Moderne Festungen
zwischen 1945 bis heute


In einem Atomkrieg gibt es keinen Sieger,
sondern nur Besiegte.

In ihm erleidet jeder von den Bomben und Atomgeschossen
seines Gegners, was die seinen diesen antun.
Es entsteht dabei eine in Gang bleibende Vernichtung,
der kein Waffenstillstand und kein Friedensschluss ein Ende setzten kann.

Wo es sich um Atomwaffen handelt,
kann kein Volk seinem Gegner sagen:
"Nun sollen die Waffen entscheiden",
sondern nur:

"Nun wollen wir miteinander Selbstmord begehen,
indem wir uns gegenseitig vernichten."

Albert Einstein
1879-1955



Klassische Festungen machen keinen Sinn mehr.


Spätestens seit Ende des Zweiten Weltkriegs war klar, dass Festungen (wie bisher gezeigt) angesichts moderner Kriegsführung keinen Sinn mehr machen. Heute ist die Mobilität und Flexibilität der eigenen Truppe, ihre Schnellig- bzw. Beweglichkeitkeit und angemessene Ausrüstung entscheidend. Mensch und Maschinen (also moderne Kampfpanzer) müssen in Bewegung bleiben, um Herr des Geschehens auf dem Schlachtfeld zu sein. Der Blitzkrieg von Nazideutschland oder der erste Irak-Feldzug der US-Armee haben das sehr deutlich gezeigt.

Kurzum: Es ist nicht mehr zeitgemäß, hochsichere Festungen zu errichten, um darin die eigenen Soldaten ausharren zu lassen, damit sie im Fall des Falles dem Feind "einen auf die Mütze geben" oder ihnen wohlmöglich selbiges widerfährt. Auf Bunker als Bollwerk gegen Angriffe des Feindes zu setzen, macht allein auch deswegen wenig Sinn, als dass es bereits bunkerbrechende Waffen gibt.


Atombunker - moderne Festungen von heute


Doch natürlich gibt es heute dennoch "moderne Festungen". Ihr Zweck hat sich nur gewandelt: Bunker werden heute benötig, um Kommandozentralen zu schützen. Sie werden tief in die Erde gegraben und können autonom agieren, um selbst bei einem Atomschlag funktionsfähig zu bleiben. Dieses gilt für militärische Kommandobunker (siehe US-Bunker Kindsbach) oder zivile Einrichtungen (siehe Regierungsbunker). Sie dienen zum Überleben der Insassen. Und nicht mehr zum Warten, bis der Feind kommt und man ihn mit der eigenen Artillerie bekämpfen kann.

Einige solcher "modernen Festungen" habe ich besucht. Sie entstanden meist während der Zeit des Kalten Krieges. Es sind oft Museen. Das ist nicht so spannend wie die Erkundung eines Lost Places. Die Anlagen sind aber nicht minder spannend.


Atombunker in Deutschland


Dieser Abschnitt befasst sich somit mit Schutzbunkern, die in Westdeutschland ergriffen wurden, um sich gegen einen eventuellen Atomschlag seitens des Warschauer Paktes zu schützen.

Jene,
die den Krieg säen,
sitzen meist im
sicheren Bunker.

Anke Maggauer-Kirsche
geb. 1948

Angesichts der ständigen Bedrohung während des Kalten Krieges (dazu gleich mehr) galt es, die politische Elite, wichtige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, hochgestellte Angehörige des Militärs und natürlich die Regierung des Landes selbst zu schützen. Man wollte sich darauf vorbereiten, in der "Zeit danach" die wichtigen Kommando- und Regierungsstrukturen aufrecht zu erhalten - selbst dann, wenn Deutschland in Schutt und Asche untergegangen wäre und für Generationen ein unbewohnbares Gebiet gewesen wäre.

Gängiges und letztlich einziges Mittel, um das zu erreichen, ist der Bau riesiger Bunkeranlagen tief unter Erde und abseits größerer Städte. Südwestdeutschland scheint sich dafür besonders zu eignen. Hier liegt unter anderem die Eifel, ein Landstrich mit dünner Besiedlung, der ideal zu den Anforderungen passte. Nach und nach entstanden riesige Atombunker, die als sogenannte Ausweichsitze der Landesregierungen, Bundesregierung oder Landeszentralbanken dienten.


Moderne Festungen - Atombunker in Deutschland

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      Der Bunker der Landesregierung in NRW ist einer der wenigen Anlagen, die heute noch komplett funktionsfähig sind. Von hier aus sollte im Fall eines Atomkrieges der Schutz der Zivilbevölkerung koordiniert werden.

      => Ausweichsitz der Landesregierung NRW

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      Der Regierungsbunker zählt zu den teuersten Bauwerken der Republik. Er wurde in den 1960er-Jahren errichtet. Heute kann man sich leider nur noch 200 Meter des einst 17 Kilometer langen Atombunker ansehen.

      => Regierungsbunker der Bundesregierung

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      Diese LZB errichtete auch einen Atombunker. Einziger Unterschied zu den übrigen Anlagen: Man ging davon aus, dass es ein "Freizeitproblem" geben wird. Denn die Manager hätten keine wirkliche Aufgabe dort gehabt.

      => Ausweichsitz der LZB von NRW

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      Bei einem Luftangriff auf Deutschland wäre von hier aus der Gegenschlag koordiniert worden. Das Combat-Operations-Center der US-Armee war bis in die 80er Jahre hinein das Herz der Luftverteidigung in Deutschland.

      => US-Kommandobunker Kindsbach

Bunker

Exkurs: Der Kalte Krieg - die ständige Bedrohung


Wir können uns das heute meist gar nicht mehr vorstellen, dass Europa über Jahrzehnte hinweg eigentlich ständig am Rand eines dritten Weltkriegs stand. Gemeint ist der sogenannte Kalte Krieg, der in den Nachkriegsjahren seinen Anfang nahm. Die Siegermächte, die einst zusammen gegen Hitler-Deutschland kämpften, drifteten aufgrund unterschiedlicher politischer Ideen und Interessen auseinander. Letztlich führte das zu einer Aufteilung der Welt in zwei sich feindlich gegenüberstehenden Machtblöcken mit riesigen Armeen und etlichen „Stellvertreterkriegen“ in Ländern fernab der eigentlichen Machtzentralen: Die NATO bündelte die militärischen Interessen meist westeuropäischer Staaten und der USA; die Staaten des Warschauer Paktes standen eigentlich unter der Fuchtel der damaligen UdSSR – also Russland.

Wäre es tatsächlich zu einem Ausbruch direkter Kampfhandlungen gekommen, hätten diese größtenteils in Deutschland stattgefunden und wären von dort aus in die anderen Nato- oder Ostblockstaaten übergeschwappt. Nicht ohne Grund stationierte die Sowjetunion auf der damaligen DDR einen großen Teil ihrer Elitetruppen. Verharmlosend wurden Sie GSSD genannt. GSSD steht für Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.


Exkurs: Atomwaffen in Deutschland

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      Das Atomwaffenlager Area One der US-Armee ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Einst wurden hier Atomwaffen gelagert, die glücklicherweise nie zum Einsatz kamen.

      => US-Atomwaffenlager Area One

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      Auf der ehemaligen US-Raketenbasis Reetz wurden einst auch Atomwaffen gelagert und für den Einsatz bereit gehalten. Heute ist das Waffensystem veraltet und somit wird die Raketenstellung nicht mehr benötigt.

      => US-Raketenstellung Reetz



Die Hoffnung,
die Atomwaffen abzuschaffen,
aber im übrigen weiterzumachen wie bisher,
ist die Hoffnung,
den Wecker aus dem Fenster zu werfen
und eine Stunde weiterzuschlafen,
während das Haus schon brennt.

Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker
1912-2007



Wissenswert.

Selbstverständlich gibt es auch bei Youtube eine Vielzahl an Dokus über die Regierungsbunker, die während des Kalten Krieges in Deutschland errichtet wurden. Diesen Film halte ich für sehens- und wissenswert.

    • LINK: FILM

Verstehen kann man das sicher alles nur, wenn man sich etwas mit dem Kalten Krieg befasst. Also habe ich Dir eine interessante Doku bei Youtube herausgesucht. Ich kann sie Dir nur empfehlen.

    • LINK: FILM

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