Das Kaiserreich fühlte sich im Westen von Frankreich und im Osten von Russland bedroht.

Noch während deutsche Truppen vor Paris kämpften und der gut ein Jahr zuvor begonnene Deutsch-französische Krieg noch gar nicht beendet war, proklamierten deutsche Fürsten und Vertreter freier Städte am 18. Januar 1871 im Schloss von Versailles den preußischen König Wilhelm I. zum ersten Deutschen Kaiser.

Für Deutschland begann eine neue Ära, weil man endlich die Kleinstaaterei überwinden konnte. Aber auch in Europa begann eine neue Ära, weil sich nun im Herzen des Kontinents eine neue wirtschaftliche, militärisch als auch politisch dominierende Macht formte und sich damit das bisherige Gleichgewicht in Europa erheblich verschob. Es verwundert also wenig, dass die Nachbarn diesen Schritt als Bedrohung empfanden - dies insbesondere, weil sich in der Folge zwischen dem Kaiserreich und Österreich-Ungarn eine neue Einheit formte. Bemerkenswert, weil noch wenige Jahre zuvor Preußen und Österreich wegen der Vormachtstellung im deutschsprachigen Raum einen Krieg führten (Deutsch-deutscher Krieg, 1866).

Reichskanzler Otto von Bismarck versuchte in den Jahren danach durch geschickte Außen- und Bündnispolitik das große Misstrauen der Nachbarn zu besänftigen. Das gelang unterm Strich nur mäßig. Einerseits war Frankreich dem Kaiserreich weiterhin feindlich gegenüber eingestellt und fühlte sich von seinem westlichen Nachbarn bedroht. Mit der deutschen Annexion der französischen Regionen Elsass und Lothringen saß obendrein ein tiefer Stachel im Fleisch des Nachbarn.

Während das junge Kaiserreich politisch auf den Erhalt und die Anerkennung der neuen (westlichen) Reichsgrenze drängte, rechnete man in Frankreich einerseits mit einem erneuten Krieg (was den Ausbau der Barrière de Fer entlang der französischen Ostgrenze eindrucksvoll veranschaulichte) und man dränge auf eine Rückeroberung der verlorenen Gebiete.

Deutschlands enger Partner Österreich-Ungarn wiederum fühlte sich auf dem Balkan durch Russland bedroht, was dazu führte, dass auch das junge Kaiserreich seinen östlichen Nachbarn als Bedrohung empfand. Man schloss zwar 1887 mit dem Zarenreich einen Vertrag, der einen Zweifrontenkrieg mit Russland und Frankreich zugleich verhindern sollte. Das änderte aber nichts an der Notwendigkeit, dass das Kaiserreich seine Ostgrenze als gefährdet ansah. Zum tatsächlichen Bruch mit Russland kam es unter Wilhelm II. Er verabschiedete sich schnell von Otto von Bismarck und lehnte 1890 den Wunsch der Russen ab, den zuvor genannten Vertrag zu verlängern.

Kurzum: Das junge Kaiserreich unter Wilhelm I. und insbesondere unter Wilhelm II. ging mit Österreich-Ungarn eine enge Partnerschaft ein und war gleichzeitig im Westen und Osten umgeben von europäischen Gr0ßmächten, von denen man sich bedroht fühlte bzw. die sich von Deutschland bedroht fühlte. Um die missliche Lage quasi zu komplettieren, rief die Außen- und Kolonialpolitik Wilhelm II. sowie sein Wunsch nach einer starken Flotte auch noch England auf dem Plan.

Das Kaiserreich und seine umfangreichen Festungsbauprogramme

Mit der Gründung des Kaiserreichs legte Deutschland direkt wuchtige Festungsbauprogramme auf, um seine Grenzen zu Frankreich (und hier insbesondere das just annektierte Elsass-Lothringen) bzw. seine Grenze zu Russland militärisch zu sichern. Man fürchtete zunehmend einen Zweifrontenkrieg mit beiden Nachbarn, was Anfang des 19. Jahrhundert sogar in den Schlieffen-Plan mündete, welcher dann nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 in die Tat umgesetzt wurde. Aus heutiger Sicht betrachtet kann man den deutschen Festungsbau zwischen 1871 (also der Reichsgründung) und dem Ersten Weltkrieg in zwei Phasen unterteilen. Sie unterscheiden sich einerseits durch die Frage, wo man neue Festungen errichten ließ, und andererseits durch die Art der Festungen, die man errichtete.

Entwicklung
des deutschen Festungsbaus

Entwicklung
deutscher Panzerfestungen

Dokumentation
deutscher Festungen

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