Um die Geschichte des deutschen Festungsbaus im Verlauf des 19. Jahrhunderts besser zu verstehen, lohnt zuvor ein kurzer Blick in die Geschichtsbücher

Denkt man heute an Preußen, denken viele Menschen an den preußischen Militarismus, dessen Grundlage Kurfürst Friedrich Wilhelm (1640-1688) legte. Sein Enkel und Nachfolger Friedrich Wilhelm I. mit seiner Regentschaft zwischen 1713-1740 ging sogar als "Soldatenkönig" in die Geschichtsbücher ein, weil er das Staatswesen neu sortierte und der Gesellschaft einen soldatischen Stempel aufdrückte.

Friedrich II - der "Alte Fritz"

Am Bekanntesten unter den preußischen Königen ist Friedrich II., den man schlicht und liebevoll den "Alten Fritz" nannte. Die von ihm forcierte Ausweitung der Verwaltung und Wirtschaft diente in erster Linie der Positionierung Preußens unter den großen Militärmächten in Europa.

Spätestens unter seiner Ägide entwickelte sich Preußen zu einer der fünf entscheidenden Mächte in Europa. Nicht immer zur Freude seiner Nachbarn Frankreich, Österreich oder dem russischen Zarenreich. Dann kam es zu einer großen Zäsur. Napoleon Bonaparte überrollte halb Europa - insbesondere Deutschland, welches damals aus einer Vielzahl kleiner Staaten bestand. Insbesondere für Preußen war das eine schwierige Zeit, weil man anerkennen musste, dass man in Napoleon einen stärkeren Widersacher hat. Dann kam die Wende: Napoleon scheiterte vor Moskau, es folgte die Völkerschlacht bei Leipzig und zuletzt die Schlacht bei Waterloo. Napoleon musste ins Exil und die Fürstenhäuser Europas trafen sich 1815 in Wien, um die Landkarte Europas neu zu ordnen, ein erneutes Aufbegehren Frankreichs zu unterbinden und auch den "gefährlichen Gedankengut" der Französischen Revolution Einhalt zu gebieten.

Es formte sich ein deutlich größeres Preußen, der Deutsche Bund wurde gegründet und Österreich gewann im Zentrums Europa an Einfluss. Ach ja: Und Preußen, Österreich plus Russland bildeten eine "Heilige Allianz", um Europa vor Frankreich zu beschützen. Diese Allianz hielt gerade einmal ein halbes Jahrhundert, genau wie der Deutsche Bund und der Frieden zwischen Preußen und Österreich. Dies alles endete nämlich in den 1860er-Jahren: Russland führte Krieg auf der Krim und offenbarte damit seine Expansionswüsche in Osteuropa, was Preußen und Österreich auf den Plan rief und sie veranlasste, entlang ihrer Ostgrenze etliche neue Festungen zu bauen. Österreich und Preußen führten den sogenannten Bruderkrieg, aus dem Preußen als Sieger hervorging. Dann folge der Deutsch-französische Krieg, der die deutschen Staaten einte und in der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Schloss von Versailles mündete - der Krieg mit Frankreich dauerte zu dieser Zeit noch an.

"Erbeutete Fahnen auf dem Tempelhofer Feld" - Deutsch-französischer Krieg 1870-71 - Quelle: Historische Postkarte

Kaiser Wilhelm I.: "Erbeutete Fahnen auf dem Tempelhofer Feld"
Deutsch-französischer Krieg 1870-71 - Quelle: Historische Postkarte

18. Januar 1871, Schloss von Versailles: Der preußische König Wilhelm I. wird zum deutschen Kaiser ausgerufen. Fürsten und adlige Militärs waren anwesend, um dieses Jahrhundertereignis gebührend zu feiern und Wilhelm I. entsprechend zu huldigen. Während im Schloss von Versailles dieses Illustre Publikum feierte, tobte nicht weit von ihnen noch der Deutsch-französische Krieg - eine kurze Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich. Deutschland gewann diesen Krieg. Es war ein schneller Sieg, denn die Kämpfe dauerten nicht einmal ein Jahr. Seine folgen waren allerdings weitreichend - bis ins 19. Jahrhundert hinein. Dazu aber gleich mehr.

Die ersten Jahres des deutschen Reichs bestimmten Kaiser Wilhelm I. und sein Reichskanzler Otto von Bismarck mit seinen weitreichenden Befugnissen die Geschicke des Landes. Unter ihrer Führung wurde Deutschland außenpolitisch inmitten Europas ein wirtschaftlich und militärisch starker Nationalstaat. Die Nachbarn sahen das mit Argwohn. Das galt insbesondere für Frankreich - nicht zuletzt, weil man die Schmach des verlorenen Krieges 1870/71 nicht überwinden konnte. Zentrales Ziel der Bismarck'schen Außenpolitik war es daher, im Fall eines Krieges Deutschland vor einem Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland zu schützen.

Kaiser Wilhelm I. verstarb am 9. März 1888. Drei Tage später wurde sein Sohn, Friedrich III., zum neuen Kaiser proklamiert. Bereits 99 Tage nach seinem Amtsantritt, am 15. Juni 1888, starb Friedrich III. an Kehlkopfkrebs. Aufgrund der kurzen Amtszeit wird er auch als „99-Tage-Kaiser“ bezeichnet. Gerade einmal zehn Tage nach seinem Tod wurde sein 29-jähriger Sohn als Kaiser Wilhelm II. inthronisiert. Mit dem Tod Friedrich III. und der Machtübernahme Wilhelm II. ging auch nach und nach die Ära Otto von Bismarcks zu Ende.

Kaiser Wilhelm II.
letzter deutscher Kaiser
1859-1941

Er wurde 1890 aus seinem Amt entlassen. Damit änderte sich auch grundlegend die deutsche Außenpolitik. Historiker sagen heute häufig, dass damals bereits der Grundstein für den Ersten Weltkrieg gelegt wurde. Denn: Fortan formulierte Kaiser Wilhelm II. für Deutschland eine ‚Weltgeltung‘. Er verabschiedete sich von der bisherigen Bündnispolitik und versuchte Deutschland eine Vormachtstellung zu sichern.

Obwohl Kaiser Wilhelm II. immer wieder seinen guten und friedlichen Willen bekundete, zerschlägt er in den Folgejahren durch wenig diplomatische Aussagen und seinem wechselhaften Verhalten auf europäischer Bühne viel Porzellan. Er überschätzt seinen Einfluss – beispielsweise auf den verwandten russischen Zaren. All dies lieferte den Ententemächten, die sich durch das wirtschaftlich und militärisch aufstrebende Deutschland bedroht fühlen, willkommene Anlässe, sich durch neue Bündnisse zusammenzuschmieden. Das wiederum führt dazu, dass sich das Deutsche Kaiserreich eingekreist fühlt und in Österreich seinen letzten großen Verbündeten sieht.

Aufgrund der kurzen Amtszeit wird er auch als „99-Tage-Kaiser“ bezeichnet. Gerade einmal zehn Tage nach seinem Tod wurde sein 29-jähriger Sohn als Kaiser Wilhelm II. inthronisiert.

Mit dem Tod Friedrich III. und der Machtübernahme Wilhelm II. ging auch nach und nach die Ära Otto von Bismarcks zu Ende. Er wurde 1890 aus seinem Amt entlassen. Damit änderte sich auch grundlegend die deutsche Außenpolitik. Historiker sagen heute häufig, dass damals bereits der Grundstein für den Ersten Weltkrieg gelegt wurde. Denn: Fortan formulierte Kaiser Wilhelm II. für Deutschland eine ‚Weltgeltung‘. Er verabschiedete sich von der bisherigen Bündnispolitik und versuchte dem wirtschaftlich starken Deutschland eine Vormachtstellung zu sichern. Obwohl Kaiser Wilhelm II. immer wieder seinen guten und friedlichen Willen bekundete, zerschlägt er in den Folgejahren durch wenig diplomatische Aussagen und seinem wechselhaften Verhalten auf europäischer Bühne viel Porzellan. Er überschätzt seinen Einfluss – beispielsweise auf den verwandten russischen Zaren. All dies lieferte den Ententemächten, die sich durch das wirtschaftlich und militärisch aufstrebende Deutschland bedroht fühlen, willkommene Anlässe, sich durch neue Bündnisse zusammenzuschmieden. Das wiederum führt dazu, dass sich das Deutsche Kaiserreich eingekreist fühlt und in Österreich seinen letzten großen Verbündeten sieht.

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