man verließ sich auf die Festungsstädte und ging davon aus, dass man dort die deutschen Truppen aufhalten könnte.

Einmal abgesehen von dem vollkommen unausgewogenen Kräfteverhältnis der kleinen belgischen Armee im Vergleich zu dem riesigen Heer der Deutschen, rechneten die Belgier auch nicht mit dem Beschluss ihrer Festungen mit schweren Eisenbahngeschützen. Bereits am ersten Tag der Belagerung von Namur bzw. des Angriffs auf die Festungen verlor Belgien fünf von Ihnen wegen des massiven Beschusses durch deutsche Artillerie. Die Deutschen setzten ihre „Dicke Bertha“ ein, ein massiver Mörser, der ihnen bereits bei der Bekämpfung der Festungen rund um Lüttich gute Dienste leistete. Angesichts dieser Übermacht ergab sich die belgische Armee am 25. August 1914. Insgesamt 50.000 Soldaten gingen in Kriegsgefangenschaft. Der Fall von Namur hatte (was die Deutschen nicht realisierten) eine große Signalwirkung für die Alliierten, die nun keine stabile Verteidigungslinie gegen den Vormarsch der deutschen Truppen besaßen, bis diese die Marne kurz vor Paris erreichten.


www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.