Wer war eigentlich Hans Alexis Biehler?

Hans Alexis Biehler lebte zwischen 1818 und 1886, war preußischer General der Infanterie und Sohn eines Arztes. Seine im Deutsch-französischen Krieg erworbenen Lorbeeren führten dazu, dass er 1871 in den Adelsstand erhoben wurde. Eine wichtige Voraussetzung für seine weitere Karriere. Kurz darauf ernannte man ihn zum Chef des Ingenieurkorps und der Pioniere als auch zum Generalinspektor der preußischen Festungen. Er war unter anderem persönlich am Bau des Festungsrings rund um Köln beteiligt. Und - dies führt dann auch wieder zurück zum eigentlichen Thema - er war entscheidend an der Planung der neuen preußischen Einheits- oder Schemaforts beteiligt, die man später nach ihm benannte.

Was ist ein Biehlersches Standardfort?

Das Biehlersche Standardfort ist eine Polygonal-Befestigung. Diese Form neuer Festungen geht auf die Überlegungen der Festungsbaumeister Marc-René Montalembert (1718-1800) und Lazare Cornot (1753-1823) zurück. Sie beschrieben Ideen, wie man bei der äußeren Form moderner Festungen möglichst konsequent auf einspringende Winkel verzichten kann, so dass ein Polygon entsteht - also ein Vieleck. Das bedeutete einen deutlichen Bruch mit dem damals noch vorherrschenden Bastionärsystem, welches stark von Sébastien Vauban und seiner Schule geprägt wurde.

Was kennzeichnet letztlich ein Biehlersches Standardfort? Zuerst einmal: Diese Festungen standen nie allein, um einen strategisch wichtigen Ort zu schützen. Sie waren immer Teil eines Systems - einer sogenannten Gürtelfestung. Dabei werden mehrere Forts ringförmig rund um den zu schützenden Ort positioniert. Angreifer können wegen der Entfernung zur Stadt nicht diese direkt (beim ersten Angriff) bekämpfen, sondern sich den Forts "widmen", die sich wiederum untereinander decken konnten. So stand der Feind einer Vielzahl an Festungen gegenüber - anders als beim zuvor genannten Bastionärsystem, wo sich sich beim Angriff direkt vor der Festung und dem zu schützenden Ort befand. Denn dies war eins.

Die von Alexis von Biehler beschriebene Festung war im Grundsatz nicht neu. Wie schon gesagt: Es war eine Polygonal-Befestigung. Neu war, dass seine Baupläne standardisiert wurden und bis zu 70x zum Einsatz kamen. Biehlers Standardfort hatte die Form eine Lünette mit je zwei Front- und zwei Flankenmauern - umgeben von einem Graben, der von Grabenstreichen gesichert war. Die Außenmaße des Forts betrugen rund 320 Meter x 190 Meter. Es sollte mit gut fünfzehn Geschützen unterschiedlicher Kaliber (von 8 bis 15 cm) ausgestattet werden. Diese Forts konnten bis zu 900 Soldaten aufnehmen. Ihre Unterkünfte befanden sich überwiegend auf der Kehr- also Rückseite des Forts, links und recht vom Zugang, der wiederum mit einer Zugbrücke und Schießscharten gesichert wurde. Die Mauern des Forts waren zwischen einem und drei Metern dick - man verwendete meist Ziegelsteine. Den Abschluss bildete (von oben gesehen) eine gut ein Meter dicke Betonschicht plus Erde. Beides zusammen schützte die darunter liegenden Kasematten.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts Geschütze mit gezogenem Lauf aufkamen, die eine höhere Reichweite und Treffgenauigkeit hatten, reagierte Alexis von Biehler darauf, in dem er (1) die einzelnen Forts weiter vor dem zu schützenden Ort platzierte und sie auch weiter voneinander im Festungsgürtel positionierte sowie (2) die Festungen tiefer in das sie umgebende Gelände einbettete. Letzteres war beim Bau zwar deutlich aufwendiger, weil der Erdaushub viel größer wurde, hatte aber den Vorteil, dass die Festungen bei feindlichen Artilleriebeschluss deutlich weniger Angriffsfläche boten. Dennoch ragten seine Festungen gut 10 Meter in die Höhe.

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